Heinz Rudolf Kunze

Gespeichert von Webmaster am 5. Dezember 2010 - 23:42

 

Heinz Rudolf Kunze: Eine Empfehlung

Ja, ich werde ihn weiterempfehlen. Freunden und Bekannten werde ich vorschwärmen von diesem wortgewandten Zyniker, den unplugged-Stücken, der gemütlichen „After-Show-Party“ beim Inder.

Ja, ich werde ihn weiterempfehlen, diesen listig-leisen Heinz Rudolf Kunze. Ihn und seinen musizierenden Manager Wolfgang Stute.

Schon der Einstieg war ungezwungen und herzlich. Nein, nicht sein erster Text „In den Abgrund“, diese düsteren Verse zur Lage der Nation. Die Begrüßung meine ich, die erste Begegnung im Backstage-Raum. Unverkrampft und ehrlich begegnete er mir. Und Heinz Rudolf Kunze machte keinen Hehl daraus, dass er sich überhaupt nicht mehr erinnern konnte an seinen letzten Auftritt bei uns. Aber als er das eine oder andere Foto davon vorgelegt bekam – die dienten nicht der Überführung, natürlich sollten sie für Fans signiert werden – erinnerte er sich sofort an diese 99er-Tour mit Melone und Zipfelbart, an das anschließende Album „Korrekt“ mit dem schrägen Titelbild, das er heute noch für sein schönstes Cover hält.

Später passierte ihm das Gleiche noch mal: Und wenn sie ihm noch ein paar Runden die Geschichte erzählt hätte, wo und mit wem sie ihn in Kiel vor wer weiß wie viel Jahren getroffen hat – er hatte es einfach nicht mehr auf dem Schirm. Aber es beschäftigte ihn auch später in der Garderobe noch. „Soll ich lügen?“, fragte Heinz Rudolf Kunze nachdenklich. Nein, sollst du nicht. Du triffst dermaßen viele Leute jedes Jahr, da kann auch der schärfste Verstand nicht jede Begegnung speichern.

Setz den auch weiterhin lieber dafür ein, das Zeitgeschehen zu analysieren und bissig zu kommentieren.

„Die Verschwörung der politischen Leisetreter gegen das Volk ist Weltspitze.“ So zum Beispiel.

„Das ist keine Verschwörungstheorie, das ist Verschwörungspraxis“.

Kunze ist mitten in seinem Element, macht er vor niemandem mehr halt.

Zwischen den Texten Musik von Wolfgang Stute. Gitarrenstücke unterschiedlichster Genres, zu schade eigentlich als Pausenfüller. Später wird Wolfgang Stute auch noch auf der Cajon spielen, aber da befinden wir uns längst im Zugabenteil. Da haben die beiden mit „Brille“, „Aller Herren Länder“ oder auch mit „Won't Get Fooled Again“ von „The Who“ längst für frenetischen Beifall gesorgt.

Klar hätten sie gerne ein paar mehr Lieder spielen können, befinden sich auf dem „Kommando Zuversicht“, dem Hörbuch zur Tour, etliche weitere Lieder, die ich auch zu gerne live erlebt hätte. Vielleicht das nächste Mal.

Auch so sind Heinz Rudolf Kunze und Wolfgang Stute mit stehenden Ovationen verabschiedet worden nach einem äußerst kurzweiligen und unterhaltsamen Abend.

Dann waren die Bücher ausverkauft, dann wurde alles signiert, was nicht zum festen Inventar der Ulmenhofschule gehört, und dann ging es zum Inder. Bei Mango-Lassi und Lamm Massala wurden noch einige weitere Anekdoten ausgetauscht.

Ja, ich werde ihn weiterempfehlen. Diesen Künstler, seine Platten, seine Bücher. Und auch dieses Programm, in dem er viel liest und wenig singt. Er macht nämlich beides ganz ausgezeichnet.

Und ansonsten wird nach dem nächsten Album bestimmt die nächste Tour folgen. Und dann wird er mit ziemlicher Sicherheit nur singen und gar nicht lesen. Aber bestimmt wird er dann auch viel weiter weg sein, als er es an diesem Abend für seine Fans gewesen ist.