Fred Morrison

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 18:29

Fred Morrison  & Ceolas

oder

Kann man einen Dudelsack stimmen ?

Dudelsack? Denken Sie nicht auch gleich an Queen Mum, die noch im zarten Alter von 100 Jahren höchst persönlich eine Parade Dudelsack spielender Schotten abgenommen hat? Die mit den lustigen Röckchen? Und dem komischen Blasebalg, dessen Töne man entweder liebt oder bei deren Erklingen man unvermittelt das Weite sucht?

Wie könnten wir auch anders, wenn wir das Nationalinstrument der Schotten als "Dudelsack" bezeichnen ? Dudeln. Kann doch jeder. Bezeichnend ist hierbei, dass im Englischen dieses Instrument bagpipe - in der wörtlichen Übersetzung etwa Taschenpfeife - genannt wird. Nichts mit Dudeln. Und nur entfernt etwas mit Sack.

Sprechen wir also lieber von Bagpipes. Sprechen wir von Fred Morrison, der sich als virtuoser Spieler dieser Bagpipes international einen ausgezeichneten Ruf erworben hat und zusammen mit seinen Musikern schottischen Folk nach Kellinghusen gebracht hat.

Fred Morrisons Repertoire umfasste eine breite Palette gälischer Musik, die nicht nur aus Schottland und Irland, sondern auch aus Frankreich und - für mich überraschend - auch aus Spanien kommt. Begleitet von einer Flöte, einer Bazuka und einem Gitarristen wurde schottischer Folk vom Feinsten geboten, dem Fingerspiel auf der Bagpipe konnte man in seiner Schnelligkeit kaum mehr mit den Augen verfolgen. Faszinierend war, dass über lange Strecken hinweg Flöte und Bagpipe dieselben Melodien spielten, und dies in einem unglaublich hohen Tempo und mit faszinierender Präzision. Schräge Töne waren da nicht zu hören. Nach gut 20 Minuten war es dann auch soweit, so dass man im Publikum kein ruhiges Bein mehr sah.

Es gab zwischendurch auch leise und sehr einfühlsame Stücke, die das Publikum in den Bann gezogen haben: so spielte Fred Morisson auf einer Flöte ein 5-minütiges Solo als Vorspiel für ein Stück - 5 Minuten ! So lange dauert mangels musikalischer Ideen kein Popsong mehr. Das Publikum dankte dies mit ungeteilter Aufmerksamkeit, da hörte man kein Rascheln und kein Hüsteln.

Die Musiker haben sich in Kellinghusen sichtlich wohlgefühlt, so dass auch ein mehrminütiger Versuch die Bagpipe zu stimmen mit viel Humor der Musiker und des Publikums überbrückt wurde. Das man eine Bagpipe überhaupt stimmen kann und dies kein einfaches Unterfangen ist, war mir neu. Das Stimmen hatte sich gelohnt, anschließend wurde richtig Stimmung gemacht, die sogar einige dazu veranlasst hat, zum schottischen Folk zu tanzen. Der Lebendigkeit dieser Musik konnte man sich nicht entziehen.

Durch und durch war es ein gelungenes Pep-Konzert der besonderen Klasse. Die Musiker wurden erst nach mehreren Zugaben vom Publikum mit stehenden Ovationen verabschiedet - etwas, was man nicht mehr so häufig erlebt und für die Qualität der Musiker spricht.

Ich werde sicherlich nicht meine Gitarren gegen eine Bagpipe eintauschen - die Probleme mit den Nachbarn wären vorhersehbar - aber sicher werde ich den Bagpipe-Spielern mehr Respekt zollen als bislang. Nicht zuletzt auch, weil sie Traditionen und Kultur bewahren.

Hans-Friedrich Pfeiffer