So in love (Best of Sondheim)

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 17:48

„So in love... “

Christine Böteführ zum Stephen- Sondheim- Abend

 

Was macht frau am Samstag Abend allein zu Hause? Na klar: Sie ist verliebt! Und das mit allen Höhen und Tiefen, die dieser Zustand nun mal so mit sich bringt: der Traum vom Märchenprinzen, der dich aus dem Alltagsfrust rausholt, die Schwärmerei für den Verkäufer von nebenan, der dummerweise dem anderen Ufer zugehörig ist, die Wut über den Schuft, der sich still und heimlich mit einer anderen trifft, die Erkenntnis, dass Männer im Allgemeinen Schweine sind und schließlich... die Gewissheit, immer wieder – und gerne! – auf sie hereinzufallen.

 

Mit viel Witz und Charme erzählen Sopranistin Dörthe König, Schauspielerin Martina Makowski und Pianist Bernd Grußendorf die Geschichte von Doris und Harriet, die in zwei benachbarten Stadtwohnungen das Auf und Ab der Liebe erleben.

Zusammengestellt ist das Programm aus Liedern des amerikanischen Musicalkomponisten  Stephen Sondheim. Sondheim war in den USA ein Star, in Deutschland ist sein Werk eher einem Insiderpublikum bekannt. Als Co-Autor der berühmten Westside Story stand er im Schatten von Leonard Bernstein. Dabei war Stephen Sondheim ein außergewöhnlich talentierter Songschreiber. Seine Lieder sind geprägt von einem schier unerschöpflichen musikalischen Einfallsreichtum, der den Hörer immer wieder durch  teilweise ungewöhnliche Harmonik überrascht, ihm aber deshalb auch einige Konzentration abverlangt.

Dörthe König und Martina Makowski erleichtern ihrem Publikum den Zugang zu Sondheims Musik und seinen sprachlich vielschichtigen, oft hintergründig witzigen Texten durch den roten Faden einer Erzählung, zu der sie die einzelnen Lieder verknüpft haben, vor allem aber durch ihre szenische Darstellungsweise. So erleben wir, wie Harriet - hinreißend! - das Flirten übt, während Doris – herzzerreißend! -  mit Creme im Gesicht neben dem Telefon auf „seinen“ Anruf wartet. Auf dem dramatischen Höhepunkt der Darstellung begegnen sich beide auf dem Balkon,  jede mit einem Liebesbrief desselben Bobby  in der Hand – und der hat auch noch die beiden Adressatinnen verwechselt!

 

Sicher durch den Abend getragen wurden beide Sängerinnen vom Pianisten Bernd Grußendorf mit seinem einfühlsamen und nuancenreichen Spiel. Erstaunlich, wie es ihm gelang, den unglücklicherweise vor der Bühne stehenden Flügel ohne Verlust an Dynamik so in der Lautstärke zu kontrollieren, dass die Gesangsdarbietungen dennoch zur Entfaltung kamen.

 

Es gebührt den drei Künstlern eine große Anerkennung für dieses Programm. Sie haben Mut bewiesen, einen besonderen, aber in Deutschland weitgehend unbekannten Komponisten zu würdigen, in dessen Musik sich der Hörer einhören muss, die ihn fordert. Durch eine einfallsreiche und geschickte Performance wurde uns Stephen Sondheim im besten Sinne des Wortes nahe gebracht.