Folk- & Akustik-Festival

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 18:15

Über das 6. Folk- & Akustik-Festival

berichtet Rundschau-Mitarbeiter Hermann Schwichtenberg

Erstklassige Musik

Fünf sehr unterschiedliche Bands sorgten in der Ulmenhofschule für zwei erstklassige Musikabende. Blues und Rock lieferten das „Long John Baldry Trio“ und  Christina Lux & Band. Einfühlsamen Folk präsentierten „Kelpie“ und  Geraldine MacGowan & Band. Wenzel & Band knüpften stimmungsvoll an längst verloren geglaubte Liedermacherzeiten an. Dem Kulturverein PEP gelang mit dieser Auswahl eine reizvolle Mischung.

„Meine Gefühle und Ideen setze ich in Musik um. Dabei bin ich so frech, mich aller Musikstilrichtungen zu bedienen. Meine Texte handeln von den Verstrickungen, in denen wir groß werden und von denen sich jeder selbst lösen muss“, sagte Christina Lux (Gitarre/Gesang), die zusammen mit Tommy Baldu (Schlagzeug/Cajon) und Marius Goldhammer (Bass) auftrat. Musikalisch schöpft die Band aus dem Reichtum der Stilrichtungen, die die populäre Musik bietet: Mal jazzig, mal funkig, mal rockig. „Die sehr feine zurückhaltende und pointierte Instrumentalisierung ließ die Stimme von Christina Lux brillant erscheinen. Das Klangwerk aus ihrem Mund haute mich vom Hocker“, meinte beeindruckt Konzertbesucher Peter Iversen, Bandmitglied bei „Sugar & Spice“.

Stimm- und instrumentalgewaltiger ging es zu bei „Long“ - John Baldry (Gesang/Akustikgitarre), Dick Bird (Gitarre) und Butch Coulter (Harmonika/Gitarre): Blues vom Feinsten. Ob als Gruppe oder als Solointerpreten, sie zogen das Publikum mit „Take This Hammer“, „Hoochie Coochie Man“ oder Backwater Blues“ in ihren Bann. Oft hatte es den Anschein, als  kommunizierten die Instrumente miteinander. Einen der Konzerthöhepunkte lieferte das Trio zusammen mit Christina Lux, die für den Song „Black Girl“ auf die Bühne geholt wurde, um John Baldrys Gesang stimmlich zu untermalen. Dabei hatte die Sängerin wenige Minuten vor dem Duett noch ein Problem: „Ich singe gern mit, nur ich kenne den Text nicht so genau. Schreib mir den Refrain mal auf“, bat sie. Und dann gelang das Experiment ganz hervorragend.

Baldry & Co. erwiesen sich als eine sehr spielfreudige und kommunikative Band, die unterhaltsam und sympathisch auf das Publikum zuging. Beeindruckend das Outfit des Bandleaders: Baldry (62), seit den 1950er Jahren vom Folk und von der schwarzen Musik geprägt, erschien in Nadelsteifenhose und –Weste, darüber ein schwarzer Gehrock, auf dem Kopf ein schwarzer Hut. Aufgrund einer Gehbehinderung saß er während des mehr als zweistündigen Konzerts zumeist auf einem Hocker. Einfühlsam setzte er seine Kollegen so ein, dass ihre Soli von anhaltendem Applaus begleitet werden konnten. Als Baldry die Bühne verließ, spendeten ihm die Zuhörer Standing Ovations.

Von besinnlich bis deftig ging es am zweiten Festivaltag zu: Die Gruppe „Kelpie“ schöpft ihre Kreativität aus Norwegens Landschaft und Mystik. In der Abgeschiedenheit des Nordens  finden Kerstin Blodig (Gesang/ Gitarre/ Buuzouki) und Ian Melrose (Flöte/Gitarre) Entspannung, setzen dort  ihre Eindrücke musikalisch um. Im Land der Fjorde entstehen ihre Balladen, Hallings und Reels. Der helle, klare Gesang von Kerstin Blodig paart sich Raum füllend mit dem virtuosen Instrumentalspiel ihres Partners. Gefühlvoll „The Battle Of Waterloo“, ein Antikriegslied über den letzten napoleonischen Krieg, in dem ein Soldat in der Schlacht an seine daheimgebliebenen Braut denkt.

Sängerin Geraldine MacGowan & Band (Shane MacGowan/Gitarre; Eamoon de Barra/Flöte, Klavier; Brian O`Connor/Flöte) pflegen den traditionellen Irish Folk. In Kellinghusen dokumentierten sie das schier unerschöpfliche Repertoire irischer Volksmusik. Jeder Song ein Kunstwerk. Den melancholischen, zum Teil auch kraftvollen Gesang von Geraldine MacGowan ergänzten durchaus gleichberechtigt Gitarre, Flöte und Klavier. Eine Musik zum Träumen.

 „Wenzel“ - Hans-Eckardt Wenzel (Gesang/Schifferklavier/Gitarre), Janek Skirecki (Bass), Steve Weyerer (Gitarre), Olli Becker (Schlagzeug) und Jan Hermerschmidt (Klarinette) - präsentierten neben eigenen Songs auch Texte des amerikanischen Arbeiter-Liedermachers Woody Guthrie und des Österreichers Theodor Kramer. Guthrie und Kramer sind von „Wenzel“ selbst vertont worden. Die „wenzelsche“ Musik ist für den unvorbereiteten Zuhörer gewöhnungsbedürftig. Denn deftig-kräftig geht es auf der Bühne zu, und es entsteht anfangs der Eindruck proletenhafter Gasthausromantik, mit der „Wenzel“ die Zuhörer zu erschlagen droht. Doch die Texte sind tiefgründig. Sie beschreiben Alltagsszenen oder soziale Ungerechtigkeiten. PEP sei empfohlen, diesen Haufen wilder, kabarettistisch veranlagter Instrumententraktierer alsbald wieder nach Kellinghusen zu holen, denn diese Truppe ist eine Wucht. Jeder Darsteller ein Meister seines musikalischen Faches, ein durchdringendes Text-und Klangerlebnis!

Fotos: Anke Nötzelmann