Julian Dawson

Gespeichert von Webmaster am 7. Dezember 2010 - 1:27

Von Frauen, Männern, Showbiz-Ehen und Woodstock  

Erk Böteführ zum Konzert von Julian Dawson & Richard Kennedy

Wir haben es natürlich sehr bedauert, dass Country JoeMcDonald seinen Auftritt abgesagt hatte, aber rückwirkend lässt sich erahnen, dass er es nicht leicht gehabt hätte, gegen das hervorragend aufgelegte Duo Julian Dawson und Richard Kennedy zu bestehen.

Der in unseren Breiten noch relativ unbekannte Neuseeländer Richard Kennedy eröffnete den Abend solistisch mit drei Liedern, in denen er sich vom ersten Ton an als außergewöhnlicher Gitarrist erwies. Beeindruckend seine Spielweise. Als Linkshänder, der aber auf einer normalen rechtshändigen Gitarre spielt, zauberte er mit seiner eigenwilligen Spieltechnik ungewöhnliche Klangwelten. Dass dieser Musiker auch noch hervoragend bei Stimme war, belegte er mit seinen beiden mitreißenden Eigenkompositionen und dem Hendrix Song „Little Wing“. Eigenwillig aber war nicht nur sein Gitarrenspiel, sondern auch seine Körpersprache. Der Mann war von Scheitel bis zur Zehenspitze einfach nur Musik.

Somit legte er die Latte für diesen Abend und selbst für seinen Duopartner Julian Dawson sehr hoch. Dieser aber wusste natürlich seine besonderen Qualitäten professionell auszuspielen. Hervorragende, kraftvoll gespielte Songs, seine warme, einfach wohlklingende Stimme, seine witzigen Moderationen machen diesen Musiker immer wieder zu einem Ereignis.

Fans, die Julian Dawson schon öfter erlebt haben, wissen, dass seine Auftritte sich selten gleichen. Geradezu unerschöpflich  ist sein Repertoire, aber selbst bekannte, oft gespielte Songs wie „Luckiest man in the western world“ oder „If he wanted us to fly“ erstrahlten an diesem Abend in völlig neuen und spannenden Arrangements, deren Fundament auf den  einfallsreich verzahnten Gitarren der beiden Musiker gründete. Mein persönlicher Favorit: Dawsons wunderschönes „How can I sleep without you“ in einer packenden up-tempo-Version.

 

Julian Dawson erschien zum zweiten Mal im Schottenrock in Kellinghusen, aber dieses Mal mit einer anderen Erklärung. Wies der Schottenrock beim erstem Mal auf entfernte schottische Vorfahren hin (außerdem besonders zum Erschrecken von Schulmädchen in Zügen geeignet), so wurde er jetzt  als Tribut an verschiedene Komponistinnen erklärt, denen Dawsons jüngstes Album gewidmet ist.  Er schlug vor, das Konzert unter das Motto „Rock pur“ zu stellen. Darüber hinaus bot er für Männer den Workshop „Bücken im Rock an“

Dieses neue, ungewöhnliche CD-Projekt stellte er in den Mittelpunkt seines Konzertes; er singt auf dieser CD ausschließlich Lieder, die durch Frauen bekannt geworden sind bzw. auch von Frauen geschrieben wurden, z.B. Joni Mitchell, Aretha Franklin, Doris Day oder Dusty Springfield. Dabei beleuchtete er das Phänomen, das Frauen immer wieder Lieder von männlichen Autoren gesungen haben, deren textlicher Gehalt offensichtlich frauenfeindlich ist.

Häufig geht es aber auch um Männer, die sich Frauen gegenüber „wie Schweine“ verhalten haben. Deren Pech, wenn sie z.B. an die exquisite Joni Mitchell gerieten, in derem bekannten Song „The Gallery“  das Fehlverhalten eines solchen männlichen Exemplars der Weltgemeinschaft offenbart wurde.

Es ist typisch für Julian Dawson, dass er mit viel Spontanität und sehr zur Freude des Publikums sein Soll übererfüllte, indem er in „Vertretung“ für den abwesenden Country Joe McDonald eine ganze Menge Flower Power Stimmung in der Ulmenhofschule verstreute. So servierte er in der Zugabe die Woodstockhymnen schlechthin, nämlich Country Joe McDonalds „I feel like I’m fixing to die Rag“ und Canned Heats „Going up the Country“.

 

Fazit: Ein toller Abend.