Kellinghusen – Wer behauptet, Kirchen seien nur zum Beten da, war offensichtlich noch nicht in Kellinghusen. Da hat PEP das Jahr gerade mit einem Gitarrenkonzert verabschiedete, das so andächtig wie intensiv war.
Das Damen-Trio „samt + saitig“ aus Kellinghusen und Umgebung verwandelte die St.-Cyriacus-Kirche für zweieinhalb Stunden in einen akustischen Wohlfühlraum. Da hätte selbst der Herr Pastor vermutlich heimlich mit dem Fuß mitgewippt.

Obwohl es kurz vorher noch Restkarten gab, war die Kirche am Ende voll bis zur letzten Bankfuge. 200 Menschen auf Kirchenbänken, die sich dachten: „Weihnachtslieder? In der Kirche? Verrückt! Aber warum eigentlich nicht?“ Die drei Musikerinnen, alle um die 60, aber musikalisch fitter als mancher 20-Jährige im YouTube-Kurs, spielten 20 Songs in zwei Sets: auf Plattdeutsch, Hochdeutsch und Englisch, quasi ein wohl schmeckendes Weihnachtsbuffet für die Ohren.

Live treten die drei selten auf, was man ihnen aber nicht anmerkte. Deshalb war es für Ingar Mikat (Quarnstedt), Ute Vollstedt (Rosdorf/beide Westerngitarre) und Ute Koopmann (Kellinghusen/Konzertgitarre), alle im Alter um die 60 Jahre, ihr erster Auftritt in diesem Jahr – und ein ganz besonderer. Eher wirkte es so, als hätten sie die letzten Monate im Proberaum verbracht, um jeden einzelnen Akkord zu proben. Ursprünglich wollten sie ganz „unplugged“ spielen, entschieden sich dann aber doch für akustische Verstärkung. Vermutlich, weil niemand Lust hatte, in der letzten Reihe nur noch das Rascheln der Wintermäntel zu hören.

Unterstützt wurden sie vom Kellinghusener Musiker Erk Böteführ (64), Gitarrenlehrer, Gastmusiker und Insider der lokalen Musikszene. Er sprang in mehreren Songs hinzu und brachte mit seinen Soli eine zusätzliche Art von Glanz hinein. Noch verrückter: Die drei haben bei ihm 2002 in einem VHS-Kurs überhaupt erst das Gitarrespielen gelernt. Wenn das kein pädagogischer Erfolg ist, weiß ich es auch nicht.
Gesanglich waren die drei eine kleine Sensation – dreistimmig, sauber, warm, und so gut arrangiert, dass man sich fragte, warum sie nicht längst auf größeren Bühnen auftreten. Und nein, es handelt sich nicht um „drei singende Hausfrauen“, wie manche spöttisch behaupten. Die Damen haben seriöse Berufe und machen Musik, die man ernst nehmen darf und sogar eigene Akzente setzt, wie Erk Böteführ betonte.

Akustisch saßen sie ebenerdig statt auf der Empore, weil der Sound dort wohl an der niedrigeren Decke hängen geblieben wäre. Ergebnis nun: toller Klang, aber eingeschränkte Sicht. Irgendwas ist ja immer. Einige Besucher sahen vermutlich mehr Hinterköpfe als Musikerinnen. Fürs nächste Mal wird nachgebessert, versprach Erk Böteführ. Dann: Empore ja, aber mit moderater Verstärker-Technik.
Am Ende gab’s Standing Ovations, drei Zugaben. PEP war glücklich, die Musikerinnen waren glücklich, und Erk Böteführ sowieso. Und weil Weihnachten ohne Souvenir nicht komplett ist, konnten die Besucher auch gleich die CD „Bald ist Weihnachten“ (2013) des musikalishcen Trios für schlappe zehn Euro kaufen. Eine Rarität, die man später im heimischen Regal präsentieren kann, während man sagt: „Da war ich live dabei!“
Fotos und Text: Ludger Hinz