Hannes Wader

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 1:51

Hannes Waders umjubelter Tourneeauftakt bei PEP

Familienerbe

Herzstück seines Auftrittes war das lange Lied vom „Familienerbe“, eine Uraufführung, wie Hannes Wader ankündigte. In dem Stück erzählt er von dem über Generationen gewachsenen Engagement seiner Familie in der Arbeiterbewegung. Und von der damit gewachsenen Nähe zur Sozialdemokratie. Was heißt Nähe? Verwachsen waren seine Vorfahren mit dieser Partei. So erzählte Hannes Wader die Geschichte des Familienvaters, der Ende des 19. Jahrhunderts wegen sozialistischer Agitation verbannt wurde und kam über den Kieler Matrosenaufstand, den antifaschistischen Großvater schließlich auf seine für das Frauenwahlrecht kämpfende Mutter zu sprechen. Das Leben etlicher Verwandter führte er uns mit Hilfe spannender Geschichten vor Augen. Doch bei seiner eigenen unterbrach Hannes Wader die Familiensaga. Zum einen, weil ihm die eigenen Erlebnisse noch zu gegenwärtig sind, zum anderen, wie er schmunzelnd sagte, weil er der einzige in seiner Familie gewesen sei, der zumindest vorrübergehend mal Kommunist war.

Der Traum von einem neuen Sozialismus tauchte auch später im Programm noch einmal auf, als er sich und – der Applaus unterstrich das – viele seiner Fans darin bestärkte, das Ende der Neoliberalen Zeit herbeizusehnen und sich schon einmal am Knirschen zu freuen, wenn es gelingt, dem Kapital Sand ins Getriebe zu streuen.

Überhaupt zeigte sich Hannes Wader wieder deutlich politischer an diesem Abend. In Form einer Mathestunde rechnete er aus, wie hoch der Berg sei, wenn die Wal-Mart-Erben ihre jeweils über 100 Milliarden Dollar Erbschaft in 100 Dollar Noten aufeinanderstapelten.

Betroffen setzte er sich mit dem Phänomen auseinander, dass ausgerechnet Neonazis seine Lieder singen. Und zwischendurch immer mal wieder ein Arbeiterlied wie „Schon so lang“.

Da war er also wieder, der kämpferische Hannes Wader. „Trotz alledem“. Seine Anhänger dankten es ihm mit frenetischem Beifall.

Von Beginn seiner Show mit „Heute hier, morgen dort“ und seiner schon längst legendären ersten Fahrt „Nach Hamburg“, über verschiedene Bellmann-Stücke bis hin zur plattdeutschen Zugabe, zeigte Hannes Wader ein gutes Gespür bei der Auswahl seiner Lieder und präsentierte einen abwechslungsreichen Ausschnitt seines inzwischen sehr umfangreichen Repertoires.

Am Ende freuten sich Fans und Künstler gleichermaßen über den gelungenen Tourneestart.

Und wir als Veranstalter freuen uns zudem noch darüber, dass sich die Sattlerschule auch an diesem Abend bewährt hat. Nun haben wir Akustik und Kapazität dieses Saales getestet und können weitere größere Veranstaltungen hier planen.

Vielleicht ja auch mal wieder eine mit Hannes Wader. Er sagte es auf der Bühne und schrieb es sogar noch einmal ins Gästebuch, wie gerne er wieder einmal in Kellinghusen war und dass er gerne wiederkommen würde.

Diese Freude, lieber Hannes, liegt ganz auf unserer Seite...

 

                                                                                              Oliver Zantow