review – PEP Celtic Night 2026

Kellinghusen – Das Motto dieses Abends war schon im Namen einer der Bands enthalten: „Ticket to Happyness“ versprach vieles. Und so stand das blaue, runde Zirkuszelt schon von außen da wie ein Versprechen: ein bisschen Jahrmarkt, ein bisschen Abenteuer, ein bisschen „Mal sehen, was der Abend heute so bringt“.

Das blaue, runde Zirkuszelt stand schon von außen da wie ein Versprechen: ein bisschen Jahrmarkt, ein bisschen Abenteuer, ein bisschen „Mal sehen, was der Abend heute so bringt“. Drinnen roch es nach Holzspänen, warmem Licht und einer Mischung aus Erwartung und leichter Skepsis.

Drinnen roch es nach Holzspänen, warmem Licht und einer Mischung aus Erwartung und flüchtiger Skepsis. Die entsteht, wenn man weiß, dass bei der „PEP Celtic Night“ gleich drei sehr unterschiedliche Bands denselben Raum bespielen sollen, und alle mit Folk im weitesten Sinne. Im Zelt klang das plötzlich wie eine ziemlich weit gefasste Kategorie. Man war gespannt, wurde aber nicht enttäuscht, weil der Abend keine Wünsche offen lassen sollte. Abwechslung ist ja tendenziell immer besser, als das ewig Gleiche, nur in unterschiedlicher Ausprägung.

Gespannt durfte man sein, wie die drei von PEP an diesem Abend eingeladenen Formationen performen würden. Drei Bands, insgesamt 28 Musiker – und eine (!) Musikerin auf der Bühne machten eine etwas andere Show, als es zuletzt Jan Fleming Olsen vor einem Jahr mit seinem eher nachdenklichen Programm an gleicher Stelle bot. Heute war Spektakel angesagt: laut und melodiös.

Trug maßgeblich dazu bei, dass im Zelt beste irische Laune herrschte: die Geigerin der Band „In Search of a Rose“ Joanne O’linn.

Die Band „Crest of Gordon“ eröffnete den Abend mit der Gelassenheit einer Gruppe, die sich von einem flatternden Zeltdach nicht aus der Ruhe bringen lässt (wenn es das gegeben hätte). Die Formation hatte sich bereits 1992 zusammen geschlossen aus dem Waliser Victor C. Besch und ein paar Schottland-begeisterte Bremern, die die traditionelle Folk Music fortleben lassen wollten. Und das bis heute tun.

Die Dudelsäcke schnitten durch die Luft wie von echten Highland-Schotten gewohnt, und die Trommeln taten ihr Bestes, das Zelt im Rhythmus zu halten. Hier waren Kilt und Tradition Pflicht, und man konnte beobachten, wie sich das Publikum langsam in diesen Klang hineinfand, manche mit ehrfürchtigem Nicken, andere mit dem Gesichtsausdruck von Menschen, die sich gerade an etwas sehr Lautes erst gewöhnen mussten. Aber es passte. Die Band wirkte wie ein vertrauensseliger Ankerpunkt, bevor der Abend in andere Richtungen driftete.

Bei der „PEP Celtic Night“ bespielten drei sehr unterschiedliche Bands denselben Raum im Zirkuszelt, und alle mit Folk im weitesten Sinne – von traditionell über rockig bis punkig.

Denn als „Ticket to Happiness“ übernahmen, fühlte sich das Zelt plötzlich weniger nach Highland-Tradition als vielmehr nach Samstagabend-Party an. Ihr Folkrock wirkte wie ein Getränk, das man nicht bestellt hat, aber trotzdem trinkt, weil es überraschend gut schmeckt. Die Gitarren verzerrt, die Drums treibend, die Mandoline fröhlich bemüht, niemanden sitzen zu lassen. Die Moderne hatte Einzug gehalten in das traditionelle Musikgut. Die Band wollte offensichtlich, dass man sich bewegt, und viele taten das auch, wenn auch manchmal mit der vorsichtigen Körperhaltung von Menschen, die sich nicht sicher sind, ob der Boden wirklich stabil ist. Die Texte schwankten zwischen Witz und Haltung, und man merkte, dass die Band gern etwas mitteilt, aber niemanden belehren will. Ein sympathischer Ansatz.

Zum Schluss dann In Search of a Rose, die das Zelt mit einer Mischung aus Routine und Spielfreude füllten, die man nur bekommt, wenn man seit den 90ern unterwegs ist und immer noch Lust hat. Ihr Shamrock’n’Roll funktionierte erstaunlich gut in dieser Zirkusatmosphäre; vielleicht, weil die Musik selbst etwas Zirkushaftes hat: ein bisschen wild, ein bisschen unberechenbar, aber immer mit einem klaren Kern und bestimmender Richtung. Die neuen Songs erzählten Geschichten aus London, ihrer Wahlheimat Bath und der lippischen Herkunft, und das Publikum hörte zu, als würde jemand am Lagerfeuer sitzen und von früher erzählen. Nur eben mit lauten Gitarren.

„In Search of a Rose“

Am Ende war das Zelt warm, die Luft schwer und die Stimmung irgendwo zwischen zufrieden und angenehm erschöpft. Kein Abend, der sich anbiederte, keiner, der sich aufdrängte; sondern einer, der zeigte, wie unterschiedlich Folk sein kann, wenn man ihn einfach machen lässt. Ein Zirkusabend im besten Sinne: ein bisschen schräg, ein bisschen überraschend, und am Ende doch stimmig.

Was am Ende blieb: Die Irish Folk-Interpreteation aller drei Bands funktionierte erstaunlich gut in dieser Zirkusatmosphäre; vielleicht, weil die Musik selbst etwas Zirkushaftes hatte: ein bisschen wild, ein bisschen unberechenbar, aber immer mit einem klaren Kern und bestimmender Richtung.

Es beschlich einen, als man dann das Zelt verließ, dieses seltsame Gefühl, das man manchmal hat, wenn Veranstaltungen funktionieren. Man kauft eine Eintrittskarte, bekommt aber kein Versprechen auf Glück, eher eine Einladung, sich überraschen zu lassen. Und an diesem Abend war das Glück dann eben nicht der große Knall, sondern die Summe der kleinen Momente: der Dudelsack, der im Zelt ein bisschen laut war; die Mandoline, die sich durch die Menge schlängelte; und die Geschichten, die irgendwo zwischen Londoner Nachtbus und lippischem Ackerland pendelten. Und bei manchen stand dieser Abend dann ja vielelicht doch unter dem Motto des Namens der Band und wurde somit zum „Ticket to Happiness“, zur Eintrittskarte ins Glück.

Fotos und Text: Ludger Hinz