Richie Arndt & The Bluenatics feat. Kellie Rucker

Gespeichert von Webmaster am 5. Dezember 2010 - 1:50

Kellie Rucker mit Richie Arndt & The Bluenatics in der Ulmenhofschule

Voller Energie und Spielfreude

„It´s hard to get old“, sagte Kellie Rucker, gleich nachdem sie die Bühne betrat. Kaum vorstellbar, dass Kellie diese Aussage auf sich bezogen hat. Ihr Aussehen und ihr Auftreten zumindest vermitteln eher einen gegenteiligen Eindruck von der sympathischen Amerikanerin. In knallenger Jeans zieht die zierliche Frau aus Los Angeles die Blicke auf sich, wenn sie singt, tanzt und ihre Harp bläst. Und alles beherrscht sie gleichermaßen ausgezeichnet. Zusammen mit Richie Arndt und seinen Bluenatics präsentiert sie ein sehr abwechslungsreiches Programm, das bewusst sehr gleichberechtigt ausgearbeitet worden ist, was die Auswahl der Stücke betrifft, wie die Musiker später verrieten. Kellie Rucker ist kein „Special Guest“ an diesem Abend und aus Richie Arndt & The Bluenatics wird für diese Tournee nicht plötzlich die „Kellie Rucker Band“. Also spielen sie nahezu im Wechsel ein Stück von Richie und dann wieder eines aus Kellies Programm. Natürlich kam viel Blues dabei heraus. Aber dieses Genre bearbeiteten die Musiker sehr vielschichtig. Im ruhigen Duett mit Kellie träumte Richie Arndt in „Mississippi“ davon, endlich einmal diesen Staat zu besuchen, bei „Walking by myself“ und anderen Klassikern ging es recht druckvoll zur Sache. Aber Kellie Rucker brachte auch ein Country-Stück mit nach Deutschland, die Beatles wurden ebenso ausgegraben, wie Jimmy Cliff mit seinem Klassiker aus den 60er Jahren „I can see clearly now“. Und wie ein roter Faden zogen sich die „Train-Songs“ durch das Programm. Kein Wunder, denn die beiden arbeiten gerade an einem neuen Album zu diesem Thema.

Konnten Kellie Rucker und Richie Arndt schon jeder für sich überzeugen, galt dies in besonderem Maße für den zweistimmigen Gesang. Und auch an ihren Instrumenten begeisterten die Musiker. So lieferte sich Schlagzeuger Frank Boestfleisch mit Kellie Rucker an der Harp ein feuriges Duell im „Night Train“, dem sich ein mächtiges Drum-Solo anschloss. Dieses ging dann nahtlos über in ein rasantes Bass-Solo, mit dem auch Jens-Ulrich Handreka unter Beweis stellen konnte, dass er den Kollegen in nichts nachstand. Unglaublich, was sich mit diesem vier kräftigen Saiten alles anstellen lässt!

Natürlich darf Richie Arndt, der Kopf dieser Formation, an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben: Sein Gitarrenspiel ist einfach kompromisslos genial. Er beherrscht ein sehr breites Repertoire an Stilen, sorgte für druckvollen Rock und Blues, für stampfende Beats ebenso wie für gefühlvolle Balladen und faszinierte mit seinen Gitarrensoli, gerade weil diese nie zu extrovertiert gerieten.

Kurzum: Die Zuschauer bekamen ein hochklassiges und spannendes Programm geboten, das mit viel Energie und Spielfreude vorgetragen wurde.

Nach dem Konzert, in der Garderobe, korrigierte Kellie Rucker dann auch ihre anfängliche Bemerkung über das Altern. Sie hatte diese auf ihre Augen bezogen, da es ihr zunehmend schwer fällt, den Zettel mit der Setlist, der vor ihrem Mikro auf dem Boden lag, zu lesen.

Das beruhigt mich wieder. Wenn sich dieses Energiebündel schon alt fühlt, was sollen wir dann erst sagen...

 

Oliver Zantow