review – Mojo Man & Abi Wallenstein

Kellinghusen – Ein Sommerabend wie gemalt: draußen warm, drinnen heiß – und auf der Bühne eine Kombination, die selbst gestandene Musikliebhaber kurz stocken ließ. Auf der kleinen, aber feinen PEP-Bühne geben sich der „Godfather of Hamburg Blues“, Abi Wallenstein, und die Blues-Band-Neuzündung „Mojo Men“ die Ehre.

Lauer Sommerabend, milde Temperaturen, ein typisch friedlicher Tag: Da hätte man das Ganze doch auch draußen statt finden lassen können – oder? Nein, ging nicht, weil ein dafür vorgesehner Platz zwar zur Verfügung stand, aber für die Menge nicht geeignet, sprich: zu klein, gewesen wäre.

Außerdem wäre es auch für die Umgebung zu laut gewesen, waren die Veranstalter zum eindeutigen Schluss gekommen, zeichnen sich doch gerade Blues-Bands durch ihren treibenden Druck aus, der ihre Lautstärke in ungeahnte Höhen treiben kann. Also: Konzert doch drinnen in der Ulmenhofschule.

So wurde es also nun dort heiß: Denn da spielte Abi Wallenstein – solange ich denken kann, schon europäische Blues-Ikone – wieder einmal als Solist. Wobei sein jüngster Auftritt hier bereits 14 Jahre her ist und aus dem Jahre 2011 datiert. An diesen Abend erinnere ich mich trotzdem noch genau, da ich als Fotograf und Pressevertreter für die Zeitung berichtete.

Sorgten für einen flirrenden Blues-Abend in der Ulmenhofschule: Pianist Günther Brackmann (von links), Henry Heggen und Abi Wallenstein.

Schon da schaffte er es, durch sein virtuoses Gitarrenspiel, seine rauchige Stimme und sein eher bescheidenes Wesen, das Publikum schnell auf seine Seite zu ziehen. Und scheinbar sprang er auch nun hier direkt aus dem Blues-Delta auf die Ulmenhof-Bühne zurück: mit tief ins Gesicht gezogenem Cappy und seiner achtsaitigen Gitarre.

Laut PEP-Chef Oliver Zantow war der Saal „so voll wie lange nicht“, wie er sagte, obwohl die lokale Zeitung lieber Stillschweigen übte anstatt vorabzuerichten. Machte aber nix: Die dreistellige Besuchermarke wurde trotzdem locker geknackt. Viele der Besucher hatten ihr Ticket online gekauft.

Konzert doch drinnen in der Ulmenhofschule, und so wurde es dort heiß: Denn da spielte Abi Wallenstein – europäische Blues-Ikone – wieder einmal als Solist im vollbesetzten Saal mit weit über der dreistelligen Besucherzahl.

Und draußen? Laut Wetterbericht hätte der Regen kommen sollen – tat er aber nicht. Dem lauwarmen Sommerabend geschuldet, wurde der Zuschauersaal nun zum Schauplatz des Schweißes. Das ergab in Summe Wein, Bier, Cola und musikalische Hochgefühle in Dauerschleife.

Der musikalische Teil begann mit einem „Mega-Set“, wie Oliver Zantow schwärmte. Abi Wallenstein servierte hier einen exquisiten Querschnitt aus Cover-Perlen von Son House bis Slim Harpo – alles handverlesen aus seiner eigenen Diskografie, zusammen gestellt mit Songs, die er seit 1998 veröffenticht hat.

Besonders im Fokus stand an diesem Abend sein preisgekröntes Album „BluesCulture“ (2020), das beste Voraussetzungen für seine rauchige Stimme und seine rhythmische Gitarrenmagie bot. Am Piano begleitete ihn Günther Brackmann, seines Zeichens musikalischer Tausendsassa, der mit seinem filigranen Spiel zwischen Boogie-Woogie und Jazz in Windeseile das Publikum auf Betriebstemperatur brachte.

Begeisterten mit einem energiegeladenen Solo-Set voller Coverklassiker (von links): Pianist Günther Brackmann, der charismatische Sänger Henry Heggen und Abi Wallenstein.

Erste größere Wegmarke im letzten Stück vor der Pause: Da holte Abi Wallenstein den Sänger der „Mojo Men“, Henry Heggen, auf die Bühne – einen Mann mit Harp, Charisma und Hang zum musikalischen Storytelling.

Im zweiten Teil des Abends boten die „Mojo Men“, die gerade erst gegründete Band um Heggen, mit Stefan Dahm (Drums) und Martin Scheffler (Gitarre), Jay Scholz (Gitarre) und Arnd Geise (Bass) eine Mischung aus Smokin’ Blues, Americana und R’n’B. Und den „Mojo“, die zauberhafte Magie in der Blues-Musik, die die Musik nicht nur hörbar, sondern auch fühlbar macht, erhielt das Publikum im zweiten Teil frei Haus serviert.

Der zauberhaften Magie in der Blues-Musik, die die Musik nicht nur hörbar, sondern auch fühlbar macht, auf der Spur: Die neu formierte Band „Mojo Men“ mit Frontmann Henry heggen (Mitte) überzeugte das Publikum schnell.

Die Songs ungekünstelt, eingängig und mit autobiografischen Lyrics, brachten sie spielfreudig wie direkt aus den Südstaaten importiert auf die Bühne. Zum krönenden Abschluss kehrten dann alle nochmal auf die Bühne zurück – Wallenstein und „Mojo Men“, sessionartig im treibenden Finale vereint.

Wer bis dahin noch nicht in die Blues-Cloud eingetaucht war, wurde spätestens mit dem letzten Gitarrenriffs sanft, aber nachhaltig, doch noch hineingezogen und in die laue Sommernacht entlassen.

Fotos und Text: Ludger Hinz