Projekt Lunar

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 1:41

Was für eine Nacht

Sterne funkeln vor dem schwarzen Vorhang, der Mond leuchtet. Die Stimmung gibt das Thema vor: Es geht um die vielen Assoziationen zum Thema Nacht.

„Was macht den Zauber der Nacht aus“, fragte Marianne Ehlers zu Beginn des Auftrittes von Projekt Lunar. „Konzerte wie dieses“, lautete die einhellige Meinung des Publikums an diesem Abend.

Die Gruppe hatte ein äußerst abwechslungsreiches Programm zusammengestellt für diesen Auftritt. Der Wechsel von literarischen Texten und Liedern wurde dabei gerne für nette Effekte unterbrochen. So zum Beispiel damit sich die Zuschauer über eine Jahrzehnte alte Signal-Werbung amüsieren konnten.

Die Reise durch die Nacht begann mit dem Zug (Nighttrain to Munich). Mit der Eisenbahn ging die Reise später auch zuende (The train that leaves tonight).

In dieser Nacht begegneten wir jungen Leuten ebenso wie alten, Liebenden ebenso wie Mördern. Die zu singenden (und zu spielenden) Geschichten wie den Kriminal-Tango stellte Dörthe König vor, die literarischen wie die von der ersten Liebesnacht im VK Käfer vor vierzig Jahren las Marianne Ehlers. Lieder und Texte wurde dabei in etlichen Sprachen vorgetragen. Hochdeutsch und Plattdeutsch waren dabei ebenso zu hören wie englische, französische oder italienische Texte.

Die Musiker Erk Böteführ, Ute Pauleit und Ronald Kowalewski sind auch als Mitwirkende von Guitavio bekannt. Erk an der E-Gitarre zu erleben ist jedoch dem Projekt Lunar vorbehalten. Hier ließ er sich dann auch nicht die Gelegenheit entgehen, in dem „Night Boogie“ den wild abrockenden Rock-Gitarristen zu parodieren.

Sehr ernst gemeint war dagegen die Mahnung, der rechten Gewalt zu begegnen. Die Musiker griffen den Anschlag von Neonazis in Mölln noch einmal auf, um in dem darauffolgenden Lied daran zu erinnern, dass es in Deutschland nach wie vor spukt.

Mit dem dann wieder ermutigenden „Questa nuova realta“ von Konstantin Wecker ging der erste Set zuende.

Zu Beginn des zweiten Teils bekamen wir zunächst die Phasen des Einschlafens erläutert. Marianne Ehlers erklärte unter dem Gelächter der Zuschauer wie der Geist allmählich auf das Niveau von Vorabend-Serien sinkt und die Suche nach dem Ort Flagranti beginnt, an dem es spannende Dinge zu erleben geben soll. Der Theorie des Einschlafens folgte eine sehr aufgeweckte Version des „Mr. Sandman“.

Zahlreiche berühmte Kollegen wurden im Laufe des Programms zitiert, unter anderem Queen Bee („Volle Kanne Kerzenschein“), Reinhard Mey („Gute Nacht, Freunde“) oder Klaus Hoffmann („Der selbe Mond wie über Berlin“). Apropos Mond: Auch ihm gebührt natürlich ein ausführliches Kapitel, wenn man sich mit der Nacht beschäftigt. Da war dann auch der Mann im Mond, der erste Mensch auf dem Mond, die Mondscheinsonate und schließlich – dann wieder gesungen – der „Moon River“.

Das Finale dieser Nacht läutete Erich Kästners Gedicht über eine Animierdame ein. Es war die lyrische Fortsetzung des zuvor prophezeiten „Ich benutz dich heut Nacht“.

Bei solch einer Themenvielfalt ist eigentlich nur erstaunlich, dass die Nacht auch noch zum Schlafen da sein soll...

                                                                        

Oliver Zantow