David Honeyboy Edwards

Gespeichert von Webmaster am 14. Dezember 2010 - 22:03

Einer der letzten lebenden Hobo -Bluesmen in Kellinghusen

Ein Bericht von PEP-Mitglied Rainer Werdt

Wie kam es eigentlich zu diesem Konzert? Oliver Zantow und ich wollten uns im letzten Jahr John Lee Hooker live in Berlin anhören. Das Konzert wurde aber wegen einer Erkrankung abgesagt. Die Alternative war für uns ein gemeinsames Konzert Tom Shakas mit dem 85-jährigen Bluesveteranen David Honeyboy Edwards. Es beeindruckte uns sehr, einen alten "Hobo" erleben zu können, der mit "standing ovations" gefeiert wurde. Als "Hobos" wurden in den Dreißiger Jahren in den USA die Bluesmusiker bezeichnet, die als blinde Passagiere auf Züge sprangen, um in den nächsten Ort zu gelangen. Tom Shaka, Oliver und ich trafen uns nach dem Konzert backstage, dabei erzählte ich Tom von meiner Begeisterung. Einige Wochen später rief Tom Shaka bei Oliver an und bot uns einen Konzerttermin mit Honeyboy für 2001 an.

 

5.5.2001

Für mich ein großer Augenblick und gleichzeitig eine große Ehre, als Honeyboy Edwards, einer der letzten noch lebenden Blues-Pioniere, die Ulmenhofschule betritt. Die Musiker sind noch beim Soundcheck, als schon die ersten Gäste eintreffen. An diesem Abend kommen doppelt so viele Leute wie am Vorabend in Hamburg. Davon ist Tom Shaka sichtlich beeindruckt. Tom (Gitarre) eröffnet das Konzert zunächst solo, aber nach einigen Stücken gesellt sich sein Bruder Bill Shaka (Harp) dazu. Sie spielen Stücke von ihrer gemeinsamen CD Bloodbrothers. Mit einem Train-Song beweist Bill eindrucksvoll seine solistischen Fähigkeiten. Sein geräuschvolles Nachahmen eines Zuges wird vom Publikum mit viel Beifall belohnt.

Nach der Pause kommt Honeyboy auf die Bühne. Auf einer E-Gitarre spielend präsentiert er sein Soloprogramm. Unter anderem spielt er den Klassiker "Sweet Home Chicago" von Robert Johnson, den Edwards kurz vor dessen Tod in den Dreißiger Jahren musikalisch begleitete.    
Das letzte Drittel des Sets spielt Edwards mit Tom und Bill Shaka gemeinsam. Als die Drei ihr letztes Stück ankündigen, trifft unser Überraschungsgast H.P. Lange ein, um nach einer Pause planmäßig weiterzumachen.
H.P. zieht mit seinen fantastischem Fingerpicking das Publikum so in seinen Bann, dass trotz der späten Stunde die Stimmung nochmals aufkocht. Mit einer Session geht ein gelungener Bluesabend zu Ende. Tom und Bill Shaka, H.P. Lange und Sessiongast Rüdiger Funke werden mit tosendem Applaus verschiedet.
Abschließend noch einige Ergänzungen:
Es haben leider einige Zuhörer H.P. Lange verpasst, da sie schon vorzeitig gegangen sind. Ihre Erwartungen betreffend Honeyboy Edwards sind vielleicht nicht erfüllt worden. David Honeyboy Edwards spielt eine sehr ursprüngliche Form der Bluesmusik, die den heutigen Hörgewohnheiten nur bedingt entspricht. Man sollte auch das hohe Alter von Edwards bedenken. Nur wenige Musiker seines Alters bringen soviel Energie auf und stehen um 22.00 Uhr auf einer Bühne, um den Blues zu spielen.