Ulrich Treu (Puppentheater Berlin)

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 18:20

Mord im Bürgerhaus

Puppen entlarven Serientäter

Ulrich Treu (Puppentheater Berlin) zu Besuch bei PEP,
von Hans Pfeiffer beobachtet und aufgeschrieben

 

Der Raum ist fast dunkel, nur ein spärliches Licht ist auf den geschlossenen Vorhang des Puppentheaters gerichtet.

Es ist still.
Muksmäuschen still.

In die gespannte Leere hinein erwacht das Klavier mit drohenden Tönen und läßt den Zuschauer, noch bevor der Vorhang sich öffnet, bereits erahnen, dass da nichts Gutes kommt. Denn in den dunklen Gassen von Paris - wir schreiben das Jahr 1680 - gehen merkwürdige, gar grausame Dinge vor sich : Verschlagene Gestalten durchstreifen die unbeleuchteten Straßen, die Bürger trauen sich vor Angst und Schrecken nicht mehr vor die Tür.

Es wird gemordet !
In Paris.
Nacht für Nacht.
Adelige.
Männer und Frauen.
Jedes Opfer auf die gleiche Weise : mit einem Hieb erdolcht und anschließend ihres Schmuckes beraubt.

Jeder kann der nächste sein und jeder kann der Mörder sein. Jeder verdächtigt jeden, der Vater den Sohn, der Sohn den Vater, bis schließlich ganze Familienbanden daran zerrütten.
Die Polizei steht vor einem Rätsel : Wer, wer ist nur der Mörder ?

 

Dies ist der Stoff, den Ulrich Treu vom Puppentheater Berlin nach einer Geschichte von E.T.A. Hoffmann dem Kellinghusener Publikum als Erstaufführung vorgestellt hat. Freilich handelt es sich hier um ein Stück für Erwachsene und wie in einem richtigen Krimi geht es auch hier nicht nur um die Suche nach dem Mörder, es geht auch um Liebe und Verrat, um Gier und Freigiebigkeit, Hoffnung und Enttäuschung. Ulrich Treu versteht es, seinen Handpuppen einzigartige Charaktere zu verleihen - sehr zum Vergnügen des Publikums. Der Polizeipräsident etwa erscheint als emotionsloser verschlafener Beamter, der Polizist als scharfsinnig und mutig, und der eigentliche Held, dem zu Unrecht die Morde angelastet werden, als unschuldiger, sich dem Schicksal hingebender Goldschmied, der in der Tochter seines Meisters die große Liebe seines Lebens zu finden glaubt. Der Meister selbst - ein vom Alter gezeichneter Choleriker, gleichwohl mit höchstem Ansehen der Pariser Gesellschaft bedacht. Zwischen diesen Figuren entwickeln sich verhängnisvolle Beziehungen, die zumeist höchst amüsant präsentiert werden. Viele Feinheiten wie Gesten, Bewegungen und vor allen Dingen die sorgsam gewählte Sprache lassen die Puppen lebendig erscheinen. Zusammen mit der Vielschichtigkeit der Charaktere entsteht dadurch ein kompaktes, spannendes und sehenswertes Stück.

Nachdem der Bösewicht enttarnt und der Held rehabilitiert wurde, wurden Ulrich Treu und seine Pianistin Naoko Fukumoto von den zahlreichen Zuschauern des Bürgerhauses mit lang anhaltendem Applaus verabschiedet. Schade, dass es beim Puppentheater keine Zugabe geben kann, so müssen wir auf das nächste Jahr warten, bis - hoffentlich - das Puppentheater wieder nach Kellinghusen kommt.

 

Und wer war nun der Mörder ?
Das wird nicht verraten.
Wer will sich schon einen Krimi anschauen, dessen Auflösung man schon kennt ?