Kellinghusen – Runrig? Kenn ich nicht. Wer ist das denn?, war ich kurz davor zu denken, als ich sah, wer da das neue Jahr bei PEP eröffnen sollte. Aber ganz so ist es doch nicht. Zumindest der Name der Band und eine grobe Vorstellung vom Stil hat man schon, wenn man ein wenig schottischen Folk mag.
Das erste PEP-Konzert des Jahres versprach sogar, groß zu werden – so groß, dass die Veranstalter die Koffer packten und erneut in eine größere Halle umzogen. Für die schottische Folkband „The Runrig Experience“ ging es einmal mehr in die Kartoffelhalle nach Hohenlockstedt, wo es Ende vergangenen Jahres schon diverse Konzerte mit vielen Besuchern gegeben hatte. Da wurde es an diesem eiskalten Winterabend erstaunlich heiß.

Und tatsächlich: Die Halle war nicht ganz, aber doch ziemlich gut gefüllt – für Freunde mathematischer Feinheiten irgendwo zwischen zwei Dritteln und drei Vierteln. Man munkelt, ein kurzer Vorankündigungstext in der lokalen Tageszeitung habe den Vorverkauf noch einmal angefeuert. Vor allem online, wo man ja bekanntlich schneller klickt als man manchmal gucken kann.
Das Publikum war gespannt, denn im Mittelpunkt stand an diesem Abend vor allem die Erinnerung an große Vorbilder. Während eingefleischte Runrig-Fans – von denen es hier einige gab – textsicher mitsangen, brauchte der normale Konzertgänger erst einmal ein wenig Hintergrundwissen. „Runrig“ wurde 1973 auf der Isle of Skye gegründet und veröffentlichte insgesamt 14 Studioalben. In ihrer Mischung aus Folk und Rockmusik drehen sich die teilweise in schottischem Gälisch gesungenen Texte um Orte, Geschichte, Politik und Menschen aus Schottland.
Doch die Jahre und Jahrzehnte zogen ins Land und gingen auch an der Band nicht spurlos vorüber. 2018 spielten sie ihr letztes Konzert auf ihrer Abschieds-Tournee „The Final Mile“ mit 52000 Fans unter dem Titel „The Last Dance“ im Stirling City Park. Im Jahre 2023 hätte die Band ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert – wenn es sie noch gegeben hätte.

Da hatte „Runrig“-Fan Richie Muir, ein Sänger und Gitarrist aus Edinburgh, der in Nottingham lebt, die Idee, diese Musik wieder zu beleben und gewissermaßen fortleben zu lassen. Er gründete mit „Runrig Experience“ eine Tribute Band, die das Erbe des Vorbilds authentisch weiter führt.
Als „richtigen Leckerbissen“ bezeichnet deshalb der Pep-Vorsitzende Oliver Zantow das Konzert in der Kartoffelhalle mit ihrem aktuellen Programm „Beat the drum“. Und mehr noch: „Wir präsentieren ihren einzigen Auftritt in Schleswig-Holstein“, freute er sich. Das kann PEP auch nicht alle Tage von sich behaupten.
Hier war wieder alles angerichtet. Von den Roadies und Technikern waren Bühne und Sound gut eingestellt und die Beleuchtung sah stimmungsvoll aus. Mit der Hilfe des PEP-Teams klappten Einlass und Garderobe, das Tresenteam gewährleistete den Verkauf der Getränke, die knallgelb leuchtenden aufgehängten Plakate wiesen auf die nächsten Konzerte hin.

So wurde der Name zum Programm: „Beat the Drum“. Was das hieß, erfuhr man dann im Konzert kurz vor der Pause, als man sich schon zu wundern begann, was denn da beaten sollte. Aber es beateten wirklich die Drums übers Publikum. Drei Musiker mit über die Schulter gezogenen großen Standtrommeln und der Drummer mit einer Marschtrommel, ebenso auf die Schultern geschnallt, leiteten zur Gitarrenbegleitung als Höhepunkt im Set in militärisch-folkiger Rhythmik in die Pause über.

Musikalisch klang die Band für Neulinge ohnehin überraschend wenig nach klassischem Scottish Folk. Stattdessen präsentierten sie sich als Folk-Pop-Band mit eingängigen Melodien und leicht rockigem Einschlag. Ein angenehm leichtes Musikerlebnis, das so gut funktionierte, dass man nach beiden Sets dachte: „Wie, schon vorbei?“ Und wann kann man das schon mal sagen? So wehte den Besuchern an diesem Abend auch ein Hauch aus den schottischen Highlands mit, als sie den Saal in die eiskalte Nacht verließen.
Fotos und Text: Ludger Hinz