Blues-Festival Part II

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 18:34

Das 6. Kellinghusener Blues-Festival, Part II

Diesmal andersherum

Volles Haus zur zweiten Bluesnacht! Nachdem sich noch einmal etwa 1oo Besucher an der Abendkasse Karten für den zweiten Teil unseres Festivals gekauft hatten, war die Ulmenhofschule gut gefüllt mit Bluesfans. Endlich! Ich möchte unsere Erleichterung darüber gar nicht verschweigen, denn nicht nur, dass die Künstler ein großes Publikum verdient haben, solch eine Veranstaltung will ja auch finanziert werden. Nun aber war es 2o Uhr und die in gelb gekleideten Helfer strahlten vor Freude. Und für den offensichtlich als Veranstaltungstag so viel schwierigeren Freitag lassen wir uns in Zukunft auch noch etwas einfallen!

Die vielen Fans waren offensichtlich gekommen, um mit Ana Popovic den Shooting-Star der Szene zu erleben. Doch bevor die junge Belgraderin die Bühne betrat, wusste das Trio Bluephoria zu begeistern.

Angela Altieri brachte endlich wieder einmal ein Washbrett auf der PEP-Bühne zu Gehör, Henry Heggen begeisterte mit seinem Entertainment und seinem Harp-Spiel, ebenso wie Brian Barnett mit seinem Charme und seiner Gitarre. Die Drei waren perfekt aufeinander eingestellt und boten anspruchsvollen und humorvoll vorgetragenen Akustik-Blues. Ob Henry Heggen die Harp gegen eine Flasche austauschte oder Angela Altieri die vertonte Beziehungskiste "He loves so good" vortrug: Die Zuschauer waren begeistert, der Applaus riesengroß.

Gehen die Besucher auch sonst gelegentlich mal eine rauchen oder sich ein Bier holen, fanden sich rechtzeitig zu Anas Auftritt ausnahmslos alle Fans vor der Bühne ein. Anas bisherige Kritiken ließen auch einiges an Erwartungen zu, schließlich lobt sie die Fachwelt und ist sie als einzige (!) europäische Künstlerin für einen Handy-Award nominiert. Dahinter verbirgt sich kaum etwas anderes als der Oscar für Bluesmusiker. Hinzu kommt, dass sie weiblich, jung und äußerst attraktiv ist.

Ihr Konzert war geprägt von einem sehr abwechslungsreichen Programm. Sicher stand auch bei ihr der Blues im Mittelpunkt, aber es wurde auch funkig, rockig und jazzig. Ein wenig hatte man allerdings den Eindruck, sie hat ihre Richtung noch nicht gefunden. Vielleicht liegt ihr auch viel an der Bandbreite ihres Repertoires, allerdings springt dadurch schwer der Funke zum Publikum über. Nichtsdestotrotz: Ihre Band war klasse, ihre Soli ebenfalls. Und was darüber hinaus noch aller Ehren wert ist, Ana ist eine sehr nette, natürliche und unkomplizierte Künstlerin. Wir wünschen ihr daher nicht nur großen Erfolg, sondern auch, dass sie sich genau dies bewahren kann.

Zum Abschluss unseres Festivals präsentierten wir dann mit den Groundhogs eine Legende des britischen Blues. Man sollte diesen Begriff wahrlich nicht überstrapazieren, aber immerhin feiert die Band um Tony McPhee in diesem Jahr ihr vierzigjähriges Jubiläum! Und bereits Mitte der Sechziger begleiteten die Hogs John Lee Hooker auf Tourneen, der die Band wiederum als die beste britische Bluesband bezeichnete. Die Erwartungen waren also erneut sehr groß. Hinzu kam, dass es uns gelungen ist, die Groundhogs quasi exklusiv zu präsentieren. Eigens für unser Festival reisten sie an, weitere Auftritte in Deutschland gab es nicht.

Gemessen an diesen Erwartungen - aber ich denke auch unabhängig davon - war das Konzert der Groundhogs jedoch nur etwas für Hardcore-Fans.

Tony McPhee hatte die gute Idee, solo und akustisch zu beginnen. Aber erst nach einer halben Stunde gesellten sich Drummer Mick Jones und Bassist Dave Anderson dazu. Die hauten dann dermaßen in die Tasten, beziehungsweise auf die Felle, dass nur noch die Puristen ihren Auftritt genossen.

Hart und bluesrockig ging so das Bluesfestival zu Ende.

Zu erwähnen bleibt noch unser herzlicher Dank an die Sponsoren von der Sparkasse in Steinburg und Wandmaker sowie an den Hagebaumarkt Dethlefsen, der erneut kostenlos die Beschriftung unserer Stellwände vorgenommen hat.

Was uns auch noch sehr gefreut hat in diesem Jahr, ist die spürbar größer werdende Resonanz auf unser Festival. Ein Mitarbeiter der Fachzeitschrift "Bluesnews" war mit einem Kollegen vom Rundfunk zu Besuch.

Die Ankündigungen für das Festival haben diesmal bis in den hohen Norden gut funktioniert. So bekamen wir beispielsweise die Zeitung "Moin Moin" aus Flensburg zugeschickt, in der das Festival groß und mit Bild vorgestellt wurde. Das Schleswig-Holstein Magazin hat auf unser Festival hingewiesen, die Segeberger Zeitung noch eine kleine Geschichte über PEP veröffentlicht. So kam es, dass Besucher aus Nordfriesland, Kiel und sogar aus Mitteldeutschland und Berlin den Weg nach Kellinghusen fanden. Daran würden wir mit dem nächsten Festival gerne anknüpfen.

                                                                Oliver Zantow