Paul Millns

Gespeichert von Webmaster am 5. Dezember 2010 - 1:26

Von wegen undercover

Publikum, Künstler, Ton-Techniker und auch wir als Veranstalter: Alle waren sich darin einig, einen rundum gelungenen Abend erlebt zu haben.
Paul Millns war wieder einmal zu Gast bei uns und sorgte vor vollem Haus für ein Konzerterlebnis der besonderen, der intensiven Art.
In Begleitung von Butch Coulter stellte Paul Millns sein neues Album „Undercover“ vor. Neu ist gut, er hat die CD bereits 2006 veröffentlicht, stand seitdem aber nicht bei uns auf der Bühne.

Zum Warmwerden und Eingrooven spielte Paul zunächst einige ältere Titel, in die entstandene Atmosphäre fügten sich die neuen Lieder allerdings nahtlos ein. Vom flotteren und sehr rhythmischen Titelsong des neuen Albums „Undercover man“ bis hin zu gefühlvollen Balladen wie „One Rainy Sunday“, „History Of A Kiss“ oder „Back In Your Mainstream“ wussten alle Titel zu überzeugen. Erstaunlich, wie es Paul Millns immer wieder gelingt, zu diesen sensiblen Melodien auch noch ebenso einfühlsame Texte zu schreiben. Immer wieder versteht er es, mit seinen metaphorischen Texten die Zuhörer in ein Bild, ein Gefühl einzubinden, an der jeweiligen Situation teilhaben zu lassen. „I wanna be back in your mainstream, don`t wanna be swimming against the waves. I wanna sail back in your harbour, I wanna be rescued I wanna be saved” mag da stellvertretend für etliche Strophen seiner Texte stehen. Texte, die er gut verständlich vorträgt, und denen es auch an Deutlichkeit nicht mangelt. „You can`t change the world all by yourself, make a wrong become a right. Cos it’s the big lies that fuck the world up, but the little lies hurt most of all.” Bei all den intimen, zwischenmensch-lichen Problemen, die seine Lieder ansprechen, bei all der Lieb, die natürlich immer wieder in all ihren Facetten thematisiert wird, ist Paul Millns doch auch ein sehr politischer Mensch. Er macht keinen Hehl daraus, wie groß seine Abneigung gegenüber George W. und wie groß das Misstrauen gegenüber dem großen Bruder ist – bei aller Sympathie für die Wahl Obamas.

Paul Millns ist ein außergewöhnlich großer Künstler, auch wenn immer noch das Bürgerhaus in Kellinghusen als Veranstaltungsraum ausreicht. Aber zum einen war das ja nun auch recht gut gefüllt, zum anderen könnte er ja sonst auch nicht auf dem ausgezeichneten Petrof-Flügel spielen, der dort zur Verfügung steht. Dieses Instrument hat es ihm besonders angetan. Am nächsten Tag, als wir noch etwas Zeit für einen Kaffee und ein Gespräch fanden, erzählte Paul von Tasteninstrumenten, die er im Laufe einer Tour kennen lernt und die ihm so manches Mal den Spaß an seiner Arbeit vermiesen.

Und kurioser Weise gibt es auch sehr starke regionale Unterschiede was die Größe des Publikums betrifft. In manchen Städten zieht Paul Millns mit Leichtigkeit 400 Besucher an. Wenige Tage später telefonierten wir noch einmal. Da war er in Magdeburg und sollte in wenigen Stunden ebenfalls mit Butch Coulter auftreten – vor ausverkauftem Haus.

Bei all der Schwärmerei über Paul darf aber eben dieser Butch Coulter auch nicht unerwähnt bleiben. Mit seiner Gitarre und seiner Harp sorgt er nicht nur für eine Untermalung der Lieder, er bringt auch Abwechslung in den Sound und erntet für seine Soli so manchen Szenenapplaus.

Und was bleibt nach einem solchen Konzert? Eine CD, die regelmäßig gespielt wird und die Vorfreude auf den nächsten Besuch. Gerne ausverkauft, aber bitte immer noch im Bürgerhaus.

Paul, Butch und der Petrof: Die Drei sind einfach ein tolles Gespann!

Oliver Zantow