Kellinghusen – Es ist seit Jahren ein herzliches Wiedersehen. Wenn diese Band nach Kellinghusen kommt, dann ist das jedes Mal wie ein Familientreffen – nur dass hier keiner den Kuchen auftischt, sondern die Band ihre Gitarrenriffs mitbringt; beziehungsweise den Bläsersound, denn bei der Hildesheimer Band „The Blues Guys & the Guinness Horns“ steht neben den schweren Blues-Riffs und dem mehrstimmigen Gesang vor allem die Bläserfraktion im Vordergrund, obwohl die auf der Bühne ganz hinten steht.

Vielleicht ist diese Abwechslung auch der Grund für die Beliebtheit der Formation bei den PEP-Mitgliedern, die sie immer wieder buchen, und den Fans, die immer wieder kommen. So auch dieses Mal: Nachdem der Vorverkauf noch schleppend verlief, sah es am Auftrittsabend doch noch recht passabel aus im Saal, der nicht übermäßig, aber doch recht gut gefüllt war.
Da feierte die Band wieder einmal ihr Wiedersehen, das sie seit 30 Jahren über die Jahre hinweg immer weiter pflegte und auf der Bühne auslebte. Bandgründer Hubertus „Hubsy“ Eggeling erinnerte sich in einem vor dem Auftritt gegebenen Interview noch genau an „das erste Mal“, damals, 1997, noch im mittlerweile nicht mehr existierenden „Altdeutschen Haus“ direkt neben der Stör; und an einen Wirt, der die Gage wegen des ausgiebigen Getränkekonsums eines Bandmitgliedes nicht mehr zahlen wollte, wie der Gitarrist noch heute lachend erzählt.
Heute brauchten die Musiker schon gar nicht mehr mit ihrem Standardsong, der programmatisch auch über dem ganzen Abend stehen könnte und den sie jahrelang mitbrachten, in die Ulmenhofschule zu kommen: „The Boys are back in town“ („Die jungs sind zurück in der Stadt“). Das war jedem schon klar, als er die Band dann auftreten sah.
Und so war es dann auch: Wie Hubsy Eggeling es formulierte, fühlt sich das Konzert bei PEP auch für die Band immer wieder wie ein Homecoming, ein Nach-Hause-Kommen, an. Nicht umsonst haben sie 2019 auch ihre „Silberhochzeit“, 25 Jahre PEP-Konzerte in Kellinghusen, hier gefeiert.

Auch haben sie einige Titel ihrer CD, die sie zu ihrem eigenen 40-jährigen Bühnenjubiläum heraus gebracht haben, mit dem beziehungsreichen Titel „40“ im Gepäck gehabt. Und vieles mehr, natürlich. Und so ergab sich wieder einmal wie vor zwei Jahren zum letzten Mal ein beschwingter Abend im Auf und Ab des mal funkigen, mal rockigen, mal schnellen, mal getragenen und mal melancholischen und mal modernen Blues-Sounds, der in seiner Ausgewogenheit nichts zu wünschen übrig ließ.
In ihrem fast zweistündigen Auftritt gaben die Blues Guys und die Guinness Horns unter ihrem Motto „In Groove we trust“, der auch Titel einer ihrer CDs (2018) ist, mal wieder alles. Der immer bestens gelaunte Sänger Michael Fanger schwitzte sich mal wieder die Seele aus dem Leib, Gitarrist Hubsy Eggeling gab mit seinem Spiel Melodie und Tempo vor, und Sängerin Marita Eickmeyer rundete mit ihrem Backgroundgesang, der hier und da aber auch ganz nach vorne trat, das Ganze auf charmante Art und Weise ab.
Noch ein bisschen mehr Eindruck machte die Tatsache, dass dieses Mal zwei Trompeter in der Bläserfraktion spielten, die eine eigene große Musikgeschichte aufzubieten haben. Der eine ist Manager der Beriner Band „Seeed“ und von Superstar Peter Fox, der andere hat schon mit musikalischen Größen wie Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer, Alicia Keys, Kelly Clarkson und Vicky Leandros gespielt – beeindruckend! An diesem Abend reihten sie sich mühelos in das Bläserquintett ein.

In ihrem ausgewogenen Auftritt schafften sie es, im Spannungsfeld zwischen Rhythm’n’Blues, Rock, Soul und Funk die Höhen und Tiefen, ein Auf und Ab zu erschaffen, das die Zuhörer mal packte, dann wieder locker lies, um es dann wieder mitzureißen.
Als die Band mal gemeinschaftlich spielte, dann die Songs immer wieder durch Soli aufbrach, für die die Musiker auch einzeln vors Publikum traten, entwickelte sich eine musikalische Wucht, die die Zuhörer noch einmal mehr beeindrucken konnte. Besonders bei den Bläsern eine effektvolle Inszenierung, die auch ihren verdienten Applaus hervorrief.
Aufmerksame Besucher der „Blues Guys“-Konzerte vergangener Jahre bei PEP kannten natürlich die Klassiker, mit denen die Band immer wieder für die Stimmung sorgt wie „I feel good“, „Why do you do it“, das Medley „Regulate/Shout/Sledgehammer“ oder „Shake a tailfeather“ und „Proud Mary“. Besondere Bonuspunkte sammelte hier auch der von Marita Eickmeyer im Sologesang intonierte Tina Turner-Hit „Notbush City Limits“.

Als die Band die Besucher dann hinterher wieder in die kühle Frühlingsnacht entließ, gingen diese wie die Musiker mit der Hoffnung, dass das nächste Homecoming der Band ganz sicherlich nicht mehr allzu weit ist.
Fotos und Text: Ludger Hinz