Saitenfest

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 18:18

Saitenfestival 2003

Rückblick von Hans Pfeiffer

 

Die Gitarre hat in ihrer 500-jährigen Geschichte stets aufs Neue bewiesen, dass sie als eines der wenigen Instrumente sich in alle Musik-Kulturen fest etablieren konnte - sowohl als Begleit- wie auch als Solo-Instrument. Mit dem Saitenfestival 2003 wollte der Pep-Kulturverein diesen Gedanken aufgreifen und hatte daher Gitarristen der unterschiedlichsten Richtungen zu dem Festival eingeladen. Von der Klassischen Gitarre über die moderne Gitarre bis zum zeitgenössischem Flamenco sollte dem Kellinghusener Publikum die weite Spannbreite der Gitarrenmusik vorgestellt werden.

 

Das Festival wurde von Rüdiger Zieroth, Klassischer Gitarrist aus Hamburg, eröffnet. In seinem Gesprächskonzert verwies er darauf, dass Spanien durch die Jahrhunderte hinweg die Hochburg der Gitarremusik war und bis in unsere Zeit hinein geblieben ist : die Gitarrenmusik durchzog alle Bevölkerungsschichten und bildete dadurch voneinander grundlegend verschiedene Stile : volkstümliche Weisen, konzertante Klassik bis zu den verschiedenen Flamenco-Formen Anadalusiens. Er präsentierte hierzu Komponisten der Renaissance wie Ferdinand Carullier und Fernando Sor, die die Wegbereiter der heutigen Klassischen Gitarre waren. Besonderen Wert hat Rüdiger Zieroth auf den Klang und weniger auf die Virtuosität klassischer Stücke gelegt um dadurch zu demonstrieren, wie sich die Klangvielfalt des Instrumentes im Laufe von Jahrhunderten langsam verändert hat. Mit Werken von Fransisco Tarrega und Emil Pujol, dessen Schüler Rüdiger Zieroth ist, knüpfte Rüdiger Zieroth an die Gegenwart der Klassischen Gitarre an.

 

 

Mit dem "Duo Gitano" ( Uwe Dieckmann und Martin Squarra ) wurde dem Publikum moderne und lebendige Gitarrenmusik präsentiert.
Die beiden Barmstedter Gitarristen spielten sowohl eigene Komopsitionen wie auch Bearbeitungen bekannter Stücke und überzeugten mit Spielfreude und Einfallsreichtum. Ihr Repertoir umfaßte Stücke aus den Bereichen Rock, Ragtime und Folk. Besonders die etwas ruhigeren Stücke haben mir persönlich gefallen - hier kam der Ausdruck der aufeinander sehr fein abgestimmten Gitarrenparts besonders zum Tragen. Die unterschiedlichen Charakteristika der einzelnen Stücke ließ auch nach einer Dreiviertel Stunde keinerlei Langeweile aufkommen und so wurden die beiden Gitarristen erst nach einer Zugabe mit lang anhaltendem Applaus verabschiedet.

 

 

 

 

 

Der Höhepunkt des Festivals war für mich Jan Hengmith, der ohne Zweifel einer der besten Flamenco-Gitarristen Deutschlands ist. Hierbei braucht der in Hamburg lebende Gitarrist den internationalen Vergleich nicht zu scheuen : als erster deutscher Flamenco-Gitarrist hatte er es geschafft,  zusammen mit den weltweit führenden Gitarristen wie Paco de Lucia, John McLaughlin und Al di Meola auf einer Platte vereint zu werden - von spanischen Kritikern wird er als "signifikanten Protagonisten des heutigen Flamencos" bewertet. Sein großartiges Können hat er mit einer bestechenden Leichtigkeit dem Publikum präsentiert - seine Virtuosität ließ beizeiten glauben, dass zwei Gitarren gleichzeitig gespielt wurden. Auf dem Spielplan standen eigene Kompositionen, die den modernen Flamenco repräsentieren. Die Anlehnung der Kompositionen an Paco de Lucia, Tomatito und Pepe Habichuela sind deutlich und in der von Jan Hengmith dargebotenen Top-Qualität eine Seltenheit. Mit einer Zambra von Sabicas und einer Buleria von Diego del Gastor  aus den Zwanziger Jahren bewies Jan Hengmith überdies, dass er auch den traditionellen Flamenco bis ins kleinste Detail hinein beherrscht und den verschiedenen Formen besondere Klangfülle und einen unverwechselbar starken Ausdruck verleiht. Schon nach dem ersten Stück hatte Jan Hengmith das Publikum vollständig erobert und die Begeisterung über sein Spiel hielt bis zum Ende des Konzertes an. Ein nicht mehr enden wollender Applaus beendete dann nach einer Zugabe diesen hervorragenden und außergewöhnlichen Auftritt.

 

 

Die zahlreichen Zuschauer im Bürgerhaus und die Begeisterung, mit der die Künstler jeweils verabschiedet wurden, läßt kein Zweifel aufkommen : es war ein gelungenes Saitenfestival und es wird sicher nächstes Jahr wieder eines geben.