Women on stage

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 18:40

Staunen und Spaß haben

"Girls just wanna have fun" sangen Vicki Genfan, Kerstin Blodig und Sally Barker in ihrer Zugabe. Den hatten sie ganz offensichtlich auf der Bühne und den hatten auch die Zuschauer. Und wenn letztere sich nicht gerade amüsierten, dann staunten sie. Staunten zum Beispiel darüber, was Vicki Genfan mit ihrer Gitarre anstellte. Sie legte eine Spielfreude und -technik an den Tag, dass nach ihrem Set gleich scharenweise Konzertbesucher zu mir kamen und uns zu der ganz außergewöhnlich guten Künstlerin gratulierten, die wir da wieder einmal ausfindig gemacht und engagiert hätten. Mit ihrem Temperament, ihrer Fröhlichkeit, ihrer tollen Stimme und natürlich dieser sagenhaften Gitarrentechnik spielte sich Vicki Genfan in wenigen Minuten ohne Umwege direkt in die Herzen der Zuschauer. Begleitet wurde sie in ihrem Teil der Show gelegentlich von Kerstin Blodig und Sally Barker, deren Lieder den zweiten Teil des Abends prägten.

"Maid in England" heißt ihre neue CD und so präsentierte sich Sally Barker auch: Eine Powerfrau mit ebenso kraftvollen Liedern, die melodiös und eingängig, aber nicht seicht daherkamen und einer Stimme, die eindringlich und ausdrucksstark war, auch ohne ins Mikrofon zu schreien. Sally überzeugte durch ihr Auftreten, durch die Kompaktheit ihrer Stücke. Es waren keine filigranen Techniken, die sie zum Besten gab, sie war die Liedermacherin, bei der die Texte dominierten. Wunderbar der Blues, den sie vortrug und dessen Gitarrensolo, das üblicherweise ihre Duo-Partner spielt, sie der Fantasie der Zuschauer überließ. Sally sorgte lediglich für den Groove. Und am Ende des imaginären Solos gab es dann natürlich Szenenapplaus. Wunderbar.

 

Die keltische Musik stand bei Kerstin Blodig im Mittelpunkt. Leise, fast zärtlich trug sie ihrer Lieder vor. Und mit der ganzen Sanftheit ihrer Stimme erzählte sie die blutrünstigsten Schauergeschichten. Da wurde ermordet und zerlegt und am Ende entpuppte sich das Ganze auch noch als fröhliches Kinderlied. Ob mit Gitarre, Mandoline, Bodhrán oder A-Capella: Kerstin Blodig war ebenso vielseitig wie überzeugend. Und mit ihr stand die momentan wohl auch erfolgreichste der drei großartigen Künstlerinnen auf der Bühne. Ihre jüngste CD "Valivann" verkauft sich nicht nur hervorragend, sie erhielt dafür auch den "Preis der deutschen Schallplattenkritik".

 

 

Insgesamt war es also ein sehr hochkarätiger und ebenso abwechslungsreicher Auftritt, den die Drei absolvierten. Und ihre zu Anfang genannte Zugabe mit dem bezeichnenden Titel geriet dann wohl auch zum Höhepunkt des Abends. Die Zuschauer jedenfalls waren so begeistert, dass Vicki, Sally und Kerstin noch einmal die Bühne betraten, als ihre Tontechnikerin und Agentin schon auf dem Weg zum CD-Stand war. Aber was blieb ihr übrig: Etwas verdutzt machte sie kehrt und stellte das Mischpult wieder an. Sie hatten eben wirklich Spaß an diesem Abend, die "Women on stage"!

Oliver Zantow