Roger Chapman

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 17:55

Roger Chapman und John Campbelljohn
bei PEP-Veranstaltung in der Ulmenhofschule

Kellinghusen. Er gehört nicht zu den Männern, die sich Mütter zum Schwiegersohn wünschen. Auch sind seine Manieren auf der Bühne nicht die eines Gentlemans. Und sein Bühnen-Habitus gleicht eher dem einer rauen, von den Niederungen des menschlichen Lebens gezeichneten Person, als dem eines auf guter Publicity bedachten Weltstars. Doch das ist den Rockfans, die von der einmaligen Stimme und der Show des Roger Chapman fasziniert sind, egal. Sie wollen den englischen Sänger so erleben, wie er sich nunmehr seit fast 40 Jahren auf den Rockbühnen der Welt gebärdet: temperamentvoll, stimmgewaltig, ordinär.

Michael „Micki“ Moody und Roger Chapman (r)Und diese Eigenschaften machten dann auch den Erfolg aus, den Chapman zusammen mit seiner Band, The Shortlist, in der Ulmenhofschule hatte. Als die Musiker nach über zwei Stunden das Konzert beendeten, gab es letztlich nur zufriedene Gesichter, die lediglich darüber hätten traurig sein können, dass Roger Chapman & The Shortlist überhaupt zu spielen aufgehört hatten. Davor brannten sie nämlich ein musikalisches Feuerwerk ab, das nachhaltiger nicht hätte sein können.

Großen Anteil an der Superrocknacht hatten die Instrumentalisten Michael „Micki“ Moody und David Colwell, zwei Gitaristen von allerhöchster Güte. Moody zelebrierte seine Improvisationskünste bereits für die Gruppe „White Snake“, und Colwells filigranes Gitarrenspiel verzückte die Fans schon zu Zeiten, als er für „Bad Company“ auf Tour ging. In Kellinghusen forderten sie mit ihren Klängen bei den Zuhörern immer wieder offenen Szenenapplaus hervor. Mit dabei und nicht weniger wirkungsvoll: Ian Gibbons (Keyboard), Andy Hamilton (Saxophon), John Lingwood (Schlagzeug) und Garry Twigg (Bass).

Die Gruppe setzte von Beginn an auf ein hohes Tempo. „Chapo“, wie Chapman von seinen Getreuen ebenfall genannt wird, stand bereits nach wenigen Minuten unter Schweiß und unterstützte den bald sichtbaren Transpirationsprozess dadurch, dass er sich immer wieder mit Frischwasser übergoss, um Abkühlung zu finden. Seine dann folgenden Versuche, der körperlichen Nässe mit dem Handtuch Herr zu werden, mussten zwangsläufig scheitern. Die schnellen bis nervösen und dauerhaften Bewegungen des Musikers ließen bei nüchterner Betrachtung die Frage aufkommen: Hält der Mann diesen Speed durch?  Er hielt durch und wankte nicht. Der vibratoreich intonierende Sänger hielt sich selbst so in Spannung, dass die eingeschlagene musikalische Wucht und Härte im Gesang nicht ins Stocken geriet beziehungsweise abnahm. Ob „X-Town“, „The Boots Are Made For Walking“ oder „Shadows On The Wall“: Chapman blieb sich und seiner beeindruckenden Kunst treu. Dabei traktierte er seine Stimmbänder so, dass es an ein Wunder grenzt, dass sein wichtigstes Arbeitsgerät nicht schon nach den ersten Songs aussetzte. Doch dass das so schnell nicht passiert, wissen die Fans schon aus den Zeiten, als Roger Chapman der Star der Rockgruppe „Family“ (1965-1973) war. Möge uns diese Stimme noch möglichst lange erhalten bleiben!

Wesentlich weniger extrovertiert aber dadurch nicht wirkungsloser war die Show des zweiten Stargastes angelegt. Der kanadische Musiker John Campbelljohn unterhielt mit einem Programm aus Bluesrock und seinen vielen Verästelungen, das keinen Wunsch an guter Musik dieses Genres offen ließ. Einer der HöhepunkteJohn Campbelljohn: Reverenz an Mick Jagger des Abends war die Interpretation des Stones-Titels „You Can’t Always Get What You Want“. Bei seiner Reverenz an Mick Jagger nahm Campbelljohn dann auch seine Mütze vom Kopf, die er ansonsten während des gesamten Konzerts trug. Sympathisch frisch wirkte eine Showeinlage ganz besonderer Art. Für den Song „Drinkin“ holte der Musiker rein zufällig die Horsterin Ingrid Krohn auf die Bühne, die ihm während einer langen Gitarrenimprovisation das Instrument in der Waagerechten hielt.

Bei seinem Konzert wurde schnell deutlich, warum Campbelljohn in Nordamerika (USA/Kanada) ein anerkannter Star ist, der schon mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde: Blues Award – Best of Eastcoast; Best of Songwriter; Best of Slide-Guitarist. Bei soviel künstlerischer Größe wurde dann auch schnell nachvollziehbar, dass dieser Musiker gleichwertig neben Roger Chapman steht, wie PEP-Organisator Oliver Zantow bemerkte.

Instrumental unterstützt wurde der Kanadier von Blair Seaboyer (Bass) und Bruce Aitken. (Schlagzeug).

Hermann Schwichtenberg

Fotos/digital (sch) .      

           

 

 

Großer Einsatz, starke Nerven

Roger Chapman bei PEP: Ein Fazit von Oliver Zantow

 

Die Rocknacht mit Roger Chapman und John Campbelljohn stellte uns vor größere Herausforderungen. Damit auch Nicht-Veranstalter einmal einen Blick hinter die Kulissen solch eines Abends werfen können, sei an dieser Stelle ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert.

Bereits einige Tage vor dem Konzert galt es einen Schock zu überwinden. Unsere Techniker waren – erstmals nach zwölf Jahren PEP Veranstaltungen – mit den Anforderungen eines Musikers überfordert. „Kiese“, der mit seiner PA unsere größeren Konzerte beschallt, tat dies auch im Dezember 2oo2, als Roger Chapman das erste Mal bei uns auftrat. Naiv, wie wir waren, gingen wir davon aus, dass dies jetzt erneut der Fall sein würde. Nach stundenlangem Grübeln und Improvisieren war „Kiese“ dann aber zu dem Schluss gekommen abzusagen, da er Chapmans Anforderungen nicht erfüllen konnte. Auch unser zweiter Techniker Bernd war mit seiner Anlage überfordert. Für Profi-Firmen mögen die technischen Anforderungen üblich erscheinen, allerdings ist die Beschallung dann auch mit einem Vielfachen der Kosten verbunden. Diese Vorstellung wiederum ließ uns erstarren, da der Kartenvorverkauf sich weit unter den Erwartungen bewegte.

Unsere beiden Techniker erwiesen sich in dieser Situation als wahre Freunde. Sie telefonierten herum, um bei der Suche nach einer kostengünstigen Lösung zu helfen. Wir hatten uns inzwischen ein Angebot des Schenefelder Musik-Centers Steffens geben lassen, das sich dann auch als gut und günstig erwies. Günstig heißt in diesem Fall, dass diese PA „nur“ das 2 ½ -fache unserer ursprünglich angeforderten PA kostete. Aber wenigstens war das Problem nach zwei Tagen Stress gelöst, die Veranstaltung konnte stattfinden und wir haben ein nettes und kompetentes Team kennen gelernt für all die Fälle, in denen wieder einmal „großes Geschirr“ erforderlich wird.

Der Tag X rückte näher und dass uns einiges bevorstand offenbarte auch das Treffen zur Vorbereitung des Abends. Es dauerte etwa eine Stunde länger als üblich.

Das nächste Problem, das es zu lösen galt, war der Aufbau. Um 15 Uhr wollte Chapmans Crew anrücken, den LKW entladen und mit dem Aufbau beginnen. (Eigentlich wollten sie um 14 Uhr kommen, wir konnten ihnen jedoch eine Stunde abringen.) In der Ulmenhofschule ist bis 13:15 Uhr Unterricht. Anschließend wird die Schule gereinigt und ab 14 Uhr dürfen wir hinein. Für dieses Konzert muss aber die Bühne aufgebaut werden. Dies wiederum hat verständlicherweise zu geschehen, ehe die Band ihr Equipment aufbauen kann. Wir sahen uns mit einem Zeitplan konfrontiert, den wir kaum einhalten konnten.

Ausnahmsweise durften wir gleich nach Unterrichtsschluss in die Schule. Und glücklicherweise fanden sich an diesem Freitag (es ist immerhin ein Werktag) schon genügend Helfer, die ab 12:3o Uhr damit beginnen konnten, die Bühnenelemente aus der benachbarten Grundschule zu holen. Dies alles abzustimmen nahm wieder einen Tag in Anspruch, aber der Zeitplan stand nun ebenfalls.

Was Andrea und ihr Catering-Team ab 13:15 Uhr in Atem hielt (die Einkäufe in den Tagen davor ignorieren wir an dieser Stelle einmal), waren die kulinarischen Wünsche unseres Stars und seiner Band. Die seitenlange Cateringliste galt es akribisch genau abzuarbeiten, denn wenn Chappo nicht all seine Wünsche auf dem Tisch vorfindet ist er schlecht gelaunt und dann steigt die Gefahr, dass das Konzert leidet. Also wurde aufgefahren. Vom Remy Martin (dem besten natürlich), über den Lieblingswein, Jameson Irish Whiskey, Red Bull, üppigen Fisch-, Wurst- und Käseplatten bis hin zu Chappos geliebten Gummibärchen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Dies alles ersetzt nicht das geforderte warme Essen. Das lässt der Meister sich darüber hinaus mit 2o € pro Person ausbezahlen.

Dann schnell noch ein paar Kleinigkeiten wie Kleiderständer, Spiegel und 2o(!) Handtücher in die Garderobe und die Stars können kommen.

Ach, und natürlich ist sicher zu stellen, dass niemand sonst diesen Raum betritt. Die zweite Band ist auf jeden Fall woanders unterzubringen und zu verköstigen.

Der Aufbau klappt reibungslos, dazu beigetragen haben übrigens auch fünf Schülerinnen und Schüler der AVS Itzehoe, die unsere beiden Aktiven (und deren Mitschüler) Jenni und Jonas erfreulicherweise dazu überreden konnten, ihren Freitag in der Ulmenhofschule zu verbringen. Von mittags bis nachts haben sie uns geholfen und mitgearbeitet!

Der Soundcheck verzögerte sich etwas – sehr zur Freude des John Campbelljohn-Trios. Die drei Musiker warteten jedoch geduldig, bis Chappos Leute fertig waren. Herr Chapman selbst nahm an dem Soundcheck nicht teil, er befand sich noch im Hotel, er hatte sein Erscheinen erst gegen 21:3o Uhr kurz vor dem Auftritt angekündigt. Sein Tourbegleiter hielt dann noch so kleine Überraschungen für uns parat, wie den Wunsch nach einem Teppich, den wir auf der Bühne vor Chappos Mikro auslegen sollten.

Der Abend beginnt, einige hundert Fans strömen in die Ulmenhofschule. Unsere Parkplatzeinweiser leisten Schwerstarbeit.

Die ersten anderthalb Stunden gehören John Campbelljohn. Er spielt großartig, wird gefeiert. Die Jungs erweisen sich als Glücksgriff, musikalisch wie menschlich.

Dann wird umgebaut und Chapman startet mit seinem Part. Als erstes reißt er den Teppich herunter und wirft ihn demonstrativ weg. Dann provoziert er einige Rückkopplungen (durch das Zuhalten seines Mikrofons), um sich über die Techniker und den Sound zu beklagen. Ständig gibt er dem Monitor-Mixer Anweisungen, ihn lauter oder wieder leiser zu stellen. Am Ende hüpft er auf der Bühne herum, um zu demonstrieren wie schlecht eben diese für Rockkonzerte geeignet ist (es ist die Gleiche, auf der auch bereits Achim Reichel, die Spencer Davis Group, Torfrock... standen und abrockten) und beklagte sich noch einmal bitterlich über den schlechten Sound. Ansonsten hat er ein tolles Konzert abgeliefert und geackert, bis sein Hemd klitschenass war. Aber irgendwie waren wir Helfer nicht mehr in der Stimmung, das zu genießen...

Am Ende der Show entschuldigte sich der Tourbegleiter sogar noch bei den Technikern für Chappos Benehmen!

Dieser war inzwischen wie ausgewechselt: Nach einigen Minuten Auszeit zog er sich sein St. Pauli – T-Shirt über und schrieb mit einer Engelsgeduld Autogramme.
Als er mit seiner Band den Tourbus bestieg – natürlich mit unseren Wein- und Cognac-Gläsern in der Hand – war er wieder allerbester Laune.
Wir wühlten dann noch bis etwa 2:3o Uhr in der Ulmenhofschule, bauten die Bühne wieder ab und räumten auf.
Die vierstellige Differenz dieses Abends zahlen wir aus der Vereinskasse.

In einiger Zeit wird Roger Chapman bestimmt erneut auf Tournee sein. Die Ulmenhofschule dürfte in dem Tourplan dann wohl nicht mehr auftauchen...