Maurenbrecher und Wester

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 2:51

Maurenbrecher + Wester:

Der Intellektuelle und das Genie

 

Nein, ein typischer Liedermacher ist Manfred Maurenbrecher wahrlich nicht. Seine Stimme klingt im ersten Moment gewöhnungsbedürftig, manchmal nuschelt er ein wenig und überhaupt macht er einen recht individuellen Eindruck. Im ersten Moment. Wer sich nämlich auf Musik und Texte Manfred Maurenbrechers einlässt, hat ein sehr tiefes und zugleich äußerst unterhaltsames Erlebnis vor sich. Da redet einer nicht geschliffen daher, da erzählt jemand mitten aus dem Leben. Erdig und ehrlich. Mal zynisch, mal romantisch, oftmals auch beides in einem Lied. So schildert er beispielsweise zwei gesellschaftlich Gestrandete ( „Ich war am Boden und bin noch gesunken“) und hält melodiös dagegen: „In Binz auf Rügen, da flutet das Licht. In Binz auf Rügen, da sorgt man sich nicht.“ Oder er komponiert eine Hymne auf die Dose, die ordinäre Weißblech-Getränkedose. Oder er singt von dem Fernfahrer, der am 24.12. noch mit einer Ladung Blautannen unterwegs ist und sich berechtigte Sorgen macht, ob er die wohl noch los wird. Wird er natürlich nicht und das Ganze endet in einem Happening mit brennendem LKW und neuen Freunden. „Nur ein Reifen blieb übrig, ich roll ihn durchs Gras – bergauf ist es mühsam, bergab macht es Spaß.“ „Ob traurig oder hell, allgemein oder speziell – am Ende der Nacht wird es immer wieder hell.“ Der Text dieses Liedes ist so schön und bezeichnend, dass man ihn am liebsten vollständig abschreiben möchte...

Manfred Maurenbrecher ist ein ernsthafter Schelm. Er ist zweifellos ein Meister im Erzeugen unterschiedlichster Stimmungen. Und immer wieder enthalten seine Lieder Sätze, entstehen Bilder, die man am liebsten nie wieder vergessen möchte. „Liebe kann man lernen“ ist so eines dieser Lieder. Oder „In der Nachbarschaft“. Einer der Refrains hält uns vor Augen: „Es ist immer einer da, der`s besser kann.“ Das mag für viele Situationen zutreffen, aber bestimmt nicht für einen Abend mit Manfred Maurenbrecher. Er ist nicht nur unverwechselbar in seiner Art, er kann seine Lieder auch interpretieren, wie kein Zweiter. Oft sind die Kollegen, für die er komponiert hat, wesentlich berühmter geworden als er. Aber besser sind sie nicht.

Der Preis der deutschen Schallplattenkritik, den er für sein letztes Album „Ende der Nacht“ erhalten hat, mag dies ebenso bestätigen, wie der deutsche Kleinkunstpreis, der ihm bereits 1992 verliehen wurde. Übrigens zusammen mit Richard Wester. Und nun wird es höchste Zeit, zu seinem Duo-Partner noch ein paar Worte zu sagen! Mit Richard Wester hatte Manfred Maurenbrecher einen genialen Musiker an seiner Seite. Er zählt zu den besten Saxophon-Spielern der Republik, greift aber genauso gerne zur Querflöte, zur Klarinette oder zur Harp. In „Komm spiel mit mir“ hat Richard Wester ein atemberaubendes Querflöten-Solo integriert, das dem Titel alle Ehre macht. Und nicht zuletzt seine zahlreichen Instrumental-Stücke unterstrichen, dass er keineswegs nur als der Begleitmusiker von Manfred Maurenbrecher angereist war.  

Nebenbei machte Richard Wester auch noch unseren hübschen 60er-Jahre-Barhocker zum Running Gag des Abends. Mehrfach probierte er ihn aus, aber er war einfach zu hoch, um darauf zu sitzen. In der Pause organisierten wir kurzerhand einen neuen, doch auch der war ungeeignet, da die Querverstrebung, um den Fuß abzusetzen, viel zu weit oben angebracht war. Übertroffen wurden diese Einlagen nur noch von dem wohl einfallsreichsten Appell, eine CD zu kaufen, den wir bislang zu hören bekamen. Manfred Maurenbrecher und Richard Wester waren mit dem Zug angereist. Und es käme ihnen doch sehr entgegen, wenn auf der Weiterfahrt die Taschen etwas leichter seien.

Waren sie auch. Aber wen wundert`s, nach dem Konzert...

Oliver Zantow