Anne Haigis

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 2:48

Anne Haigis und Jens Filser spielten im Bürgerhaus:

Brillante Musiker, brillantes Konzert

 

Sie wollten eigentlich nur mal Lieder spielen, die zu zweit vielleicht besser funktionieren, Songs, die ihnen so über den Weg gelaufen sind in all den Jahren. Herausgekommen ist eine CD und ein Programm,  wie es intensiver kaum sein könnte. Es hat nur wenige Minuten gedauert, bis die Besucher des voll besetzten Bürgerhauses davon ebenfalls überzeugt waren. Am Ende war die Euphorie so groß, dass sich die Zuschauer unter rhythmischem Klatschen nach und nach von ihren Stühlen erhoben, bis schließlich der ganze Saal die beiden Musiker mit stehenden Ovationen verabschiedete.

In den zwei Stunden dazwischen haben Anne Haigis und Jens Filser die Fans mit einem Querschnitt aus Annes deutsch- und englischsprachigem Repertoire begeistert.

Eine gut gelaunte Anne plauderte zunächst einmal über den denkwürdigen Tag ihres Auftrittes. Vor wenigen Wochen hatte sie sich noch für den SPD-Ministerpräsidenten Per Steinbrück im Wahlkampf engagiert und an eben diesem Tag hat der Kanzler mit seiner Vertrauensfrage die nächste konservativ geprägte Zeit eingeläutet. Sie machte keinen Hehl daraus, dass ihr dies nicht passt, kam dann aber zu dem süffisanten Fazit, dass es letzten Endes eh nur darauf ankäme, ob die Kerle Charme hätten. Und schon war sie bei den Liebesliedern, bei den Verliebten und auch bei den Frustrierten. „All I wanna do is making love to you“ hieß es dann oder auch “Haut für Haut hab ich dich von mir gestreift“, als aus der Liebe wieder Kummer geworden war.

Nachdem sie sie lange Zeit gar nicht mehr singen wollte, habe sie inzwischen wieder ihren Frieden gemacht mit den deutschsprachigen Liedern. Zum Glück. So einfühlsam die Texte, so leidenschaftlich die Interpretation, kein Wunder, dass inzwischen bereits zwei Alben „Das beste in deutsch“ erschienen sind.

Aber unabhängig von der Sprache ist es erstaunlich, was Anne Haigis auf der Bühne leistet. Ihr Stimmvolumen, die vielen Facetten ihres Klanges, wie akzentuiert sie die Texte singt: Man muss wirklich lange suchen, um eine ähnlich gute Sängerin zu finden.

Aber nicht nur Anne verausgabt sich völlig auf der Bühne. Das Gleiche gilt für Jens Filser, ihren Gitarristen. Er scheint in allen Stilen zuhause zu sein, begeistert immer wieder mit fantastischen Soli. „Und für einen Gitarristen kann er auch ganz gut singen“, nahm Anne ihren Kollegen am Ende des Konzertes hoch, nachdem der – allerdings aufrichtig – ihr Gitarrenspiel loben wollte. Und dann unterstellte sie ihm noch, er wolle lieber nicht, dass sie auch Blues singe. Klar, dass ein furioser Blues dann den Abschluss des Konzertes bildete. Herrlich, wie Anne dann in etlichen Textvariationen deutlich machte, „I am a black forest girl and I can sing the blues!“

Aber auch wenn Anne nicht mit dem Text spielt, wirkt jedes Lied wie ein

Unikat. Selbst so bekannte Lieder wie „One of us“ interpretiert sie mit einer Inbrunst, hinter der sich das Original verstecken kann.

Herrlich übrigens auch das Bühnenbild, dass Anne und Jens aufgebaut hatten. Im Vordergrund flackerten fünfzehn Kerzen, dann die beiden Musiker auf ihren Barhockern, eingerahmt von ihren Instrumenten, im Hintergrund ein Spot, der eine Blumengirlande in Szene setzte.

Und dann war da noch Elsa, Annes Retriever-Hündin. Sie verbrachte den zweiten Set im Saal und schlich mal durchs Publikum, mal über die Bühne.

Auch wenn Anne ihren Hund heiß und innig liebt, mich hat Elsas Anwesenheit gestört. Ständig lief sie hin und her oder stand auf der Bühne und bellte. Und so ertappte ich mich immer wieder dabei mehr den Hund zu beobachten als sein Frauchen. Und das war sehr schade. Das Konzert war einfach zu toll, um auch nur ein Lied zu verpassen!

 

Oliver Zantow