Ingo Insterburg

Gespeichert von Webmaster am 14. Dezember 2010 - 21:58

Von Raucherbeinen und Ekellyrik

Über den Auftritt von Ingo Insterburg berichtet PEP-Mitglied Kai Jürgensen

Als ich Freunden vom bevorstehenden Engagement Ingo Insterburgs erzählte, lautete die einhellige Reaktion: "Was, den gibt es immer noch?" "Und wie!", möchte man ausrufen nach diesem Auftritt, den 150 begeisterte Zuschauer im "Benjamin" verfolgen konnten.

Es hat sich einiges geändert seit seligen Zeiten von Insterburg & Co. In den folgenden Jahren Gründer und Mitglied meist kurzlebiger Formationen ist Ingo Insterburg seit einiger Zeit solo unterwegs. Das tut ihm sichtlich gut und hat außerdem den Vorteil, so der Meister selbst, dass sich einer allein nicht mehr auflösen kann. Wäre auch ewig schade, denn dann hätten wir über zwei Stunden Wortakrobatik der allerschönsten Sorte verpasst. In Reime gegossener Alltagsirrsinn, der selbst von Parasitenbefall Geplagten eine eigene "Spulwurmlyrik" beschert. Dazu Insterburgs wunderbare (Anti-) Raucherlyrik ("eine Zigarrenkiste ist zu klein für ein amputiertes Raucherbein") dessen geniale Einfachheit einen dazu verleiten könnte, die Zigarettenschachtel unauffällig in der Jackentasche verschwinden zu lassen.

Nun sagt man ja Hannes Wader nach, halbe Konzerte mit dem Stimmen seiner Gitarre zu verbringen. Bei Ingo Insterburg geht ähnlich viel Zeit mit der Suche nach dem jeweils benötigten Instrument ins Land, was aber auch verständlich erscheint, angesichts der über 20 Unikate, die auf der Bühne arrangiert sind. Ausschließlich selbst gefertigte, teils abenteuerlich anmutende Gerätschaften, denen er nicht nur Töne, sondern ganze Lieder entlockt, mit einer Virtuosität, die selbst musikalische Filigrantechniker den Hut ziehen lässt.

Und wer immer noch glaubt, mit einer Klobürste könne keine Musik gemacht und eine Gitarre nicht mit den Füßen gespielt werden, dem sei das nächste Ingo-Insterburg-Konzert empfohlen. Wieder hier in Kellinghusen? Gerne, sehr gerne!