Hohenlockstedt – PEP hat’s mal wieder geschafft: Jahresende, Kartoffelhalle, und ein musikalischer Titan aus der Vergangenheit wird auf die Bühne gestellt. Diesmal Slade – oder das, was von ihnen übrig ist. Von der Originalbesetzung steht nur noch einer da: Dave Hill, 79 Jahre jung und offenbar kein bisschen leise. Der Rest der Band ist eher „Slade – die nächste Generation“: einer immerhin seit 22 Jahren dabei, die anderen eher „seit gestern“. Macht aber nichts, denn der Name allein zieht die Massen an wie ein Sonderangebot im Baumarkt.
Die Halle füllt sich mit Hunderten neugieriger Menschen, die sich noch an die 70er erinnern können. Oder zumindest daran, dass sie sich an sie erinnern konnten. Jugendliche würden heute wohl fragen: „Slade – wer? Ist das ein Energy-Drink?“ Aber die älteren Semester wissen: Das waren mal echte Chartmonster: 21 Top-20-Hits, sechs Nummer-Eins-Singles, Millionenverkäufe sprechen eine deutliche Sprache. Kurz gesagt: Die Jungs waren damals richtig wer. Für den, der sich daran erinnern kann.
Der Abend in Hohenlockstedt läuft entsprechend nostalgiesatt an. Die Besucher sind gut gelaunt, froh über Parkplätze direkt vor der Tür und dankbar, nicht schon wieder nach Hamburg oder Kiel zu müssen. Und bei diesen Mengen war nicht einmal eine Ankündigung in der Lokalzeitung nötig, um die Halle auf Betriebstemperatur zu bringen. Draußen ist’s kalt, Drinnen wird’s warm, und die Stimmung steigt hoch.

Als Slade dann loslegen, wird klar: Die Hits kennt man doch. „Far Far Away“, „My Oh My“, „Coz I love you“ können alle mitsingen. Und natürlich „Merry Christmas Everybody“, denn ohne das wäre ein Novemberabend ja irgendwie sinnlos. Die Menge macht mit, ist teilweise lauter als die Band. Und manch einer erlebt sogar Aha-Momente: „Ach, DIE haben das im Original gesungen?“ Wie etwa „Come on feel the noize“, das manchem nur als 80er-Jahre Song von „Quiet Riot“ aus den Charts im Gedächtnis geblieben war.

Musikalisch ist das Ganze irgendwo zwischen Glam, Rock und „für jeden ein bisschen falsches Jahrhundert, aber irgendwie doch heute angekommen“- Egal, die Leute feiern, und Dave Hill zeigt, dass man auch mit 79 noch ordentlich Gitarre schrammeln und Stimmung machen kann. Nach 75 Minuten ist alles schon wieder vorbei. Ohne großes Tamtam. Auftritt, Bühne, Musik, Abgang. Fertig.

Zum Glück, damit der Abend nicht ganz so kurz wurde, gab’s vorher noch die Vorband „For Rock’s Sake“ aus Kiel, die den Laden schon mal auf Temperatur brachte. Besonders weil mit Gitarrist Bernd Pahlke der langjährige PEP-Techniker auf der Bühne stand. Anfangs etwas zäh, später dann mitreißend psychedelisch-rockig und laut genug, um die Halle zu entstauben. Das Publikum brauchte zwar ein paar Songs, um aufzutauen, feierte die Band am Ende aber wie einen Überraschungsbesuch vom Weihnachtsmann. Leider wurde ihr Set abrupt beendet; vermutlich, weil sie sonst länger gespielt hätten als die Hauptband.

Am Ende gingen alle nach Hause mit dem guten Gefühl, etwas Großem beigewohnt zu haben oder zumindest den Hauch der (Musik)-Geschichte gespürt zu haben. Und manchmal reicht das ja schon.
Fotos und Text: Ludger Hinz