Women on Stage

Gespeichert von Webmaster am 5. Dezember 2010 - 23:40

 

Langer Anlauf

Ein Rückblick von Erk Böteführ zum Konzertabend „Women on Stage“

Bereits zum vierten Mal hat PEP die Konzertreihe „Women on Stage“ in der Kellinghusener Ulmenschule veranstaltet.  Mit Jane Taylor, Meike Köster und Debbie Cassell waren in diesem Jahr drei eher unbekannte Musikerinnen zu Gast. Man durfte also gespannt sein.  Jeder Musikerin wurde ein Rahmen von ca. 30 Minuten eingeräumt, um sich dem Publikum zu präsentieren.

Jane Taylor, Meike Köster und Debbie Cassell schreiben, spielen und singen ihre Songs selbst, sie entsprechen also dem Bild der Musikerin, die wir hierzulande als Liedermacherin bezeichnen – oder moderner – Songwriter.  Singen und spielen, zugleich das Publikum über einen gewissen Zeitraum gut unterhalten, das ist eine höchst anspruchsvolle Aufgabe, der sich diese drei Frauen in der Ulmenhofschule stellten. Auffällig war, dass alle drei Musikerinnen ihre Lieder souverän auf der Gitarre begleiten konnten. Wurde in früheren Jahren der Begleitstil der sogenannten Liedermacher oft als „Geschrammel“ verspottet, so erweist sich die junge Generation der „Songwriter“ in dieser Hinsicht als kompetent und bisweilen sogar sehr einfallsreich.   

Jane Taylor eröffnete den Abend mit vornehmlich ruhigen, sehr schönen Songs. Für mein Gefühl hätte ihr Programm aber dynamischer sein dürfen. Auf der Bühne agiert Jane Taylor eher zurückhaltend, fast wirkt sie ein bisschen schüchtern. Darunter leidet  ihre Bühnenpräsenz. Ich erwischte mich dabei, dass meine Aufmerksamkeit zeitweilig arg nachließ.

Deutlich kantiger, dynamischer agierte im Anschluss Meike Köster. Sie textet in englischer und deutscher Sprache. Dabei zeigte sich, dass sich ihre Musik mit den englischen Texten besser vertrug. Meike Köster setzte in ihrer Performance nicht nur auf mehr musikalische Power, sondern brachte auch mehr Humor ein, so dass ihre Vorstellung um einige Längen unterhaltsamer geriet. Auf der Gitarre bot sie viel Abwechslung: Fingerpicking, perkussives, sehr rhythmisches Strumming, elektronische Loops, ein Wah-Wah-Pedal - all das nutzte sie. Und dennoch, auch ihre Musik wollte bei mir nicht zünden. Zu wenig prägnant erschienen mir ihre Songs. An manchen Stellen traten sie auf der Stelle, an anderen gerieten ihre Melodien zu einer Aneinanderreihung von melodischen Motiven, die oft etwas willkürlich erschienen.

Lag es an mir, an einem Tag, der mir schon einiges abverlangt hatte, dass ich mich nicht so recht begeistern konnte? Dabei hatte ich mich so auf diese Veranstaltung gefreut, denn in all den Jahren, die wir „Women on Stage“ in Kellinghusen präsentiert haben, geriet diese Veranstaltung immer zu einem absoluten Highlight. Ich erwischte mich dabei, dass ich während des Konzertes an frühere Mitwirkende wie Sally Barker zurückdachte, an Kerstin Blodig oder Sara K., die einen so unauslöschlichen Eindruck hinterlassen haben.

Nach Meike Köster betrat dann die Engländerin Debbie Cassell die Bühne – und auf einmal wurde alles anders. Vom ersten Ton an beanspruchte diese Frau meine Aufmerksamkeit. Sie spielte Gitarre, Banjo und Klavier, schuf auf diese Weise verschiedene Klangbilder. Das wichtigste aber waren neben ihrem sehr groovigen und einfühlsamen Spiel ihre Kompositionen. Es waren eben wirklich Kompositionen. Ob die Lieder einfach gebaut waren oder eher komplexe Strukturen hatten , sie glänzten voller melodischer und harmonischer Einfälle, waren überraschend in ihren Wendungen und doch nachvollziehbar. Mit ihrer Musikalität und Präsenz ließ Debbie Cassell den langen Anlauf, den dieser Abend brauchte, vergessen.  

Wir haben an diesem Abend viele schöne Songs gehört, aber oft hätte man den Musikerinnen gewünscht, dass sie eine Band oder Begleiter dabei gehabt hätten, die ihren Songs noch mehr Würze und Abwechslung verliehen hätten. Die permanente Notwendigkeit, sich ständig selbst begleiten zu müssen, schränkt den Raum für eine wirksamere Gestaltung oft ein. Begleitmusiker können hier sehr entlastend wirken.

Und folgerichtig geriet das gemeinsame Spiel der drei zum Höhepunkt des Abends. Herrlich sangen und spielten sie dreistimmig Paul Simon’s „Cecilia“ oder Carole Kings „You’ve got a friend“. Jane Taylor, Meike Köster und Debbie Cassell begeisterten ihr Publikum mit den Songs ihrer weltberühmten Songwriter-Kollegen so sehr, dass Zugabe auf Zugabe folgte, bis das Repertoire wirklich aufgebraucht war. Und da kam am Schluss „Joni Mitchells“ Big Yellow Taxi“. Diese Verbeugung vor der großen kanadischen Songschreiberin hat auf sympathische Weise bewiesen, dass diese immer noch Pate steht für ungewöhnliche und intelligente Songs, wie Debbie Cassell sie zu schreiben weiß.