Ataraxia

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 1:42

Ataraxia in der Stadtbücherei

Meine Lieder stehen vor deiner Tür ...

Meine Lieder stehen vor deiner Tür und klopfen an, öffnest du mir? Mit dieser Aufforderung, einer Zeile eines Hesse-Gedichtes eröffnete Herbert Storjohann von der Gruppe "Ataraxia" den PEP-Liederabend in der Stadtbücherei.
Zusammen mit Klaus Gärtner (Querflöte, Baß) und Frank Ostersehlt (Keyboard) hatte der Gitarrist und Sänger aus Kellinghusen ein besonderes Programm erarbeitet.
Hermann Hesse (1877-1962), der seine Gedichte immer auch als Lieder verstanden hat, hätte sicher seine Freude an der Ataraxia-Vertonung des Gedicht-Zyklusses gehabt. 13 Gedichte bilden einen Zyklus, in dem es um die verschiedenen Jahreszeiten geht.
Darüber hinaus transportieren sie auf spezielle Weise Hesses Bekenntnis zur inneren Freiheit, ihm genügt es zu leben, Zwänge und Ziele sind ihm zuwider. Frühjahrsblüten, Sommerregen, ein splittrig-geknickter Ast im Herbst, und dann der letzte Schritt, den man immer allein gehen muss ...

Wie Blüten gehen Gedanken auf,
hundert an jedem Tag,
lass blühn, lass dem Ding den Lauf,
frag nicht nach dem Ertrag ...

Dreistimmige Musik, die Welt unser Traum und nicht zuletzt das wohl bekannteste Hesse-Gedicht Stufen, einfühlsam vertont und interpretiert – Versuch einer Liederbelebung, so nannte Herbert Storjohann das Anliegen von "Ataraxia", denn jeder hat seine Heimat in sich selbst und ist darin ein privilegierter Ausländer.

Nach diesem ersten Teil präsentierte "Ataraxia" eigene persönlich-poetisch-politische Lieder, wie sie ihre absolut nicht schubladengerechten Texte mit Musik nennen. Zwischentexte regten zum Nachdenken an. Die Zuhörer konnten das alte Paar förmlich vor Augen sehen: Im Land der Kinderträume stehen sie jetzt Hand in Hand ...Und Zwischen zwei Meeren nahm mit in die Sehnsucht, die wohl auch Fernweh heißt.

"Ataraxia" hatte mit verschiedenen Requisiten eine stimmungsvolle Atmosphäre geschaffen, die den intimen Rahmen des Stadtbücherei-Ambientes noch betonte. Zum Schluss noch einmal Hermann Hesse, gelesen aus einem Buch der Stadtbücherei Kellinghusen:

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

Marianne Ehlers