Charlie Mariano u. Dieter Ilg

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 18:09

Puristisch und intensiv

Charlie Mariano und Dieter Ilg zeigten ihr Können

Ich kann mich nicht entsinnen, diesen Begriff in Zusammenhang mit einem unserer Konzerte schon einmal verwendet zu haben, aber in diesem Fall halte ich ihn für passend: Es war uns eine Ehre, Charlie Mariano in Kellinghusen präsentieren zu können. Er gilt als einer der besten Saxophonisten der Welt – vielleicht ist er sogar der beste – und er wird diesseits und jenseits des großen Teiches entsprechend gewürdigt und gefeiert. Mittlerweile ist er zwar achtzig Jahre alt, dennoch strotzt er vor Energie und steht noch etwa einhundert Mal im Jahr auf der Bühne. Zwar würde er gerne etwas kürzer treten und sich öfter einmal in sein italienisches Domizil zurückziehen, aber er kommt einfach nicht dazu. Zu groß ist die Nachfrage.

Aber im nächsten Jahr zieht er sich mindestens zweimal für jeweils einen Monat mit seiner Frau nach Italien zurück. Er erzählt mir dies leicht schmunzelnd, als ich ihn vom Flughafen abhole. Vielleicht glaubt er selbst noch nicht so fest daran. Momentan zumindest hat ihn der Jetset noch fest im Griff. Donnerstag Norddeutschland, ab in den Flieger, Freitag Süddeutschland, um dann erneut gen Norden zu fliegen. An diesem Sonnabend nun besucht er nun zum ersten Mal in seinem reichen Musikerleben Kellinghusen. Frei von jeglichen Starallüren betritt er die Ulmenhofschule, plaudert und schreibt Autogramme.

Bis zu seinem Auftritt dauert es allerdings noch etwas, denn mit Jazzpect haben wir für diesen Abend noch eine junge Band engagiert, die zu Beginn eine dreiviertel Stunde jenes Potential zeigt, das in dieser Formation steckt. Dies gelingt eindrucksvoll, doch dann setzen sich die Nachwuchsmusiker mit ins Publikum, um dem Meister auf die Finger zu sehen.

Charlie Mariano verzaubert seine Fans und wird perfekt begleitet von Dieter Ilg am Bass, der längst selber zu den herausragenden Größen in der Jazzszene zählt.

Die Musik der beiden war perfekt dargeboten und unglaublich intensiv. Für den durchschnittlichen Musikkonsumenten – ich zähle mich uneingeschränkt dazu – war sie ebenso eindeutig zu puristisch. Daher überlasse ich die Beurteilung lieber den Liebhaber dieser Instrumente, denn für sie ging zweifellos ein Traum in Erfüllung. Sie genossen jedes Stück, jedes Solo und jubelten den Interpreten zu, als hätten sie sie am liebsten gar nicht von der Bühne gelassen.

Bemerkenswert und schön zugleich war es festzustellen, wie generationsübergreifend die Fans an diesem Abend vertreten waren.

In der Garderobe durfte Charlie Mariano dann der jungen Saxophonistin von Jazzpect noch zwei LP`s signieren, die sie wiederum bei ihrer Mutter gefunden hat...

Oliver Zantow

 

Fotos: Anke Nötzelmann