Chris Farlowe und Band

Gespeichert von Webmaster am 14. Dezember 2010 - 22:06

"The Voice" begeisterte

Über den Abend mit Chris Farlowe berichtet Oliver Zantow

Was war das für ein intensiver Abend! Seit vielen Jahren steht Chris Farlowe ganz oben in der Gunst einiger unserer Mitstreiter. Kaum ein Konzert lassen sie aus, egal ob er solo auftritt oder mit Colosseum. Nun bot sich die Chance, dass ihr großer Star zu uns in die Ulmenhofschule kommt. Wir haben natürlich zugegriffen und das Interesse an dem Konzert zeigte, dass es wohl viele Fans von "The Voice", wie Chris Farlowe gerne genannt wird, in unserer Gegend gibt.

Ein Schock - jeder andere Begriff wäre unpassend - traf uns, als uns das Gerücht erreichte, Chris sei nicht nur bekanntermaßen Sammler und Händler von Militaria und in diesem Zusammenhang auch von allerlei NS-Equipment, sondern sei in London auch als Sympathisant - um nicht zu sagen - Anhänger derselben Ideologie bekannt. Wir diskutierten daraufhin sehr intensiv darüber, ob wir das Konzert absetzen sollten. In Elmshorn fand aus Protest unseres für diese Region zuständigen Helfers kein Vorverkauf statt! Wir kamen aber überein, dass wir auf keinen Fall vorverurteilen wollten, vielmehr versuchte ich über etliche Quellen zu erfahren, was an dem Gerücht dran ist. Aber sogar sein Agent zeigte sich betroffen, da er nach eigenen Angaben zum ersten Mal davon hörte. Also beschloss ich, am Abend des Konzertes Chris Farlowe selbst darauf anzusprechen. Und um es vorwegzunehmen: Er wies derlei Gerüchte oder Unterstellungen weit von sich. Sein Vater habe im Krieg gegen Nazi-Deutschland gekämpft. Er selbst sei historisch äußerst interessiert. Dies betreffe die deutsche NS-Vergangenheit ebenso wie das alte Ägypten oder die amerikanische Geschichte. Darüber hinaus sei er politisch interessiert und Mitglied der Konservativen Partei Englands.
Das waren klare Worte in einem sehr intensiven und persönlichen Gespräch. Zum einen war ich natürlich sehr erleichtert über diese Stellungnahme, zum anderen aber auch froh, dass wir mit diesem gefährlichen Gerücht vorsichtig umgegangen sind. Dass ein Musiker, der Blues spielt - die Musik der Schwarzen, der Unterdrückten - dieser kaputten Ideologie anhängt, hätte ich auch nicht nachvollziehen können!
Aber, so wichtig dies zu klären war, es wurde ja auch Musik gemacht an diesem Abend. Und hier bewies Chris Farlowe eindrucksvoll, warum er so viele Fans hat. Er spielte mit seiner Stimme und verlieh jedem seiner Songs ein Gewicht, als sei es der einzige, den er zu singen gedenkt. Klassiker waren dabei wie "Out Of Time" und natürlich die meisten Lieder seiner aktuellen CD "Glory Bound". Als "The Voice" dann auch noch a capella sang als ginge es um sein Leben, hatte er die letzten Zuschauer für sich gewonnen. Doch es war nicht nur Chris Farlowe, der viel Beifall erntete. Mit der Norman Beaker Band hatte er eine hervorragende Begleitung. Norman Beaker an der Gitarre sorgte für manch spontanen Applaus. Und so erlebte ich in wenigen Stunden, wie Skepsis in Erleichterung umschlug, aus der am Ende pure Begeisterung wurde.