Saitenfest 2004

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 3:44

Saitenfest 2004

Der erste Eindruck des diesjährigen Saitenfestes im Kellinghusener Bürgerhaus war bereits schon optisch gewaltig : vor der Bühne baute das Gitarren-Duo  Bernd Ahlert und Michael Dussow  eine wahre Schatzkammer auf : nicht weniger als 10 Gitarren, die ihrer Bauweise nach den letzten Jahrunderten zuzuordnen sind. Die Baumeister dieser Instrumente sind die Gitarristen selbst, die dann zum Auftakt eine musikalische Reise unternommen haben und hierbei die verschieden Klangqualitäten ihrer Instrumente vorstellten. Die Reise begann zu den Anfangzeiten der Gitarre, über die Klassische Gitarre der Renaissance bis hin zur Brasilianischen Gitarre der Vierziger Jahre. Zu den einzelnen Stücken gaben die Künstler humorvolle Erläuterungen und setzten dann – technisch perfekt – die Noten in eine mitreißende Klangwelt um. Wer bis dahin glaubte, Klassische Musik wäre eher einfach, ohne Pep, der konnte sich hier vom Gegenteil überzeugen.

 

Michael Graefe, der musikalisch im Folk / Fingerpicking anzusiedeln ist, überzeugte das Publikum mit seinen eigenen Kompositionen, zu denen er jeweils erzählte, unter welchen Umständen die Komposition entstand. Der Umstand, dass er nicht die Technik des Spielens sondern das Spiel, das Stück selbst in den Vordergrund stellt, erlaubt es ihm, einfühlsame und ruhige, aber auch aufwühlende Stücke dem Zuhörer näher zu bringen – und wurde, wie bei seinen Vorgängen, mit lautlosem Zuhören und anschliessendem Beifall belohnt.

 Beeindruckend war sein Fingerpicking, welches er sowohl auf seiner selbst gebauten Stahlsaiten-Gitarre wie auch auf einer 12-saitigen Gitarre mit Perfektion geboten hat.  Gerade bei seinen schnelleren Stücken gelang ihm dadurch eine gewaltige Klangwelt, die – ein weiteres Mal – deutlich machen, dass die Gitarre zu den vielseitigsten Instrumenten überhaupt gehört und in jeder Musikrichtung einen eigenen Platz erschaffen hat. Michael Graefe ist für das Fingerpicking  ein hervorragender Künstler.

 

Das Berliner Gitarren-Duo Twelve Strings mit Thomas Glatzer und Matthias Wiesenhütter brachte frische und neue Gitarrenmusik mit einem ganz eigenen Sound. Dabei durchstreiften sie mehrere unterschiedliche Musikrichtungen, vom Folk bis zum Jazz, von der Klassik bis zum Nouveau Flamenco. Begeisternd war das nahtlose Zusammenspiel der beiden Gitarristen, die auch in den schwierigsten und schnellen Passagen ihrer Stücke – und derer gab es viele – ihr Können mit scheinbarer Leichtigkeit zum Ausdruck bringen konnten – wir haben hier sicherlich zwei Künstler gesehen, von denen man noch hören wird.

 

Nach dem Vorangegangenem versteht es sich von selbst, dass vom Publikum Zugaben gefordert wurden, so dass das Konzert einiges länger gedauert hat als ursprünglich geplant.

Aber für die meisten war es wohl dennoch zu kurz.