Pe Werner

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 3:13

Zweifellos

„Eine Nacht voller Seligkeit“

Standing Ovations für Pe Werner und Peter Grabinger

 

„Das Leben ist kein Quiz, sondern Schlager.“ Diesem widmet Pe Werner daher auch ein komplettes Showprogramm. Und das seit Jahren mit anhaltendem Erfolg. Dieser Erfolg hat gleich eine ganze Reihe von Ursachen. Zunächst einmal ist da die enorme Professionalität, mit der Pe dieses Programm darbietet. Sie kommt ursprünglich vom Kabarett und man merkt ihr an, dass sie in ihrem Metier ist, wenn sie so den ganzen Abend parodiert, imitiert und pointiert. Dabei räkelt sie sich mal wollüstig auf dem Flügel, spielt danach eine Betrunkene oder anschließend das brave Mädchen von nebenan.

Der zweite tragende Pfeiler ihres Erfolges mit diesem Schlager-Programm ist ihre Stimme. Denn egal, in welche Rolle sie schlüpft, ihre Stimme macht jede Wandlung mit.

Und dann macht es auch noch unheimlich viel Spaß ihr zuzuhören. Die Zuschauer bogen sich vor lachen, das Tempo mit dem ein Gag von dem anderen abgelöst wurde, war beeindruckend. Die Texte, mit denen sie ihr Publikum durch das Programm führte, waren dabei durchgängig eine Aneinanderreihung von Schlager-Titeln oder -Textausschnitten. Und obwohl sie viele Jahrzehnte der deutschen Musikgeschichte streifte, stellte das zweistündige Programm eine geschlossene Einheit dar. Dies lag vor allem daran, dass Pe Werner ihre eigene Biografie als roten Faden zugrunde legte. So plauderte sie von ersten Showerlebnissen verkleidet und mit Klobürste als Mikrofon vor dem Alibert Badezimmer-Spiegelschrank oder schwärmte von der Zeit mit ihrem VW-Bus.

Brillant wird ihr Programm allerdings dadurch, dass es eben keine reine Schlager-Revue bleibt. Sie durchbricht das Seichte und Triviale dieser Lieder, indem sie auf die Hintergründe und das Zeitgeschehen eingeht. So singt sie nicht nur Marika Röcks Schlager von 1944 „Schau nicht hin, schau nicht her“, sondern enttarnte diesen Durchhalteschlager, indem sie ebenfalls deutlich Worte für die Nazi-Schergen fand, auf das zerbombte Vaterland und die KZ-Toten einging, also das Zeitgeschehen erläuterte. Bleibt auch dem wohl eher konservativen Schlagerliebhaber dann das eine oder andere Lachen im Halse stecken: Es zeichnet Pe Werner aus, dass sie ihrem Publikum dies zumutet, dass sie sich nicht ausschließlich der Leichtigkeit dieser Evergreens hingibt.

So hat in ihrem Programm der „Chanson vom Wirtschaftswunder“ ebenso seine Berechtigung wie das „knallrote Gummiboot“.

Die Zuschauer können sich dabei auf Pe Werner verlassen: Sie wird tief- aber nicht trübsinnig. Ihre Show ist zu jedem Zeitpunkt ein Genuss.

Das gilt übrigens auch für Peter Grabinger am Flügel, ihre „One-Man-Band“. Er begleitet Pe nicht nur, er spielt mit, singt mit und das, ohne auch nur einen Ton daneben zu setzen.

Entsprechend groß war die Begeisterung bei den etwa 200 Fans in der Ulmenhofschule, die trotz Schnee und Glatteis aus vielen Landesteilen Schleswig-Holsteins angereist waren. Mit Standing Ovation feierten sie die beiden Künstler und genossen diese „Nacht voller Seligkeit“.

Oliver Zantow