Midge Ure

Gespeichert von Webmaster am 5. Dezember 2010 - 1:44

 

Von unberechtigter Skepsis
und einem großartigen Musiker

Ich gebe es gerne zu: Ja, ich war auch sehr skeptisch, ob Midge Ure solo und akustisch funktionieren würde. Seine Lieder sind in den bekannten Versionen auf den bekannten CDs so stark von E-Gitarre, Schlagzeug und Synthesizer geprägt, dass ich mir nicht vorstellen konnte, wie sie in so puristischer Form klingen sollten. Aber Midge Ure hat mich vom Gegenteil überzeugt. Noch stärker als die genannten Instrumente prägt eben seine Stimme, sein Gesang diese Lieder. Und er hat sie geschickt umarrangiert für die akustische Gitarre.

So stand dann ein Weltstar, bekannt durch etliche Nummer-Eins-Hits und mit Millionen verkaufter Alben, in bester Singer-Songwriter-Manier auf der nach seinen Wünschen nur sehr spärlich ausgeleuchteten Bühne. Er erzählte und scherzte in seinem herrlich schottischen Akzent und würzte das Ganze noch mit einem sympathischen Schuss Ironie – durchaus auf sich selbst bezogen. Beispielsweise kündigte er Stücke für sein neues Album an, an dem er seit Jahren arbeitet. Seit so vielen Jahren, dass er zwischenzeitlich bereits wieder Lieder für ein anderes neues Album aufgenommen hat...

Seine neue CD soll eine Zusammenstellung von Cover-Stücken werden, die ihn beeinflusst haben, seinen musikalischen Weg prägten. Davon hat er einige vorgestellt, schließlich hat seine aktuelle Single-CD mit dem Titel „two“ dieser Tournee ja auch ihren Namen gegeben. Aber zu Jubelstürmen im Publikum kam es natürlich, wenn er seine eigenen Hits zum Besten gab. Und davon hatte er reichlich eingepackt. „The voice“ war der erste große Hit dieses Abends, es folgte „Fade to grey“ („Ich habe es lange nicht mehr gespielt. – But it´s mine.)

Er spielte die Stücke so, wie sie entstanden sind. Alleine und auf der akustischen Gitarre. Meine anfängliche Skepsis hatte sich längst in Wohlgefallen aufgelöst. Schade nur, dass der Sound so dröhnte. Zumindest immer da, wo ich mich aufhielt. Aber vielleicht lag das ja daran, dass die Kollegin am Mischpult erkältet war und etwas stärker aufdrehen musste, um alles mitzubekommen...

„Beneath a Spielberg sky“, „Vienna“, „Breathe“. Dann ein leises Gitarren-Intro und auf einmal brüllt Midge Ure “Dancing with tears in my eyes” ins Mikro. Jubelstürme branden auf.

„Hymn“, „If I was“: Nach dieser Aneinanderreihung von Hits waren standing ovations die logische Konsequenz.

Nach gut 80 Minuten war die Show vorbei. Aber keiner verließ enttäuscht die Halle. Midge Ure hat alles gegeben, eine ebenso brillante wie unaffektierte Show absolviert, dass die Fans sich glücklich auf den Heimweg machten.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass zum Gelingen dieses Abends auch Richard John Thompson beigetragen hat. Der junge Engländer aus Newcastle erlebte im Vorprogramm von Midge Ure seine erste Deutschland-Tournee und präsentierte sich ebenso freundlich wie gut.

 

Wer übrigens immer noch daran zweifelt, wie klasse Midge Ure auch solo ist, dem seien seine Alben „Intimate moments“ empfohlen. Je nach Belieben stellt er hier auf CD oder DVD sein akustisches Programm vor.

Genauso überzeugend wie in der Ulmenhofschule.

 

                                    Oliver Zantow