Chris Farlowe & Hamburg Blues Band feat. Clem Clempson

Gespeichert von Webmaster am 5. Dezember 2010 - 1:22

Blues als Adrenalin

 

Sind Sie auch ausgelaugt, fühlen Sie sich auch müde und erschöpft? Sind die Tage zu lang, die Pausen zu kurz?
Ich hätte da einen Tipp für Sie, der die alltäglichen Verspannungen zuverlässig beseitigt und in einen rhythmischen Bewegungsdrang umwandelt: Besuchen Sie ein Konzert von Chris Farlowe, der Hamburg Blues Band oder am besten ein gemeinsames von beiden.
Bei mir zumindest hat es gestern eine entsprechende Wirkung erzielt.
Ebenso kaputt wie skeptisch begann ich den Musikern zuzuhören. Die Skepsis lag darin begründet, dass mir die Hamburg Blues Band bei ihren letzten Auftritten stets zu hart war, ich mit der zweifellos genialen, aber für meine Ohren auch sehr aggressiven Gitarre von Alex Conti nicht so viel anfangen konnte. Würde sich dies mit Clem Clempson an den Saiten ändern? Und wird Chris Farlowe sein Programm in ähnlicher Form vorstellen, wie bei den letzten Auftritten mit der Norman Beaker Band?
Die Musiker haben mit all diesen Zweifeln sehr gründlich aufgeräumt. Die Hamburg Blues Band spielte den ersten Set, natürlich mit Clem Clempson an der Gitarre und Adrian Askew an Keyboard und Orgel: Beide sind längst feste Bandmitglieder. Chris Farlowe kam im zweiten Set dazu.
Zumindest für meine Ohren klang die HBB von Beginn an anders. Druckvoll natürlich, aber auch ebenso abwechslungsreich stellten Gert Lange und Co. ihr neues Album „Mad Dog Blues“ vor. Der Sound war klasse, die Stimmung in der voll besetzten Ulmenhofschule ebenfalls. Obwohl er sich teilweise ganz schön durchbeißen musste, wie er mir in der Pause sagte, war Gert Lange nicht anzumerken, dass er tags zuvor in Rostock noch mit hohem Fieber pausieren musste.
Meine Müdigkeit wich, Begeisterung setzte ein.
Zwischendurch besuchte ich noch einmal Chris Farlowe in der Garderobe. Auch er hatte mit einer Erkältung zu kämpfen. Mal sehen, ob wir noch was für ihn tun können. Aber er war vergnügt, sortierte seine Sachen und sang munter mit.
In der zweiten Halbzeit dieses Abends stellte er dann sein neues Album „Hotel Eingang“ vor. Die Hamburg Blues Band begleitete ihn perfekt. Und um es vorweg zu nehmen: Das neue Album von Chris Farlowe ist großartig.
Er lieferte ein grandioses Konzert ab, spielte in gewohnt genialer Weise mit seiner Stimme, präsentiere alte Hits wie „All or nothing“ und auf Wunsch in der Zugabe auch noch „Out of time“.  Nahtlos fügten sich seine neue Stücke in dieses Programm ein, Balladen wie „Don`t wanna love you anymore“ wurden ebenso gefeiert wie der Boogie „So hard to get alone with“.
Dabei ertappte ich mich dann dabei, dass ich längst putzmunter und tanzend diese tollen Musiker und ihre Show feierte.
Die Moral von der Geschicht? Auf Live-Musik verzichte nicht. Du würdest dich erheblicher Endorphine berauben.

 

Oliver Zantow