review – The Young Scots

Kellinghusen – Flachland oder Highlands, Berge oder Küste, Clan oder Famile – egal. Dachte ich, als die „Young Scots“ für das nächste Konzert angekündigt waren. Schottischer Folk als Lebensgefühl scheint in norddeutschen Landen einigermaßen gut nachvollziehbar. Und dementsprechend beliebt.

Kein Wunder, lebt der norddeutsche Flachländer doch in ähnlicher Natur, Wetter und Gemeinschaft wie die Schotten auf der Insel, auch wenn die ein paar mehr Berge haben, bei ihnen aber lediglich als „Highlands“ bezeichnet. Die Nordsee umtost uns beide, und das verbindet.

So ergab sich in Kellinghusen nicht zum ersten Mal eine gewisse Faszination an den schottisch-gälischen Klängen, die die vier Musiker an diesem Abend darboten. Mal ganz abgesehen davon, dass die Lieder und Tänze auf eine gewisse Weise einfach nur fröhlich sind. Die vier Musiker, das waren an diesem Abend die vier talentierten Preisträger und Finalisten der renommierten „BBC Radio Scotland Young Traditional Musician of the Year Awards“, die nun auf Tour durch halb Europa sind, um die gälische Spiel- und Sangeskunst an den Mann oder die Frau zu bringen.

Young Scots Trad Award: Moderatorin und Tourmanagerin Petra Eisenberger erklärte den Modus und die Charakteristiken der einzelnen Musiker.

So standen nacheinander Megan MacDonald mit fesselnden Akkordeonklängen, Calum McIlroy mit Gesang und Gitarre, Chloë Bryce mit ihrer charakteristischen Stimme und ihrem virtuosen Geigenspiel, und Fionnlagh Mac A‘ Phiocar mit Dudelsack und Flöten auf der Bühne und ließen die Tradition lebendig werden, moderiert von Tourmanagerin Petra Eisenberger, die die Zusammenhänge für die Zuhörer erläuterte und in einen Zusammenhang brachte.

Beeindruckten mit ihren Instrumenten, zunächst im Solo: Megan MacDonald mit ihren kraftvollen Akkordeonklängen und Calum McIlroy an der Gitarre und Gesang.

Durch sie konnten die PEP-Zuschauer gedanklich und gefühlt wieder einmal in das musikalische Erbes Schottlands eintauchen. Es war ein bisschen wie in einem Klassik-Konzert: die Atmosphäre feierlich, die Musiker(innen) konzentriert und die Zuschauer gespannt. Und die Ränge bestens gefüllt, wieder einmal mussten die obere Galerie sowie die Treppenstufen als Sitzplätze herhalten. So voll hatte man es lange nicht gesehen.

Das war nicht ganz neu, waren die „Young Scots“ doch in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal in Kellinghusen. Da es aber jedes Jahr andere Gewinner gibt, waren es jeweils andere Musiker – und dadurch jedes Mal neue, die sich in Kellinghusen vorstellten.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2018 ist die „Young Scots Trad Awards Winner Tour“ mit ihrem Konzept, das Tradition und Innovation miteinander verbinden soll, unterwegs. Mit ihren traditionellen Melodien, instrumentalen Tanzformen und getragene Balladen überzeugten sie das Publikum schnell.

Ließ mit Dudelsack und Flöten vor allem die Tradition lebendig werden: Fionnlagh Mac A‘ Phiocar, der auch einige irische Geschichten erzählte.

In der ersten Hälfte des Abends präsentierten die Künstlerinnen und Künstler ihre individuellen Talente in ihren Solostücken auf ihrem Instrument, was die Vielfalt des schottischen Folks widerspiegeln sollte. In der zweiten Hälfte vereinten sie ihre Kräfte und verwandelten die Bühne in ein Folk-Feuerwerk, das mit ihren Melodien und Rhythmen überzeugen konnte. Am Ende gingen die Besucher mit dem Gefühl nach Hause, dass wieder einmal ein traditioneller Musikstil in die Gegenwart getragen wurde.

Die Young Scots boten zunächst einige Kostproben ihre Solo-Könnens dar wie etwa Chloë Bryce mit ihrer Gesangs-Stimme und ihrem virtuosen Geigenspiel und Calum McIlroy an der Gitarre.

Fotos und Text: Ludger Hinz