Anne Haigis

Gespeichert von Webmaster am 5. Dezember 2010 - 1:43

Großes Konzert in kleinem Rahmen

Erk Böteführ zum Konzert von Anne Haigis und Jens Filser

Draußen ist es noch hell, aber die in ein atmosphärisches warmes Lila getauchte Bühne, dekoriert durch eine Vielzahl von Kerzen und Lichterketten, lenkt die Blicke des Publikums in das Zentrum des Geschehens. Dort sitzen auf Barhockern Anne Haigis und Jens Filser und weben mit zwei Stimmen und zwei Gitarren einen dichten Klangteppich, der den Hörer sofort gefangen nimmt.

Anne Haigis besitzt eine außergewöhnliche, ja wohl unvergleichliche Stimmfärbung, die den Zuhörer von Anfang an aufhorchen lässt. Bedeutsamer aber ist, dass die Sängerin ihre Stimme auch eindrucksvoll einzusetzen weiß, um den Liedern die Seele zu verleihen, mit der sie ihr Publikum seit vielen Jahren zu fesseln und zu begeistern vermag.

Im ersten Teil ihres Programms präsentieren die beiden vor allem „Klassiker“ aus ihrem Repertoire, auf die man sich einfach immer wieder freut. Jede Menge Highlights gibt es. Sei es der Ohrwurm „No Man‘s Land“ oder der Gänsehautsong „Nacht aus Glas“. Ihren Hit „Kind der Sterne“ führt Jens Filser mit einem fulminanten Gitarrensolo zu immer weiteren Höhepunkten. Hier deutet der Ausnahmegitarrist zum ersten Mal an, welche Klasse er besitzt. Solche prickelnden Momente gibt es im weiteren Verlauf des Abends noch einige. Jens Filser umrahmt nicht nur die Lieder, sondern veredelt sie.

Der zweite Teil steht vor allem unter dem Motto der aktuellen CD „Good Day for the Blues“. Es ist typisch für die Musik von Anne Haigis, dass auch bluesige Songs, die in ihrem Kern ja eher schlicht sind, sehr vielschichtig arrangiert werden. Hinzu kommt eine schier unglaubliche Dynamik, ein Wechsel von höchster Intensität und Energie mit leisen, eher lyrischen Passagen. Das Lied baut sich auf, wird weiter und weiter getrieben und dort, wo der Zuhörer ein „Mehrgehtnicht“ vermutet, gibt es doch noch einen weiteren Höhepunkt, um endlich mit furiosem Finale zu enden. Man spürt dass die Musiker hier in ihrem Element sind. Sie geben alles.

Man kann es eigentlich nur bedauern, dass Anne Haigis in Kellinghusen kein breiteres Publikum findet. Sie hätte es allemal verdient. In all den Jahren, in denen sie bei PEP gastierte, hat sie immer wieder die Zuschauer begeistern können. So gab es auch dieses Mal die verdienten „Standing Ovations“. Anne Haigis selbst fand, es war ihr bisher bestes Konzert in Kellinghusen. Darüber kann man nun geteilter Meinung sein, denn ich habe alle vier Konzerte von ihr hier erlebt und sie waren allesamt klasse.