Steve Klink

Gespeichert von Webmaster am 9. Dezember 2010 - 1:00

Ein wunderschöner Abend

 

Die Wiedersehensfreude ist groß. Die vier Musiker aus Köln strahlen eine gewinnende Herzlichkeit aus, die schon bei den Vorbereitungen zu einer unglaublich entspannten Atmosphäre beiträgt.

Andreas liebevolle Tischdekoration und die sanft orange Beleuchtung schaffen im Bürgersaal ein stimmungsvolles Ambiente.

Steve Klink und seine Mitmusiker kommen im Grunde mit minimalem Aufwand aus, erzielen aber ein Höchstmaß an Wirkung. Die Lockerheit und Präzision im Zusammenspiel sind traumhaft. Klink ist ein überaus versierter und kreativer Pianist, der immer wieder neue und spannungsgeladene Improvisationen bereit hält. Stück für Stück fragt man sich, was ihm jetzt wieder einfällt. Mein besonderes Augenmerk aber fällt auf Bassist Henning Gailing, der mir einfach imponiert. Konzentriert, in den Bewegungen eher zurückhaltend, aber mit ausdrucksvoller, lebendiger Mimik, die von unglaublicher Spielfreude erzählt, sind seine Aktionen am Bass die kongeniale Ergänzung zu Klinks Klavierspiel und zu Mias Gesang. Er bietet nicht nur das rhythmische Fundament, sondern gestaltet darüber hinaus sein Spiel sehr melodisch. Intelligent schafft er mit bereits eingeführten Motiven fließende Übergänge zu seinen Improvisationen.

Der junge Schlagzeuger Marcus Weil begleitet am Schlagzeug sicher und routiniert, dezent und geschmackvoll, kann aber gerade im Vergleich mit seinem Vorgänger Kruno Levacic wenig Akzente setzen.

Sängerin Mia Znidaric ist eine Jazz-Sängerin par exellence. Sie ist ungemein intonationssicher, ihre volle, sonore Stimme schwebt gleichsam über dem rhythmischen und harmonischen Teppich und gestaltet einfühlsam die Melodien. Es ist allerdings schade, dass Mia vornehmlich mit geschlossenen Augen vorträgt. So entgeht ihr die Chance, die Aufmerksam des Publikums durchgehend durch Augenkontakt an sich zu binden und noch stärker den Gehalt ihrer Lieder zu vermitteln. Mias Spontaneität lässt auch bei diesem Auftritt  das Publikum schmunzeln. Kurzfristig beschließt sie, den Ablauf des Programms zu ändern, weil sie gerade jetzt unbedingt Joni Mitchells "The Gallery" singen müsse.

In der Tat, das Repertoire der Gruppe erweist sich im Laufe des Abends als echte Überraschung. War die Musik bei ihrem Konzert vor drei Jahren fast ausschließlich dem Jazz verpflichtet, zeigen sich die Musiker dieses Mal sehr experimentierfreudig. Mia stellt mit großem Erfolg zwei Stücke eines neuen Projekts vor, das sich den Songs der amerikanischen Liedermacherin Joni Mitchell widmet. Das Konzert beschließt sie mit zwei Liedern, die sie in ihrer Muttersprache Slowenisch singt und die trotz ruhiger Grundstimmung zu einem Höhepunkt des Konzertes geraten. Mit der unglaublich schönen Vertonung des Gedichtes Pocasi zeigt Steve Klink, dass er nicht nur ein hervorragender Jazzmusiker ist, sondern sich in gleicher Weise auf ein Songwriting versteht, dass sich eher an popmusikalischen Klängen orientiert.

Das letzte Lied, ein slowenisches Volkslied, widmet Mia einer Slowenin im Publikum, die die Gelegenheit genießt, ihre Muttersprache zu hören und sich mit Mia zu unterhalten.

Drei Zugaben werden vom begeisterten Publikum erklatscht. Auf Wunsch trägt Mia dann noch einmal Joni Mitchells "The Gallery" vor, dieses Mal aber a-capella. Die Musiker lassen einen weiteren Mitchell-Titel folgen, um dann mit dem Evergreen "Fly me to the moon"  das Konzert endgültig zu beenden.

Das Beieinander nach dem Konzert gerät ausgesprochen fröhlich, und Mia verabschiedet sich zu später Stunde mit der Feststellung, dass sie schon lange nicht mehr so viel gelacht habe - trotz der ermüdenden sechsstündigen Autofahrt und eines zweistündigen Auftritts.