Jens Streifling

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 18:30

Hurricane in Kellinghusen

Drehen wir kurz am Rad der Zeit und stellen es fast exakt acht Jahre zurück. Wir schreiben den 17. Mai 1995 und in der Großen Freiheit stellt Wolfgang Niedecken mit der Leopardenfellband sein neues Solo-Projekt vor. Der Abend erfüllt alle Erwartungen: Das Konzert ist toll, wir Fans feiern Wolfgang, Udo Lindenberg trommelt als Gastmusiker ein bisschen mit. Und dann ist da noch dieser Wirbelwind auf der Bühne. Er treibt uns mit seinem Saxophon zum Wahnsinn und spielt die Harp als hinge sein Leben davon ab. Der Typ, der uns damals so beeindruckt hat, war Jens Streifling und wir BAP-Fans haben uns mächtig gefreut, dass er ab dem folgenden Amerika-Album auch Mitglied der Band war.

Nun steht dieser Musiker plötzlich bei uns auf der Bühne und stellt sein eigenes Solo-Album vor. Leider nahmen nur ein paar Unverbesserliche die Gelegenheit wahr, einen ihrer Stars endlich einmal hautnah und in Club-Atmosphäre zu erleben.

Aber Jens und seine Jungs ließen sich dadurch nicht um ihre Spielfreude bringen. (Das hätte eher das Menü geschafft, dass Andrea wieder einmal gezaubert hat.)

Hurricane heißt das Album von Jens und dieser Wirbelsturm zog in den folgenden zwei Stunden dann auch ohne Unterbrechung mitten durch das Forum der Ulmenhofschule. Rockig, druckvoll, melodisch, abwechslungsreich: Viele Eigenschaften dieser Band zeichnen dafür verantwortlich, dass die nur etwa 6o Zuschauer johlten, tobten und applaudierten, als seien dreihundert von ihnen im Saal.

Dieses Konzert hat Spaß gemacht. Den Jungs auf der Bühne ebenso wie den Zuschauern. Geschickt streute Jens zwischen seine eigenen Stücke immer wieder Klassiker wie "Norwegian Wood" oder "Heart of Gold" in sein Repertoire. Allerdings hatte er das keinesfalls nötig, um seine eigenen Songs zu kaschieren. Die brauchten sich hinter den Klassikern nicht zu verstecken. Und hört sich das Album vielleicht auch noch etwas mainstream an, gingen die Jungs live doch eindeutig kompromissloser an die Lieder heran. Das war schlicht Rockmusik vom Feinsten, die wir da zu hören bekamen.

Und da der Applaus schier kein Ende nahm, begeisterten die beiden BAPtisten Jens Streifling und Werner Kopal das Publikum noch mit einer Special-Einlage. Als Duo aus Bass und Gitarre spielten sie zum Abschluss "Do kanns zaubre".

Wobei: Was heißt hier Abschluss des Abends? Bis weit nach zwei saßen wir noch zusammen beim Griechen, schlemmten uns durch Apollos Köstlichkeiten und plauderten, als hätten sich Freunde nach langer Zeit wieder gesehen. Von Star-Allüren keine Spur. Wir huldigten - mit und ohne Kümmerling - dem guten Essen, dem tollen Abend und ich weiß nicht, wer noch alles drankam.

Natürlich freuen wir uns alle schon auf die nächste BAP-Platte und die dazu gehörenden Konzerte. Aber schade ist es schon, dass sich dann wohl kaum noch eine Lücke im Terminkalender finden lassen wird, um Jens und seine Kollegen mal wieder einzuladen...

Oliver Zantow