Kellinghusen – Es ist ja immer so eine Sache mit den ersten Veranstaltungen nach einer längeren Pause. Kommt man da schnell wieder auf Touren und knüpft da an, wo man zuvor aufgehört hat? Oder dauert es etwas, bis Veranstalter und Publikum wieder miteinander warm werden? Sollte letzteres der Fall sein, dann hätten sich die Ausrichter mit nur einer geringen Zahl von Zuhörern zufrieden zu geben. Hier war aber ersteres der Fall.
Wobei „länger“ wohl je nach Standpunkt etwas übertrieben wäre, aber nun ging es bei PEP nach sieben Wochen Sommerpause ansatzlos mit einem kleinen, aber feinen Blues-Festival weiter. Nach eineinhalb Monaten Stille war in der Ulmenhofschule der dreifache Blues oder je nach Gusto auch „Blues hoch drei“ angesagt. Ok., nachdem sich PEP in den vergangenen Jahren zu einer Art Blues-Spezialist entwickelt und zahlreiche Bands – neue wie etablierte – präsentiert hatte, mussten sich die Gastgeber hier schon etwas strecken, um etwas Neues zu bieten – das taten sie aber auf ganz angenehme Weise.

Neben der hier schon bekannten „Farmersroad Blues Band“ aus Elmshorn standen das niederländische Blues-Trio „Diujf“ (laut PEP-Vorsitzendem Oliver Zantow „Düf“ ausgesprochen) aus Amsterdam sowie die Bluesrockband „Vanja Sky“ aus Kroatien auf der Bühne. Um es vorweg zu nehmen: Damit hatte der Gastgeberverein einen Nerv getroffen und neben einer etablierten Formation mindestens zwei Neuentdeckungen fürs eigene Publikum parat, die sich auch noch hören lassen konnten.
Hatte man den runden Saal betreten, hieß es aber zunächst einmal: Zuschauer hoch drei! Da war ich sehr erstaunt. Denn das weite Rund war so voll wie lange nicht mehr, die Besucher saßen und standen vor der Bühne, an den Stehtischen, saßen auf den Bänken, und fast alle Plätze auf der umlaufenden Galerie waren ebenso besetzt wie weite Teile der Treppenaufgänge. Lange her, dass ich mich an so etwas erinnern kann. Einige weibliche Gäste verließen dort oben ihren Platz sogar wieder, um wegen der besseren Sicht rechts auf der Treppe Platz zu nehmen. So stelle ich mir griechisches Amphi-Theater vor. Das PEP-Personal hatte alle Hände voll zu tun und war schwer beschäftigt.
Blues in seinen unterschiedlichen Ausformungen ist wohl auch weiterhin beliebt. Der Abend hatte sehr zur Freude von PEP-Chef Oliver Zantow die dreistellige Besucherzahl locker hoch übertroffen. Hatte da die Lokalzeitung ihre Wirkung entfaltet, in der in den Tagen zuvor eine ausführliche Ankündigung für das kleine Festival gestanden hatte? Schien fast so. Auch der Vorverkauf war schon gut verlaufen, wie zu hören war.

Symbolhaft für den Abend stand eigentlich die letzte der auftretenden Bands. Denn zum Schluss, eine halbe Stunde vor Mitternacht, ließen es Vanja Sky und Band noch einmal so richtig krachen. Und die kam mit viel Vorschusslorbeeren, wird sie doch als „Kroatiens Antwort auf Sheryl Crowe“ bezeichnet. Oha, wenn das mal nicht eine zu schwere Bürde ist, konnte man da denken. War es aber nicht. Schon beim Soundcheck schwante es einer Besucherin: „Das wird laut!“ Und so kam es dann auch. Kaum waren die ersten Gitarrenriffs gespielt, da wurde klar: Hier geht es jetzt zum Schluss mit ihrem Blues-Rock noch einmal so richtig ab.

Stimmgewaltig, mit sattem Sound, verzerrten Gitarren und einem Drummer, der sich scheinbar die Seele aus dem Leib spielen wollte entfalteten sie eine Power, die selbst die hartgesottenen Zuhörer ins Erstaunen versetzte. Die da noch bis zum Schluss blieben, hatten es nicht mehr eilig. Sie waren die wahren Fans, die auch noch nach Mitternacht genug Power zum Mitmachen und Mitklatschen hatte.
Zuvor führte die Elmshorner Farmers Road Blues Band die Mitzuhörer und mich mit etwas weniger Druck, dafür aber mit ihrem melodiösen, lockeren Blues-Soul-Sound gleich zu Anfang des Abends stimmgewaltig in die Materie „Blues“ ein, Stimmung entstand da fast von selbst. Klatschen, Johlen, Mitsingen – das ganze Programm ging hier ganz schnell. Ihnen eilte ihr Ruf voraus, waren sie doch Gewinner des Kulturpreises der Stadt Elmshorn.

Dabei stach besonders die Stimme der 25-jährigen Klara Schwabe hervor. Mit ihren Balladen, rockigen Blues-Standards und groovenden Tanz-Stücken provozierten sie großen Applaus. So kamen die Musiker auch nicht umhin, nach einer Stunde eine herbei geklatschte Zugabe zu geben. Da war am Ende schon ordentlich Dampf auf dem Kessel.
In der Pause versorgten sich die mittlerweile durstigen Kehlen am Tresen mit Wein und Bier oder auch Cola oder Selter und gingen dann ein wenig vor die Tür in die noch milde Spätsommerluft dieser Nacht. Wo die Raucher auch schon ihre Zigaretten entzündet hatten. Oder sie blieben in der Halle, um im Small Talk die neuesten musikalischen Erkenntnisse auszutauschen.

Das holländische „Robbert Duijf Trio“ erhielt gleich zu Beginn seines Auftritts nach der Pause schon Applaus, bevor es überhaupt eine einzige Note gespielt hatte. Oliver Zantow gab nämlich in seiner Ansage Preis, dass das Trio aus Amsterdam nach Kellinghusen mit dem Auto gefahren sei – und hauptsächlich im Stau gestanden habe. „Sie haben für die ganze Strecke hierher acht Stunden gebraucht!“ Dass der Angesprochene das noch mal auf zehn Stunden korrigierte – geschenkt. Große Beifallskundgebung der Bewunderung war das dem Publikum allemal Wert.

Und so begeisterten sie die Zuhörer mit ihrem Programm, in dem Robbert Duijfs ältester Sohn Rubin am Kontrabass stand und Henk Westbroek an den Drums saß, mit ihrem eine weite Spanne umfassenden Repertoire. Sie intonierten ihren Gospel Blues als interessante Mischung aus Gospel und Delta Blues mit einer Prise British-American Folk. Dabei präsentierte sich das Trio als bestens eingespieltes Team und spielte die Songs von laut bis leise, von schnell bis langsam sehr konzentriert. Besonders schien Sohn Rubin Gefallen an dem konzertanten Geschehen zu finden, lachte er doch an seinem Kontrabass seine Spielfreude bis ins Publikum hinein.
Fotos und Text: Ludger Hinz