RORYMANIA

Gespeichert von Webmaster am 5. Dezember 2010 - 23:47

 

Rorymania in der Ulmenhofschule

Ein Rückblick von Erk Böteführ

 

Rory Gallaghers Gitarrenspiel hat vor allem in den 70er Jahren, also in meiner Generation, ganze Heerscharen von angehenden Gitarristen nachhaltig beeinflusst. An seinem Vorbild konnte man wachsen, an seiner Unerreichbarkeit schier verzweifeln. Und so wurde ich von Richie Arndts einleitenden Worten zu dem Stück „Laundramat“ an meine ersten eigenen Versuche an der E-Gitarre erinnert: „Was war das schnell, das konnte man doch selbst nie schaffen!“

Doch im Laufe der Zeit begriff man, dass nicht nur Gallaghers Virtuosität so magisch war, sondern seine sehr individuelle Spielweise. Sein Spiel war anders und unnachahmlich. Und so waren die vier Gitarristen der Rorymania, zu Gast in der Kellinghusener Ulmenhofschule, gut beraten, Gallaghers Spiel nicht zu imitieren, sondern seine Lieder mit ihren eigenen Mitteln zu interpretieren. Sie wurden damit Gallaghers Musik in ihrer jeweiligen Ausrichtung und in ihrer Vielschichtigkeit in einem hohen Maße gerecht. Richie Arndts komplexes und dramaturgisch durchdachtes Gitarrenspiel kam dem Gallaghers sicherlich am nächsten. Henrik Freischlader begeisterte mit unglaublicher Vitalität, mit weit angelegten Spannungsbögen und einer Menge Humor. Auf die leicht jazzige und sehr gefühlsbetonte Seite von Gallaghers Musik, die es ja auch gab, hatte sich Gregor Hilden spezialisiert. In den späten Siebzigern ging Rory Gallaghers Spiel zunehmend in Richtung Hardrock. So war dann Alex Conti sicherlich der geeignete Gitarrist, um diese spätere Phase in der Karriere des irischen Gitarristen zu dokumentieren.

Es war faszinierend zu hören, wie respektvoll, aber auch kreativ diese vier Gitarristen mit der Musik des Altmeisters umgingen - nämlich nie in Manier einer Coverband, also keine detailtreue Imitation, sondern immer bemüht um eine künstlerische Auseinandersetzung. Und so war es durchaus folgerichtig, das eigentliche Gallagher-Programm mit eigenen Stücken zu unterbrechen, die dem Publikum deutlich machten, welches geballte gitarristische und künstlerische Potential an diesem Abend in der Ulmenhofschule zu erleben war.

Für sein Projekt „Rorymania“ hat Richie Arndt zumeist Songs ausgewählt, die aus Gallaghers früher Karrierephase stammten. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass Arndt gerade von diesen Liedern geprägt wurde. Aber er tat vor allem das musikalisch Richtige, denn zu keiner Zeit war Gallagher kreativer und musikalisch offener. Später widmete er sich über viele Jahre hinweg einem Dampfhammerrock, der zwar sehr populär, aber zugleich musikalisch doch recht eingeschränkt blieb. Dafür hätte es keine vier Gitarristen mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten gebraucht. Erst in den Jahren vor seinem Tode 1995 widmete Gallagher sich wieder sehr ernsthaft dem Blues, den er – musikalisch und sogar gitarristisch gereift - noch einmal in seinen Tiefen auslotete.