Bluesfestival

Gespeichert von Webmaster am 9. Dezember 2010 - 0:30

Es war ein schönes Wochenende!

Wir hatten den Blues und wir hatten ihn glücklicherweise doch nicht!

Aber gliedern wir dieses Fazit ein wenig auf:

Wir hatten sechs Bands zu Gast, die allesamt von den Fans gefeiert worden sind. Bands, die noch nie bei uns waren, die anreisten und gespannt waren, was sie wohl in Kellinghusen erwarten würde und die zufrieden und die voll des Lobes wieder abreisten. Wir hatten enorm viel zu tun, erlebten aber dennoch ein sehr entspanntes Wochenende, weil ausnahmslos alle Musiker mächtig nett waren. Alle waren sie gut drauf, arbeiteten Hand in Hand, genossen das Buffet und das Wochenende. Es hat Spaß gemacht, jeden einzelnen von ihnen kennen zu lernen und mitzuerleben, wie sie sich für unser Publikum den Wolf spielten!

Da war zunächst einmal Big Bones. Der schwarze Blues-Mann kam, sah und siegte. Kaum einer (wahrscheinlich keiner) kannte ihn, doch bereits nach wenigen Stücken liebten ihn die Zuschauer. Da kam ein großer, kräftiger Teddy auf die Bühne, der mit einem tiefen "Hello" kurz die Besucher begrüßte und dann mit einer fulminanten Show begann. Begleitet von Gitarre, Bass und Schlagzeug spielte er Blues und Boogie, dass es eine Freude war. "So eine Band als Opener für das Festival, das ist ja Wahnsinn!!" war nur eine der vielen enthusiastischen Rückmeldungen. Als er alleine, nur mit seiner Harp bewaffnet, seine Zugabe spielte, in der er die Geräusche einer Fliege imitierte, diese zunächst mit einer Hand verscheuchte, dann fing, sie mit traurigen Klängen verabschiedete, um dann wieder in seinem Einstiegsgroove auf der Bühne zu hüpfen und zu tanzen, war das Publikum aus dem Häuschen, dass man meinen könnte, es wäre tiefe Nacht und die Show an ihrem Siedepunkt. Big Bones hat eine tolle Visitenkarte abgegeben, war schlicht eine Sensation und wird uns bestimmt bald wieder besuchen!

Dann brachte Jutta Weinhold uns die härteren Töne. Die Frau, in deren Brust zwei Herzen schlagen: Eines liebt den Blues, das andere Heavy Metal. Und ihre größte Freude ist es, sich nicht entscheiden zu müssen, sondern beides miteinander zu vereinen.

Was war sie skeptisch und aufgeregt, ob unser Publikum ihren satten Sound mögen würde. Sie mochten. Zweifellos nicht alle, einigen Blues-Fans war die Musik nicht puristisch genug, anderen zu heavy, doch die große Masse feierte Jutta Weinhold und ihre Band. Dies galt insbesondere für ihr Duette mit Klaus Henatsch, der als Keyboarder und Sänger gleichermaßen überzeugte. Und wieder schien sich zu bestätigen, dass es gerade den Hard-Rockern in die Wiege gelegt zu sein scheint, Gänsehaut Balladen zu schreiben.

Gleich zu Beginn ihres Auftritts versprach Jutte Weinhold alles zu geben, sich die Seele aus dem Leib zu spielen und zu tanzen. Sie hielt ihr Versprechen und verließ unter viel Beifall nach gut anderthalb Stunden die Bühne.

Die erklommen dann "Toscho" und seine Jungs von der Blues Company. Seit sechsundzwanzig Jahren sind sie im Geschäft. Und das wahrlich nicht nur so leidlich, sie gelten schlicht als die erfolgreichste deutsche Blues-Band. Und dieses stellten sie eindrucksvoll unter Beweis! Toscho liebkoste seine Gitarre, seine Kollegen boten vom Saxophon bis zum Bass einen perfekten Sound. Ruhige Nummern und Balladen ereichten uns in einfühlsamem Wechsel mit swingenden und groovenden Stücken. Und trotz der längst vorhandenen Party-Stimmung klebten die Fans Toscho förmlich an den Lippen, achteten darauf, was er mitzuteilen hat. So herrschte beim Vortrag des ambitionierten "Red Blood" zunächst Stille, die dann in riesigen Beifall mündete.

Ihre Perfektion machten die Jungs von der Blues Company übrigens schon eindrucksvoll am Nachmittag deutlich. Von Staus geplagt verspätete sich ihre Ankunft um gründliche drei Stunden. Dies war umso schlimmer, da die Band die PA für den Abend an Bord hatte und Aufbau und Soundcheck ins Chaos abzudriften drohten. Doch dann stand in nicht für möglich gehaltenen 45 Minuten die komplette Anlage und der Sound war bereits eingestellt. Dass wir mit dem Festival pünktlich starten konnten hatten wir zwischenzeitlich bereits für unerreichbar gehalten. Staunend wurden wir eines Besseren belehrt.

"Blues op platt" hieß dann der erste Programmteil des Samstag. Lars Luis Linek und Claus "Dixi" Diercks kamen zu dieser Form der Darbietung wie die berühmte Jungfrau zum Kind, wie Lars schmunzelnd erläuterte. Doch da es dem Publikum gefällt, haben sie dieses Programm zum Thema ihrer neuen CD gemacht, die sie - frisch aus der Presse - an diesem Abend präsentierten. Mit Lars und Dixi stand der akustische Blues auf dem Programm. Und auch Dixi an der Gitarre und Lars an stets einer seiner vielen Harps gelang es, das Publikum für sich zu gewinnen, für jedes Solo einen Zwischenapplaus zu ernten. Die beiden Vollblut-Musiker mit der enorm freundlichen Ausstrahlung muss man aber auch mögen. Es ist eine Freude, sie zu erleben, auf der Bühne und später auch dahinter.

Die Blues Mafia swingte sich anschließend in die Herzen der Besucher. Abwechslungsreich und mit vielen Soli gewürzt wurde jedes Lied zum Genuss. Dass Gitarristen ihre Fans haben und Saxophonisten sich mit ihren Soli so zielstrebig in die Herzen der Frauen spielen können, sei ihm ja bewusst, doch nun wolle er sich mit seiner Harp einmal an die Herzen der Zuhörer(innen) heranmachen: So sprach Gerd Gorke und so tat er auch. Und das Ganze so erfolgreich, dass es kaum auffiel, dass die Blues Mafia ja nicht alleine angekündigt war. Und so erschien nach etwa einer halben Stunde Jeanne Carroll auf der Bühne. Ihre Stimme, ihre Ausstrahlung, ihr Charme, ihr langes rotes Kleid: Die schwarze Blues-Lady katapultierte sich förmlich in die Herzen der Fans.

Dieses tat dann auch Bernard Allison. Längst ein Star in der Blues-Szene machte der Amerikaner Station in der norddeutschen Provinz. Mit Schlagzeug, Bass und Keyboard nahezu minimalistisch besetzt, bestach Bernard Allison durch sein perfektes Gitarrenspiel. Er spielte eigene Stücke, welche von seinem Vater Luther, Nummern von Hendrix: Er spielte einfach nach Belieben und war offensichtlich in jedem Stil zu Hause. In seiner atemberaubenden Show brach jedoch nicht nur nach seinen virtuosen Soli der Jubel aus, auch mit leisen Tönen und Spielereien begeisterte Bernard Allison. So zum Beispiel als er nur die Lippen bewegte und seine Gitarre sprechen ließ. Vom "Hello" bis zum abschließenden "Thank you" verstanden die Zuschauer jedes Wort.

Und dann achtete Bernard Allison noch darauf, dass der Auftritt nicht nur zu seiner Show wurde. Jedem seiner Musiker ließ er Raum für faszinierende Soli und in der Zugabe holte er sogar seinen Roadie Jake auf die Bühne. Er übergab die Gitarre einfach an den Jungen aus Midwest und dieser leitete mit "The sky is crying" eine weitere Zugabe ein. Dann erschien Bernard Allison wieder, stellte sich hinter Jake und übernahm das Spiel wieder, diesmal aus "der zweiten Reihe". Die Fans waren aus dem Häuschen. Unter tosendem Applaus verließ Bernard Allison dann die Bühne, während seine Band noch das letzte Stück beendete. Er ließ sich feiern auf dem Weg in die Garderobe, gab Autogramme und genoss sichtlich die Atmosphäre.

Ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt allerdings: Gut die Hälfte der Besucher verließ zwischenzeitlich den Saal, weil ihnen der Sound zu laut war. Leider haben auch wir als Veranstalter keine Möglichkeit den zu beeinflussen, wenn eine Band einen eigenen Mischer mitbringt. Etwas leiser hätte das Konzert den Anwesenden mit Sicherheit immer noch und den inzwischen Gegangenen bestimmt auch gefallen!

Apropos Besuch: Nach langem Bangen - der Vorverkauf lief sehr schleppend - waren wir mit Hilfe der starken Abendkasse am Ende doch sehr glücklich über den Zuspruch für unser Festival. War der Freitag schon ganz gut besucht, war die Ulmenhofschule spätestens am Sonnabend voll. Da ist uns natürlich ein mächtiger Stein vom Herzen gefallen, denn nur durch hohe Besucherzahlen lässt sich solch ein Festival letztendlich finanzieren.

Neben den Fans halfen uns bei der Finanzierung noch die Wandmaker Verbrauchermärkte und das Land Schleswig-Holstein. Bei ihnen möchten wir uns ebenso herzlich bedanken, wie bei der Sparkasse in Steinburg und der Stadt Kellinghusen, die uns auch über diese Veranstaltung hinaus unterstützen.

Und wenn irgendwo ein kräftiges Dankeschön angebracht ist, dann in ganz besonderer Weise bei den über 3o Helfern, die von Donnerstag Abend bis Sonntag Nachmittag gearbeitet haben und sogar nachts um vier beim Aufräumen noch scherzten und für gute Laune sorgten. Wenn irgendetwas an PEP und den Konzerten spitze ist, dann ist es dieses Team!!!

                                                                        Oliver Zantow