Erja Lyytinen

Samstag, den 1. November 2014 um 20.00 Uhr in der Ulmenhofschule Kellinghusen

Karten im Vorverkauf 17,-€, und an der Abendkasse 20,-€

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Erja Lyytinen

Erja Lyytinen ist Teil einer aufregenden jungen Generation europäischer Blues Künstler, denen es gelingt den traditionellen Blues Amerikas in die heutige Zeit zu tragen. Aus Ihrer Heimat hatte Sie sich vor wenigen Jahren herausgewagt, und das Publikum in ganz Europa zu faszinieren und zu begeistern, oder auch um Ihre Alben an soweit von einander getrennt liegenden Orten wie Helsinki, hier befindet sich Ihr eigenes Seasound Studio, und dem studio des legendären Jim Gaines in Memphis aufzunehmen. Gefeiert für Ihr erstaunliches Spiel der Slidegitarre, Ihr eindringliches Songwriting und Ihrer geschmeidigen Stimme, ist Erja für ein Leben außerhalb der Musik undenkbar. Nach Forbidden Fruit geht die Finnin Erja Lyytinen wieder deutlich zurück zu ihren musikalischen Wurzeln, dem Blues. Die Meisterin des Bottlenecks schlägt auch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, denn "The Sky Is Crying" ist eine exquisite Verneigung vor Elmore James.

Dabei hat sich die Künstlerin nicht nur auf die bekannten Gassenhauer beschränkt, sondern auch einige unterhalb des großen Bekanntheitsgrades schlummernde Elmore James-Hinhörer ausgesucht. Das Projekt, einen viel zu früh verstorbenen Blueser auf ihr Art und Weise zu ehren, kommt sehr gut an.
 Ohne alle anderen Nummer in den Schatten stellen zu wollen, darf man sich über den letzten Track der vorliegenden Platte wohl besonders freuen, denn Robert Johnsons "Dust My Broom" ist mit seinen etwas über neuneinhalb Minuten eine Live-Einspielung aus dem Tavastia Rock Club, Helsinki. Diese phasenwiese auch heftige Slide-Zelebration ist ein krönender Abschluss einer Scheibe, die es rundum in sich hat.

Erja Lyytinen hat sich die Freiheit genommen, Text auf die weibliche Situation umzuschreiben. Perfekt fügen sich die beiden Eigenkompositionen "Erja's Contribution To Jazz" sowie die Elmore James-Huldigung "King Of The Slide Guitar" in den überzeugenden Gesamteindruck des Albums ein. Der erstgenannte Track ist ein Instrumental mit einigen sehr schönen Finessen im Gitarrensound und natürlich ist auch hier das Bottleneck im Dauereinsatz. Dazu kommt ein fein agierender Harri Taittonen am Piano. Das perkussive Intermezzo verfehlt auf keinen Fall seine Wirkung. Grandios!
 Durch "King Of The Slide Guitar" führt uns unter anderem eine akustische Gitarre und ohne es nun einen Rückschritt nennen zu wollen, hätte diese Nummer mit ihrem sehr melodischen Touch auch auf dem Vorgänger Platz gefunden. Wie dem auch sei ... das Arrangement mit stellenweise leicht fernöstlichen Anklängen kommt ebenfalls sehr gut rüber und Harri Taittonen, jetzt am Akkordeon zu hören, mag man auch. Insgesamt ist das Stück im Vergleich zu allen anderen fast schon exotisch.

Bei "The Sky Is Crying" denkt man nicht nur an Elmore James sondern vielleicht in erster Linie an Stevie Ray Vaughan. Ab jetzt darf in diesem Zusammenhang definitiv auch der Name Erja Lyytinen einbezogen werden. Diese Nummer ist wie eine musikalische Wundertüte und vom Tempo her nahe am absoluten Nullpunkt angesiedelt. Hammer! So kann man sich diese auf hohem Niveau angesiedelte Version immer und immer wieder anhören. Mit sehr guten eigenen Ideen und der Gebläse-Untermalung avanciert dieses Lied zu einem Dauerbrenner der Scheibe.

Einen klasse Abstecher in den leichten Funk leisten sich Erja Lyytinen & Co. mit "Got To Move". Spätestens hier weiß der Hörer, warum Abdissa Assefa im Line-up dieses Tonträgers auftaucht. Nicht jeden Song muss man loben. "The Sky Is Crying" ist eine riesige Portion Slide-Blues, bei der man sich bestimmt nicht verschluckt.

Erja Lyytinen hat mit den ausgewählten Liedern, die Bezug zu Elmore James haben und ihren exzellenten Eigenkompositionen ein Album auf den Markt gebracht, von dem der Hörer einfach nur begeistert sein kann. Ein Auszug aus ihrem Text zu "King Of The Slide Guitar" belegt, wie sehr sie mit der Musik des Slide-Meisters verbunden ist:

»My bleeding heart it cures the pain
 To play his song again and again
 My bleeding heart it cures the pain
 A song can dry up all the rain«

"The Sky Is Crying" ... so muss man eine Huldigung vollenden. Erja Lyytinen hat bei diesem Album aus meiner Sicht alles in die richtigen Wege geleitet und mit ihrem faszinierenden Slide-Spiel überragend gepunktet. Tradition und Moderne sind zwei Zahnräder, die auf wunderbare Weise ineinander greifen und für einen authentischen Eindruck sorgen.
 

 

Hineingeboren und aufgewachsen in einer äußerst musikalischen Familie in der kleinen Stadt Kuopio / Finnland, entwickelte sich Erja schnell zu einer ernstzunehmenden jungen Künstlerin in Ihrem Heimatland. Von Anfang an kombinierte sie dabei Elemente des Folk, Rock, Jazz und sogar Pop mit Ihrem frischen und dennoch ursprünglichen Südstaaten-Blues.

2005 gab Sie Ihr internationales Debut mit auf dem Album Pilgrimage, und gab den Hörern damit einen ersten Geschmack auf Ihre außergewöhnliche Live-Performance. Außerdem führte dies auch zu einer großen Anzahl äußerst erfolgreicher Auftritte in den Vereinigten Staaten.

Ihr folgendes Solo-Album Dreamland Blues bei Ruf Records nahm Erja erneut in den U.S.A. zusammen mit David und Kinney Kimbrough (Söhne der Mississippi Blueslegende Junior Kimbrough) und Ihrem langjährigen musikalischen Partner Davice Floreno auf. Dieses Album wurde von Finnlands YLE Radio Suomi „Bluesministeri“ zum „Album des Jahres 2006“ gekürt. Nach zwei Jahren des Tourens „on the road“ kehrte Erja 2008 mit dem Album Grip of the Blues zurück. Dieses Album bietet einen Mix aus kantigem Blues mit modernem R&B und zeigt Erja’s Gabe filigrane und poppige Melodien zu schreiben.

Voracious Love, veröffentlicht im Mai 2010, ist sicherlich Erja’s abenteuerlistigstes Album bisher. Jeder der meint, er kenne Erja’s Sound, wird hier überrascht sein. Auf Voracious Love wimmelt es geradezu von bissigen Beats, einschmeichelnden Melodien und unerwarteten Texten mit ihren Drehungen und Wendungen. Ein Album ohne musikalische Scheuklappen: „ Ein Crossover-Album, welches die stilistischen Grenzen ausweitet,“ erklärt Erja hierzu. Das freigebig orchestrierte „Bed of Roses“ mit Marco Hietala von Nightwish am Gesang und dem Cellisten Paavo Lötjönen von Apocalyptica ist nur ein Beispiel für die große Bandbreite dieses Albums und ihres Schaffens. Und ist definitiv ein weiterer großer Schritt vorwärts in der musikialische und persönlichen Entwicklung Erjas.

Auf dem Album Forbidden Fruit begibt sich die finnische Slide-Gitarristin Erja Lyytinen mit ihrer Bluesmusik völlig neue, persönliche Gefilde. Sie findet neue Wege ihre Emotionen auszudrücken, Erlebnisse zu verarbeiten und ihre musikalischen Ambitionen zu erfüllen. Von den tiefempfundenen Texten und den gut geschriebenen Songs bis zu dem emotionalen Gehalt ihrer Solos und dem harmonischen Zusammenklang der Band- Forbidden Fruit verkörpert all das, was wir als den Inbegriff der Bluesmusik empfinden.

Ob man es nun als Therapie, echte persönliche Überzeugungen oder einfach als Feier des Lebens bezeichnet - dieses Album vereint alles. Und wie Erja scherzhaft bemerkt: „Es wurde alles ohne Autotuner gemacht [lacht], also wurde alles so eingesungen und eingespielt, wie ihr es hört.“

Forbidden Fruit ist ein sehr vielseitiges Album. Die gefühlvollen Lyrics passen hervorragend zu den tiefen Gitarrentönen, die alle von Erjas natürlicher Lebendigkeit zusammengehalten werden.

Die Songs wurden in Helsinkis Rescue Room Studios aufgenommen, das Foto für das Cover schoss die Finnin Tina Korhonen  in den Murder Mile Studios in London. Die komplett weibliche Crew steigerte offensichtlich zudem noch Erjas Selbstbewusstsein.  Und es gibt viel, worauf sie stolz sein kann, beschreibt Forbidden Fruit doch alle Facetten des Lebens. Bemerkenswert ist hierbei auch das Aufeinandertreffen von alten Bluestraditionen – die Kunst des Geschichtenerzählens und sexuelle Doppeldeutigkeit – mit zeitgenössischen musikalischen Werten. Zu jedem gut gewählten lyrischen Ausdruck gibt es einen passenden komplexen Gitarrenpart: Die Spanne reicht vom Gitarrenspiel des Co-Produzenten Davide Floreno in Joyful Misery bis zu Erjas gitarrengeführter Klangmauer in Jealousy. Darüber hinaus schöpft sie alle klanglichen Möglichkeiten ihrer neuen Custom Shop Fender Stratocaster bei Forbidden Fruit, Joyful Misery und Change of Season aus, während die radikale Zusammenstellung und die ungewöhnlichen Akkorde in Death Letter den Bluesstandard wiederbeleben.

Co-Songwriter Alan Darby (der schon mit Bonnie Raitt und Bonnie Tyler gearbeitet hat) sorgt für das  American feeling bei zwei Songs, bei denen es um Beziehungen geht: dem selbsterklärenden At Least We Still Fight und dem sehr intimen Joyful Misery. Letzterer wurde durch die bereits  50 Jahre andauernde Beziehung zwischen Erjas Onkel und Tante inspiriert. Auch die ehrlichen Lyrics des Titeltracks verschweigen nichts: „ A flower in blossom attracts all kind of bees“-  womit Erja ihren Vorsatz „ehrlich, wunderschön und traurig zur gleichen Zeit zu klingen“ erfüllt, bevor sie uns schließlich mit Lil Johnsons Press My Button verabschiedet.

Forbidden Fruit ist ein Album voll realer Geschichten, Gefühle, einem großartigem Zusammenspiel und Erjas eindringlicher Stimme. Blues hat sich nie zuvor so lebenswichtig, so essenziell angehört.

 

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