Battlefield Band

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 18:01

Die Battlefield Band – meisterlich im Rückwärtsgang

 

Die Battlefield Band spielt wie eh und je auf einem hohen professionellen Standard und kann nach wie vor ihr Publikum begeistern. Dennoch gebe ich zu, dass mich ihr Konzert in der Kellinghusener Ulmenhofschule seltsam unberührt und auch etwas ratlos ließ. Vergleicht man die aktuelle Formation mit denen früherer Zeiten, lässt sich vielleicht meine Enttäuschung erklären.

Die Innovationskraft der Battlefield Band, ihr spielerisches Können , die hohe Klasse ihrer Lieder, Texte und Arrangements, die einfallsreiche Dramaturgie ihrer Konzerte, ihre Leidenschaft, das außerordentliche Charisma – all das hob diese Gruppe gerade in den 80er Jahren über andere Vertreter ihrer Zunft. Diese Battlefield Band allerdings scheint der Vergangenheit anzugehören. Man musste im Laufe der Zeit feststellen, dass die herausragenden Eigenschaften dieser Gruppe der künstlerischen Kraft bestimmter Personen zu verdanken waren. Allen voran Brian McNeill, dessen Lieder und Texte, dessen Offenheit für innovative Experimente, dessen Hang sich selbst und auch das Publikum ständig zu überraschen zum Markenzeichen der Battlefield Band wurde. Aber ebenso fehlen heute die Stimme und das kommunikative Geschick eines Alastair Russell, die unbändige Spielfreude des viel zu früh verstorbenen Davy Steele, die Hingabe und das außergewöhnliche Talent des Geigers John McCusker.  Es sind Lücken entstanden, die sich im Personalroulette der letzten Jahre vom Urmitglied Alan Reid nicht so einfach schließen ließen.

Was ist übrig geblieben? Das Konzert in der Ulmenhofschule bewies: Das spielerische Können der aktuellen Formation ist nach wie vor groß, ihr Zusammenspiel perfekt und routiniert. Aber nur selten blitzten die Tugenden früherer Zeiten auf, wie bei den letzten beiden Stücken kurz vor der Pause, wo intelligente Einfälle die Musik außerordentlich befruchteten. Und was für die Battlefield Band wahrlich erstaunlich ist – das musikalische Material wollte sich nicht immer homogen zusammenfügen. Die Lieder wirkten oft seltsam uneinheitlich, und noch viel schlimmer: zuweilen belanglos.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Diese Gruppe spielt auch nach 30 Jahren ihre Musik noch meisterlich und das Publikum in der Ulmenhofschule zeigte sich völlig zu Recht begeistert und beeindruckt. Stellt man allerdings die Battlefield Band in ihren eigenen historischen Kontext, ergibt sich ein Bild mit vielen weißen Flecken. Es wurde in der Ulmenhofschule sehr deutlich, wie schwer oder nahezu unmöglich es für eine Band ist, über dreißig Jahre ihr hohes künstlerisches Niveau zu halten. Man bleibt irgendwann bei dem Erreichten stehen oder fällt sogar um einige Schritte zurück, überlässt zunehmend einer jüngeren Generation die Fortentwicklung. Was bleibt, ist eine Musik die Spaß machen kann – vorausgesetzt man blendet die vergangenen dreißig Jahre für einen Moment aus. Das aber wollte mir an diesem Abend nicht so recht gelingen.

 

Erk Böteführ