Kai Magnus Sting

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 18:21

Das Feinste vom Leben

Kai Magnus Sting wühlte im Alltag herum

- und alle fanden sich wieder

Er geht zum Metzger seines Vertauens, weil er Leberwurst so sehr liebt. Zur Verkäuferin sagt er: "Ich hätte gern von der groben, fetten." "Die hat heute Berufsschule" bekommt er zur Antwort.

Kräftiger Applaus und johlendes Gelächter im Saal des "Benjamin". Die Stimmung war klasse und das obwohl sich gar nicht so viele Kabarett-Freunde auf den Weg gemacht haben, um Kai Magnus Sting zu erleben. Vielleicht ist er bei uns im Norden einfach noch nicht bekannt genug. Doch das wird sich ändern. Das Publikum liebt den erst 25-jährigen Kabarettisten, der zur Zeit mit Preisen überhäuft wird. Darunter auch der Sonderpreis des NDR.

Sein Thema ist der Alltag. Mit spitzer Zunge kommentiert er - mit Vorliebe die Lebensgewohnheiten von Frauen und Männern. "Das Feinste vom Leben" heißt das auch sein Programm und er nimmt uns mit, wenn er mit seiner "ständigen Begleiterin" eine Hose oder Schuhe kaufen geht. Natürlich verbringt er Stunden wartend in einer viel zu engen Umkleidekabine, während seine "ständige Begleiterin" noch mal eben für sich ein bisschen eingekauft hat. Und überhaupt die Umkleidekabinen. Nur einmal hat er eine erwischt, die war so groß und geräumig, dass es fast hallte in diesem kleinen Saal. Aber kaum war er aus seiner Hose geflutscht und stand sozusagen fast nackt da, machte es auch schon "Pling", die Tür ging auf und eine Stimme aus dem Automaten sagte: "Erdgeschoss, Damenoberbekleidung".

Politisch wurde Kai Magnus Sting selten. Kurz ereiferte er sich über die Schill-Partei, die zur Zeit überlegt, ob sie ihren Namensgeber rausschmeißt.. Und da fragt er sich, ob sie dann nur noch "Partei" heißen wolle?! Aber diese kurzen Passagen sind eher auf eine authentische Weise bissig. Hier macht er keine Scherze, hier ärgert er sich maßlos über Politiker und Machenschaften.

Zynismus schlägt wieder durch als er sich über den Solidaritätszuschlag auslässt. "Ich hab ja nichts gegen die Wiedervereinigung. Aber es hätte ja nicht die DDR sein müssen!"

Doch dies bleiben kurze Ausflüge. Wesentlich länger grübelt er über den Sinn mathematischer Aufgaben in der Schule. Oder über deutsche Urlauber und ihre häufig sehr vorteilhafte Kleidung ("Arsch frisst Hose"). Dabei macht er mit seinem Spott auch vor sich selbst nicht halt. So zum Beispiel, wenn er über sein Übergewicht, seine Körpergröße und seine athletische Figur lästert. Aber keine Almosen bitte. So weit ist es dann doch noch nicht. Und darum hat er sich auch geärgert als die Verkäuferin beim Bäcker letztens sagte. "Ich leg Ihnen ein Brötchen mehr rein, weil sie(?) so klein sind."

Und bei den Typen im Fitness-Studio hat er sich sogar gewehrt, als die lästerten, weil er sich mit den 2-Kilo-Hanteln quälte. "Ich schaff 15o Kilo", prahlte da so ein Typ. "Und ich kann lesen." kam Retour. "So ist das eben im Leben."

Wieder bogen wir uns vor Lachen, wieder gab es Szenenapplaus.

Er hat einfach Spaß gemacht, der Abend mit Kai Magnus Sting, dem Nachwuchskabarettisten aus Duisburg.("Duisburg ist nicht gerade schön. Aber wenigstens komm ich nicht aus Bochum.")

Auf sein neues Programm freuen wir uns jetzt schon. Und da werden dann mit Sicherheit auch mehr Leute kommen.

Oliver Zantow