Dotschy Reinhardt

Gespeichert von Webmaster am 5. Dezember 2010 - 1:32

„Zurück in die Zukunft“

Erk Böteführ zum Konzert von Dotschy Reinhardt

Der Name Reinhardt hat in der Musikszene bis heute einen fast magischen Klang. Der Jazzgitarrist  Django Reinhardt startete gemeinsam mit dem Geiger Stephane Grapelli im Hot Club de France in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts von Paris aus eine Weltkarriere. Django Reinhardts ungemein virtuoses Gitarrenspiel galt als sehr innovativ und beeinflusste Generationen von Gitarristen bis heute. Selbst ein Jimi Hendrix hat sich ausdrücklich auf das Vorbild Django Reinhardt berufen, der als der Begründer des europäischen Jazz und als sein bedeutendster Vertreter galt.

Ein kleines, aber sehr interessiertes Publikum erwartete in der Kellinghusener Ulmenhofschule Dotschy Reinhardt, eine Enkelin dieses legendären Musikers. Diese hatte in der letzten Zeit in verschiedenen Medien immer wieder von sich reden gemacht. Umso gespannter durfte man sein, wie die junge Musikerin mit dem Reinhardt-Erbe umgehen würde.

 Fast schüchtern wirkt Dotschy Reinhardt, als sie die Bühne betritt. Sie legt aber schnell ihre Befangenheit ab, singt sich frei und taucht zusehends in die Lieder ein, die sie mit klarer und kräftiger Stimme singt. Es wird schnell deutlich, dass Dotschy Reinhardt eine moderne Jazz-Sängerin ist. Bossa Nova, Funkrhythmen, ungerade Taktarten, selbst popmusikalische Akzente finden sich in ihrer Klangmixtur. Ihr Musizierstil ist keinesfalls mit dem typischen Gipsy Swing ihres Großvaters gleich zu setzen. Diese Reminiszenz gibt es nur zum Abschluss ihres Konzertes mit dem berühmtem „Minor Swing“. Aber auf geradezu überraschende Weise gelingt es Dotschy Reinhardt sehr wohl, die Musik ihres Großvaters ins 21. Jahrhundert zu transportieren. Django Reinharts Musik besteht ausnahmslos aus Instrumentalkompositionen. Dotschy hat zu einigen seiner Stücke Texte geschrieben und will damit zeigen, dass sie singbar sind. Experiment gelungen! „Djangology“ zeigt sich in einem völlig neuen, aber schlüssigen Gewand.

Eine besondere Stärke aber entfaltet Dotschy Reinhardt in ihren ganz eigenen, außergewöhnlich schönen Liedern, die sie z.T. in der Sprache der Sinti, dem Romanes, singt. Jazz in ihrer eigenen Muttersprache ist ein Statement, das sie gleich mit dem ersten Lied „Gai  Rath“, gibt. In der Ansage zu „Sinto“ wird sie noch deutlicher. Die 600jährige Geschichte ihres Volkes in Deutschland war von mehr Tiefen als Höhen geprägt. Für ihre Generation scheine sich etwas zu ändern. Ein Lied, dass ihren Leuten Mut machen soll, in die Zukunft zu schauen.

Der zweite Teil des Konzertes wird vor allem  geprägt von Klassikern des Great American Songbooks wie „Body and Soul“, „Girl from Ipanema“ oder einem mitreißenden „All of Me“. Damit legt Dotschy Reinhardt die andere Quelle offen, die sie geprägt hat und aus der sie musikalisch schöpft.

Dotschy Reinhardt und ihrem Ensemble mit Dino Dornis an der Gitarre, Michael Brüning am Kontrabass und Amando Chuh am Schlagzeug gelang ein emotional dichtes, abwechslungsreiches, immer wieder überraschendes Konzert, das zu den PEP Highlights des Jahres 2008 zählen dürfte. Erst nach zwei Zugaben entließ das Publikum die junge Sängerin und ihr hervorragenden Begleitmusiker.

Ein kleiner Wermutstropfen soll nicht verschwiegen werden. Die beiden Sets von 40 bzw. 35 Minuten Spieldauer waren doch etwas knapp geraten.