review – Strange Kind of Women

Hohenlockstedt – „Smoke on the Water“, „Perfect Strangers“, „Highway Star“, „Stormbringer“ oder „Lay Down, Stay Down“ – ganze Generationen trugen die Originale der Rockgeschichte durch ihre Jugendzeit, schufen sich mit dieser Musik unvergessliche Momente und Emotionen und machten sie nicht selten zum Soundtrack für Revolution, zumindest jedoch für gesellschaftliche Evolution.

Doch inzwischen sind die Stars und ihr Publikum aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren alt geworden, die ersten sterben mittlerweile schon weg. Welch eine Offenbarung muss es da sein, wenn man seine Idole aus der Jugendzeit noch einmal live sehen und erleben kann – oder zumindest den Eindruck gewinnt, dass ihr musikalischer, kulturhistorischer „Geist“ noch einmal aus den Untiefen der Vergangenheit aufersteht. Plötzlich werden längst vergessen geglaubte Erinnerungen und Emotionen wieder lebendig.

Die Wirkungsmacht war enorm: Also buchten die PEP-Verantwortlichen die fünf Damen aus Bella Italia in der größeren Kartoffelhalle in Hohenlockstedt ein, und das Publikum kam zahlreich.

So baut PEP immer wieder Tribute-Bands in sein Programm ein, um dem Publikum den Eindruck und die Erinnerung an vergangene Zeiten zu vermitteln. Der Vorteil liegt auf der Hand: Da sich das Original um Ian Gillan & Co. sicherlich nicht in die norddeutsche Provinz verirren wird, kann man sich diese Bands auch finanziell leisten. Und wenn sie gut sind, schaffen sie es, beim Publikum echte Wiedererkennungseffekte zu erzielen.

So war bereits im vergangenen Jahr die Ulmenhofschule bis auf den letzten Platz gefüllt, als die italienische Deep-Purple-Coverband „Strange Kind of Women“, ein reines junges Damen-Quintett, dort auflief. Nicht umsonst wurden sie im Vorfeld als der derzeit „heißeste Act aus Italien“ bezeichnet. Das Interesse war groß, sogar internationale Journalisten hatten sich angekündigt, um über das Event zu berichten. Die kamen dann allerdings nicht, aber das ist eine andere Frage.

Dass sie von einem großartigen Auftritt und einer fantastischen Stimmung berichtet hätten, stand für den Vorsitzenden Oliver Zantow schon vorher außer Frage. Die Wirkungsmacht war enorm: Schon im Vorfeld ahnten die PEP-Veranstalter, dass das Interesse diesmal noch größer sein würde. Also buchten sie die fünf Damen aus Bella Italia nicht erneut in der Ulmenhofschule, sondern gleich in der größeren Kartoffelhalle in Hohenlockstedt.

Unter dem Motto „The Classic Deep Purple Years“ war jedem klar, was ihn erwartete: die großen Hits der klassischen Schaffensjahre der 70er und 80er. Und das Publikum wurde nicht enttäuscht. Der Saal war voll, die Stimmung bestens, und die Musikerinnen – Sängerin Christina Altieri alias „Alteria“, Gitarristin Eliana Cargnelutti, Keyboarderin Margherita Gruden, Bassistin Paola Zadra und Schlagzeugerin Chiara Cotugno – äußerst spielfreudig. Eine bessere Kombination für einen gelungenen Abend konnte es kaum geben.

Mit Licht und Liebe in Szene gesetzt: Der Auftritt von Strange Kind of Women“ in der Kartoffelhalle beeindruckte akustisch wie visuell.

Strange Kind of Women setzten alles, wofür man Deep Purple kennt und liebt, effektvoll in Szene, ergänzt durch den inspirierenden visuellen Effekt der fünf Damen, die auf der Bühne losrockten, als gäb’s kein Morgen. Und in einigen Soli demonstrierten die Damen dann auch noch, dass sie auch exzellente, zumindest aber solide Musikerinnen sind.

Gitarristin Eliana Cargnelutti zeigte sich hinterher im Backstage-Gespräch beeindruckt vom Setting: „Wir waren zum ersten Mal hier in der Halle. Wir wussten gar nicht, dass es in so einer Umgebung so eine schöne Location für Konzerte gibt und waren sehr überrascht.“ Musikalisch bedeutete das für sie: „Das könnte mein zweites Zuhause werden. Der Sound ist warm, die Akustik gut.“

Und dann die Haare zum Himmel: Nach er Verbeugung schienen die Frisuren der Damen für eien kurzen Moment nicht mehr der Schwerkraft zu gehorchen.

Auf „Child in Time“ verzichteten sie am Ende, um die Stimme von Sängerin zu schonen. Dafür gab es Cargneluttis großes Gitarrensolo in „Blind“, „mein Lieblingslied, weil das schnell, harmonisch, energetisch ist“, wie sie erlärte. Auch der neue Song „Never Before“ fand seinen Platz: „Er bringt Rock’n’Blues-Vibes hinein, er ist einfach orchestral und epischer.“

Sängerin Christina Altieri („Alteria“) empfand die Kartoffelhalle ebenso als eine „großartige Halle“. „Sie ist schön mit Bühne, Bar, Steh- und Sitzplätzen und bietet eine hohe Qualität“, sagte sie. Die Akustik sei trotz anfänglicher Befürchtungen „hervorragend“ gewesen: „Wir dachten beim Mauerwerk an einen Hall, aber durch den ausgelegten Teppich, die Dachverkleidung mit vielen Holzbalken und die vielen Menschen wird der Sound gedämpft.“

Sängerin Christina Altieri („Alteria“) gab alles: Sie empfand die Kartoffelhalle als eine „großartige Location“ und zog alle Register in Performance und Gesang.

Das Publikum sei konzentriert gewesen, „sie mochten es“, hat sie bemerkt. Auch ohne „Child in time“. „Wir variieren das Programm gerne mal, rotieren die Songs. Das macht es interessant für die Zuhörer. So ist kein Konzert wie das andere.“ Und das hier war es bestimmt nicht.

Fotos und Text: Ludger Hinz