Pveilchen

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 2:49

Danke, Pveilchen!

 

„In Kellinghusen schließt sich nun der Kreis“, sagte Peter Burkhardt. 1983 haben die Pveilchen hier begonnen und sich in den folgenden Jahren einen festen Platz in der norddeutschen Kabarett-Szene erspielt. Auch für PEP sind die Pveilchen eine ganz besondere Gruppe. Bereits auf der Gründungsversammlung waren sie dabei, das Honorar, das wir damals im Hut für sie gesammelt haben, spendeten sie PEP als Startkapital. Seitdem traten sie regelmäßig bei uns auf, das heutige Abschiedskonzert war das inzwischen sechste (wenn denn die alten Aufzeichnungen stimmen und ich nicht einen Auftritt vergessen habe).

Doch bevor Wehmut aufkam, gaben die Pveilchen mit ihrem aktuellen Programm noch einmal richtig Gas. „Beraten und verkauft“ ist erneut ein gelungener gesellschaftlicher Rundumschlag. Diesmal sogar mit Hit-Single. „Von Neustrelitz bis Wangerooge, auch in Bottrop alles schwarz. Blüh im Glanze dieses Glückes, von Braunlage bis hinauf zum Harz“, stampfte es von der Bühne. „Die Deutschen bringt halt nur eine Farbe außer Rand und Band.“

Viele aktuelle Spitzen befanden sich im Programm. Für kräftige Lacher sorgten beispielsweise die Reden, die der Arbeitgeberpräsident schon mal vorsorglich für Horst Köhler geschrieben hat, damit der die im Herbst nach vollzogenem Machtwechsel vortragen kann. „Wer krank wird, muss auch sterben dürfen“ oder „Hungerlohn macht schlank und schön“ wurden uns da als Parolen von morgen präsentiert. Aber „über Geschmack, da lässt sich trefflich streiten, in diesen tiefkühlpizzaschweren Zeiten.“ Und die Moral von der Geschicht? „Der eine würgt, der andere ist schon tot.“

Natürlich bekamen auch all die anderen Polit-Promis ihr Fett weg an diesem Abend. So zum Beispiel Gerhard Schröder, „dem nun wahrlich kein Freund mehr vorwerfen kann, ein Visionär zu sein“. Für wahre Lachanfälle sorgten die Zitate aus seinem neuesten Buch „Nun mal im Ernst“, allen voran die Currywurst als sein Potentaten-Placebo. Aber immerhin machen diese Leute von sich reden, denn längst „nicht jede Westerwelle wird ein Tsunami“.

Bei der Millionärs-Show musste der Kandidat anschließend lange grübeln, ehe er wusste, in welchem Film Peter Harry Carstensen eine bedeutende Nebenrolle spielt. Ist es „Peter, der große Womanizer“ oder „Auf den Spuren des Heidemörders“ oder ist es „Das große Koalieren“?

Auch nicht einfach zu beantworten war die Frage: „Wer erhält den nächsten Oskar?“ Gerhard Schröder für „Gegen die Wand“, Angela Merkel für „Endstation Sehnsucht“ oder die PDS?

Aber wir Deutsche nehmen unsere Probleme sowieso alle viel zu ernst. Die europäischen Nachbarn lassen sich die Stimmung nicht verderben, „nur wir Teutonen pflegen unsere Depressionen“.

Am Ende halfen Emma und Ewich Borchers aber weder ihr Engagement noch die Beratung beim Finanzamt. Fazit: „Aldi Lidl, die wir in unserem Laden gesungen haben, sollen plötzlich keinen Penny mehr wert sein? Dabei haben wir Real doch PLUS gemacht. Wenigstens MiniMal.

In den Zugaben sorgte Franz Gruitrooy dann noch einmal für Jubel, als er „den erfolgreichsten Lyriker Deutschlands“ mit einer gelungenen Parodie aufs Korn nahm: Marius Müller W.

Und um den Zeitgeist nicht aus den Augen zu verlieren, wurden wir mit dem A-Cappella-Stück „Kein schöner Zeit in diesem Land“ verabschiedet.

Wir unsererseits verabschiedeten uns von den Pveilchen, die in dieser Besetzung das letzte Mal aufgetreten sind, mit PEP-Bechern. Vielleicht erinnern die nicht nur an wunderschöne Konzertabende wie diesen, sondern sorgen auch für Wehmut, die Grit Pancke und ihre Jungs dann doch wieder auf die Bühne treibt.

Wir würden uns freuen und euch gerne wieder einladen!

Oliver Zantow