Blues-Festival Part I

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 18:35

Das 6. Kellinghusener Blues-Festival, Part I

Super Konzerte für ein super Publikum

 

"Das war das beste Konzert von Rudy auf dieser Tour. Und das mit Abstand beste Publikum!"

Mit diesem Kommentar von Rudy Rottas Tourbegleiter endete um kurz nach eins der erste Tag unseres Bluesfestivals. Wir haben eine Nacht mit fantastischer Musik erlebt: Musiker, die sich voll reingehängt haben, ein äußerst abwechslungsreiches Programm und Zuschauer, die eine fantastische Stimmung erzeugt haben. Allerdings waren weit weniger Besucher da, als die Musiker verdient hatten. Das Forum war zwar nett gefüllt, aber machen wir uns nichts vor, es hätten ruhig doppelt so viele sein können. Waren es aber nicht. Und nun wollen wir kein Trübsal blasen, sondern den Weggebliebenen kurz erzählen, was sie verpasst haben.

Schon vor Beginn der Konzerte herrschte eine schöne Stimmung in der Ulmenhofschule. Das lag dieses Mal vor allem daran, dass so viele verschiedene Sprachen gesprochen wurden. Italienisch, Holländisch und natürlich Englisch war überall zu hören. Das gab der Nacht schon ein nettes internationales Flair, bevor sie überhaupt richtig begann.

Die einzige deutsche Band dieses Festivals eröffnete dieses um kurz nach acht. Little Martin & The Roosters sorgten für einen gelungenen Einstand! Gitarre, Bass und Schlagzeug: Mehr benötigten sie nicht, um mit ihrem Chicago Blues von den ersten Takten an für echtes Bluesfeeling zu sorgen. Vor allem Martin Schönke sorgte mit seinen Gitarren-Soli für Staunen und Begeisterung. Druckvoll und rhythmisch brachte die Band das Publikum in Wallung und schnell war klar: Nach den vereinbarten sechzig Minuten lassen die Zuschauer die Jungs niemals von der Bühne.

"Das ist doch Wahnsinn! So eine Band als Opener. Was soll denn da noch folgen?", war nur eine der vielen Äußerungen in der ersten Pause.

Aber wir hatten auch nicht vor, auf unserem Festival mittelmäßige Bands zu präsentieren. Und da wir den Zuschauern ja wenigstens eine Demo-CD voraus hatten, kamen diese Reaktionen für uns nicht ganz überraschend. Und auch Little Martin & The Roosters hat ihr Auftritt viel Spaß gemacht, wie sie uns mehrfach versicherten. Dann hat sich der weite Weg von München ja gelohnt...

Mit James `Boo Boo´ Davis stand wieder einmal eine Legende des Blues auf der Bühne der Ulmenhofschule. Der schwarze Bluesmusiker hat für so viele Legenden gespielt, dass ich gar nicht weiß, wen ich zuerst nennen soll. Mit BB King, Elmore James, Little Walter und Sonny Boy Williamson seien nur einige der ganz großen Weggefährten genannt. Boo Boo selbst hat allerdings erst 1999 sein Debut-Album veröffentlicht. Der Einfluß von Howlin´ Wolf prägt und charakterisiert sowohl seine Songs, wie auch seine Stimme.

Motiviert und putzmunter präsentierte sich Boo Boo dann auf der Bühne. Seine ausgezeichnete holländische Band war allerdings weit mehr als nur die dazu gehörende Rhythmusgruppe. Können, Spielfreude und etliche Soli prägten ihren Auftritt. Und die Fans feierten die Musiker und Boo Boo, wenn er sang, die Harp spielte oder tanzte.

Nach anderthalb Stunden und zwei Zugaben betrat dann Rudy Rotta die Bühne. Und was Rudy entfachte, lässt sich nur als Feuerwerk einigermaßen zutreffend beschreiben. Er fegte über die Bühne und quer durch den Saal. Und was er mit seiner Gitarre alles anstellte, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Er spielte sie, während er vor ihr kniete, sie auf seinen Knien lag oder er sie einfach nur am ausgestreckten Arm hielt. Der in der Garderobe sanftmütige und stets freundliche Rudy wird auf der Bühne zum Tier. Wild, temperamentvoll und voller Leidenschaft spielt und singt er. Sein Programm ist dabei sehr ausgewogen und abwechslungsreich, seine exzellenten Musiker bekommen viel Platz, ebenfalls ihr Können zu zeigen.

Und die Zuschauer? Die flippten schlicht aus. Sie johlten, tanzten schrieen und pfiffen. Sie trieben Rudy immer wieder auf die Bühne. Und der bedankte sich mit immer neuen Facetten seines Könnens. Seine verbluesten Beatles-Nummern in der letzten Zugabe mögen dabei nur als ein Beispiel dienen.

So aufgeputscht, wie wir nach diesen Konzerten waren, saßen wir anschließend noch lange mit Rudy und seinen Jungs in der Kneipe. Dabei erfuhren wir zum Beispiel, dass Fender ihm zu Ehren eine Gitarre mit seinem Namenszug herausbringen wird. Aber wir sprachen auch darüber, wie schwer es für einen Italiener ist, sich mit seiner Bluesmusik gerade in England und Amerika durchzusetzen.

Als wir um viertel nach vier nach Hause kamen, lag schon die Zeitung im Briefkasten...   

                                                                                Oliver Zantow